Georgischer Wein: 'Pass in die zivilisierte Welt'

Artikel veröffentlicht am 28. November 2011
Artikel veröffentlicht am 28. November 2011
Falls du darüber nachdenkst in deinem Urlaub eine Weinprobe zu machen, vergiss Frankreich und mach dich auf den Weg in den Kaukasus. Wein aus Georgien kommt immer mehr in Mode.

“Gaumarjos!” prostet Gia Aliashvili, Weinproduzent aus Kakheti im Osten Georgiens, den Besuchern zu. Er kann gut anstoßen, denn Gias Weingut und -keller sind mittlerweile auf den Listen der lokalen Weinliebhaber gelandet. Wie viele andere georgische Weinbauern heißt Aliashvili seine ausländischen Besucher im Herbst in seinem ‘marani’ oder Weinkeller willkommen.

Nicht für russische Gaumen

“Wein-Tourismus ist keine Innovation“, erklärt Maya Sidamonidze, Leiterin der nationalen Tourismusbehörde in Georgien. Es ist ein historisches Gewerbe, das mindestens bis ins 5. Jahrhundert vor Christus zurückgeht. “Viele Menschen kamen nach Georgien, um den nationalen Wein zu probieren und um etwas über die georgische Weinkultur zu lernen”, sagt Sidamonidze. Das Land hat mehr als 400 Rebsorten, von denen jedoch nur 38 für die Weinproduktion genutzt werden. “Jeder, der Georgien kennt, kennt auch georgischen Wein”, stimmt der US-Botschafter in Georgien, John Bass, zu.

Trotz allem hatte es der georgische Wein nicht immer leicht. 2006 verbot Russland die Einfuhr von Wein aus Georgien. Das Embargo „behinderte für einen bestimmten Zeitraum die Entwicklung der georgischen Weinkultur“, erklärt Weinexperte Teimutaz Glonti. „Doch nun sind die Europäer und Amerikaner interessiert.“ Offizielle Statistiken für 2010 zeigen, dass ein Viertel des georgischen Weins exportiert wird; das Gewerbe macht 28,5 Millionen Euro aus. Trotz des russischen Schachzuges bleibt der Wein in den Nachbarländern beliebt. Die Ukraine, Kasachstan und Armenien profitieren von den Importen. Auch in den USA und in Deutschland gehört georgischer Wein mittlerweile in die gut sortierte Weinabteilung.

Die georgische Tourismusbehörde bietet sogar ein spezielles Trainingsprogramm für Familien an, um ihnen zu zeigen, wie sie ihren Wein besser präsentieren können.

Die staatlichen Behörden Georgiens nehmen die Veränderungen in der Weinindustrie mittlerweile sehr ernst. Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili geht sogar soweit, dass er den „Wein als Pass in die zivilisierte Welt“ bezeichnet. Der Landeshaushalt stellt 2011 etwa 500. 000 georgische Lari (218, 563 Euro) „zur Vermarktung von georgischem Wein” zur Verfügung. „Wir haben private Unternehmer, die Wein produzieren, aber noch immer Hilfe benötigen, um sich auf dem Weltmarkt zu etablieren“, erklärt der Experte Teimutaz Glonti. Deshalb will man nun mit einem Projekt lokale Farmer besser ‚ausbilden‘. Die georgische Tourismusbehörde bietet sogar ein spezielles Trainingsprogramm für Familien an, die ausländische Weinliebhaber beherbergen wollen, damit diese ihnen beibringen können, wie sie ihren Wein international besser präsentieren können.

Gemeinsam mit lokalen Weinproduzenten wurden auch internationale Organisationen in den so genannten „Wein-Popularisierungs-Prozess“ einbezogen. Vor kurzem finanzierten die US-Regierungsinitiative für wirtschaftlichen Erfolg (EPI) und USAID Besuche einer Weinmesse in Tiflis für über 50 ausländische Weinhistoriker, Journalisten und Autoren – sogar für Archäologen.

Von Nana Tabatadze & Armine Narinyan. Dies ist der vierte Teil einer Artikelserie in Ko-Produktion mit unserem Partner EuroCaucasusNews. Das Projekt rund um Journalismus, Multimedia und Europa für Studenten aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien wird von Canal France International (CFI) getragen.

Fotos: Homepage(cc) Bachi Kajaia/flickr; Im Text: Weinernte (cc)EuroCaucasus