Gefangen in der Papstfalle

Artikel veröffentlicht am 23. September 2011
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Artikel veröffentlicht am 23. September 2011
Wieder einer dieser lichtdurchfluteten Berliner Herbstnachmittage, ich mache früher Schluß mit der Arbeit und radele auf den Großen Stern zu, um nach Kreuzberg zu kommen. Irgend etwas ist anders als sonst. Es ist still, sehr still. Die Menschen haben ihre hintereinander aufgereihten Autos ausgeschaltet, die Türen geöffnet oder sich auf die Kühlerhaube gelegt.
Andere sitzen am Straßenrand und lesen Zeitung. Polizisten stehen wie Statisten in einem Film herum, Touristen sitzen auf einer Mauer. Hubschrauber kreisen über der Stadt.

Ich radele weiter bis mir einer der Polizisten mit herausgestreckten Armen zuruft: "Hier geht's nicht weiter!". Erst jetzt kapiere ich: Ich stehe im Auge des Sturms - der Papst fährt gleich vorbei! Und ich dachte, er wäre im Olympiastadion...Das Verhandeln mit den immerhin freundlichen Polizisten ("und wenn ich ganz schnell über die Straße fahre..?") bringt nichts, unsere größer werdende Gruppe von Fußgängern und Fahrradfahrern kommt weder vor noch zurück - wir sitzen gemeinsam in der Papstfalle.

Ein älterer Herr holt seine Brote aus dem Rucksack, die asiatische Touristin versucht mit dem Stadtplan in der Hand auf Englisch zu verhandeln, eine junge Frau lästert über die vielen knackigen Assistenten vom Papst, die ja auch noch durchfahren müssen. Dann hören wir ein Pfeifen, Motorräder und Autos, die am Rand standen, setzen sich auf einmal in Bewegung. Ein schwarzer Mercedes nach dem anderen fährt vorbei - und, ja - da war er, wir haben den Papst gesehen! "Siehst schon ganz erleuchtet aus", sagt die junge Frau zu mir. Es war wohl die Erleichterung, an diesem Tag doch noch nach Hause zu kommen.