Generationsporträt: Mit 3 mal 25 um die Welt

Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2009
Ein junger 25-jähriger Journalist aus Barcelona macht eine Weltreise. Sein Ziel: Er will in 25 unterschiedlichen Ländern 25 junge Leute seines Alters treffen. Eine Zahl - ein Projekt: La vuelta de los 25 (auf Deutsch „die Tour der 25er“; A.d.R.). Marc Serenas Ziel ist es, einen Teil der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen auf der ganzen Welt zu dokumentieren.

Es war an meinem 25. Geburtstag, als ich beschloss, alles hinter mir zu lassen: Arbeit, Familie, Mitbewohner. Ich kaufte mir ein Ticket für eine Weltreise und stürzte mich in ein einjähriges Abenteuer. Das ist gerade mal ein paar Monate her und ich habe schon 18 Länder hinter mir. Die Reise hat in Barcelona begonnen, dann kam Afrika, danach Asien und Ozeanien. Im Moment versuche ich, den amerikanischen Kontinent von Süden nach Norden zu durchqueren.

 Marc Serena / lavueltadelos25 Ich bin Journalist und reise mit wenig Gepäck, darunter ein Laptop, eine kleine Digitalkamera und ein MP3-Rekorder. Mein Ziel ist es, 25 25-Jährige, also meines eigenen Alters, zu treffen und das in 25 unterschiedlichen Ländern. Dabei versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen und ihren Alltag zu teilen. Ich treffe ihre Familien, gehe mit ihnen aus, begleite sie zur Arbeit. Wir teilen immer nur das, was jeder junge Mensch von sich und seinem Leben preisgeben möchte.

Ich habe diese Reise bei einem DJ in Soweto in Südafrika begonnen. Mit ihm bin ich durch die Straßen von Johannesburg gezogen, einer der gefährlichsten Städte der Welt. Die Reise ging weiter mit Primrose, die versucht, sich ihren Lebensunterhalt als Dichterin in Simbabwe zu verdienen, einem der ärmsten Länder der Welt. Sie hat mir ihre Verse gezeigt und mir erklärt, wie sie sie schreibt - um etwas zu essen zu bekommen. Primrose will in ihrer Freizeit aber auch etwas Schönes schaffen. In einem verwüsteten Land, in dem in den Supermärkten gähnende Leere herrscht.

Ein buddhistischer Mönch als Hip Hop-Fan

Marc Serena / lavueltadelos25In Japan habe ich in einem Tempel inmitten der Berge einige Nächte bei einem Mönch meines Alters verbracht. Dort fanden wir heraus, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben, auch wenn er Hip Hop noch viel mehr mag als ich. In Peking hatte ich nach dem Boom der Olympischen Spiele eine Diskussion mit einer chinesischen Umweltschützerin. Wie soll man sich zu seiner Meinung bekennen oder sie gar kundtun, wenn man in einem Land lebt, in dem Demonstrationen verboten sind und selbst Wikipedia zensiert wird?

In Hong Kong habe ich einen Goldmedaillengewinner der Paralympics getroffen: den Radsportler So Wa-Wai. Er wird als Nationalheld verehrt und zieht durch die Schulen des Landes, um seine persönliche Geschichte mit den Kindern zu teilen.

Meine Fähigkeiten im Thai-Boxen habe ich in Thailand perfektioniert und in Neuseeland entdeckte ich den Te Rahui der Kapa Haka-Indianer, einen Kunstwettbewerb der Maori. In Chile erhielt ich die Erlaubnis, ein Gefängnis zu betreten, und konnte mich so mit Carla unterhalten, einer jungen Frau, die zu fünf Jahren Haft verurteilt worden ist und sich nun fragt, ob sie auch eingesperrt worden wäre, wenn ihre Familie mehr Geld gehabt hätte.

Bei jedem Treffen geht es um ähnliche Themen: die eigene Arbeit, das Land, die Freunde, Sex... Für einige junge Leute, wie zum Beispiel für einen philippinischen Fischer, war es das erste Mal, dass sie mit einem Fremden sprachen. Gleichzeitig war es für mich der erste Fischfang. Auf der anderen Seite gab es aber auch junge Leute, die wie beispielsweise eine Popsängerin aus Südkorea routiniert auf meine Fragen antworteten und sich mit Journalisten auskannten,.

Ein Schwulenfest in Indien

 Marc Serena / lavueltadelos25 Es gab aber auch heiklere Momente, wie zum Beispiel nach meiner Entscheidung, mit einem Schwulen an einer illegalen Schwulenparty in Delhi teilzunehmen. Man hatte mir geraten, ohne Ausweispapiere zu kommen, falls die Polizei eingreifen würde, um die anwesenden Personen zu identifizieren. Aber es ist alles gut gegangen und das ist auch besser so. So gehe ich eben mein Abenteuer an: mit mehr Leichtsinn als Vorsicht, mehr Energie als Organisation.

Letztendlich war das Ziel dieses Projektes ja zu schreiben. Sicher ist nur, dass alles Material, das ich sammele, dazu dienen wird, ein Bild der heutigen Jugend zu entwerfen. Das Ergebnis wird nicht soziologisch, ethnologisch oder mathematisch sein, sondern schlicht und ergreifend ein Dokument, das ich für sehr wichtig halte - wenn es mir denn gelingt, es fertig zu stellen! Werde ich genug Seiten in meinem Reisepass haben? Wird mein Geld reichen? Wird irgendwer meinen Text publizieren wollen? Ich hoffe, dass ich irgendwann all diese Fragen mit „ja“ beantworten können werde.

La vuelta de los 25 kann im Internet in Echtzeit auf Spanisch und Katalanisch verfolgt werden. Es existiert ebenfalls eine Facebook-Gruppe dieses Namens. Das Blog wurde kürzlich von dem Reiseführer Lonely Planet im Rahmen der Lonely Planet Travel Blogger Awards als „bestes Blog in nicht englischer Sprache“ ausgezeichnet.