GEDANKEN ÜBER KAFFEE TO GO: Die HEISSE PAPPE MIT PROFESSIONELLEM SEX APPEAL

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2014
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2014

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ODER DAS TASSENLOSE JAHRHUNDERT

Run Fo­re­st Run!

Run Cof­fee Run!

Der Papp­be­cher mit mei­nem Kaf­fee, der weder zer­knickt, noch platzt noch auf­weicht, ent­fal­tet auf mei­nem Schreib­tisch sein gan­zes, un­glaub­li­ches Po­ten­zi­al. Sie haben etwas Ver­blüf­fen­des an sich, diese sinn­li­chen Be­häl­ter, die sich auf dem Ter­ri­to­ri­um un­se­rer krea­ti­ven Pro­jek­te als Ac­ces­soire be­haup­ten.

Ich weiß nicht, wie es an­de­ren geht, aber wenn ich mei­nen Kaf­fee aus­ge­trun­ken habe, brin­ge ich es nicht über mich, die­sen Papp­be­cher weg­zu­wer­fen, so als sei er ein­fach nur Ab­fall. Nein, ich be­hal­te ihn auf mei­nem Schreib­tisch, be­fleckt von Kaf­fee­lei­den­schaft, stun­den­lang. Und die un­sicht­ba­re Welt des Papp­be­chers um­schließt die flüs­si­gen, über­la­ger­ten Ringe des schwar­zen Trunks.

Den­ken wir ein­mal dar­über nach. Sehen wir je­mals un­se­ren Kaf­fee To Go? Wenn wir den Plas­tik­de­ckel über­haupt ein­mal an­he­ben, dann doch höchs­tens, um zu kon­trol­lie­ren, ob man uns auch wirk­lich Kaf­fee ein­ge­schenkt hat und um flüch­tig sei­nen Duft ein­zu­sau­gen. Dann set­zen wir den De­ckel wie­der auf, ge­wis­sen­haft her­me­tisch, bis sich die Kunststoffrille ei­sen­hart in den Be­cher­rand ver­krallt: Ein küh­nes Wech­sel­spiel der Iden­ti­tä­ten zwei­er For­men, die sich nur dann skiz­zie­ren, wenn sie sich im Kuss des Krei­ses ver­ei­nen. Nun ist der Kaf­fee in Stil­le ver­sun­ken. Nie­mand weiß, ob er noch dampft oder nicht. Er hält still und lauscht auf un­se­re Hände an der an­de­ren Seite des Be­chers, wie sie über den Touch­screen glei­ten. Einen Mo­ment lang hast du ihn ver­ges­sen. Aber er bleibt dort, gleich neben dei­nem Ta­blet, un­sicht­bar at­mend mit sei­ner Papp­lun­ge. Und dann be­netzt der­sel­be un­sicht­ba­re Kaf­fee den Rand des ge­neig­ten Be­chers und trifft auf deine Lip­pen: „Ich exis­tie­re! Für kurze Zeit!“ Die Zunge be­stä­tigt. Dann stellst du den Be­cher auf den Schreib­tisch zu­rück und ver­gisst wie­der, dass er exis­tiert und warum.

Du ar­bei­test wei­ter und die Pappe tanzt den Strip­tease der Ab­we­sen­heit, der Ver­ges­sen­heit, des War­tens. Kaf­fee ist ge­räusch­los, seine ein­zi­ge Spra­che sind die Fle­cken auf Klei­dung. Er macht der Baum­wol­le eine Ei­fer­suchts­sze­ne, er ist ganz ver­rückt nach Wolle, er ver­folgt Lei­nen und ent­führt Kasch­mir. Ein auf­dring­li­cher Ein­dring­ling auf Ober­hem­den, über die er sich in der mor­gend­li­chen Eile und beim hek­ti­schen Schlu­cken mit Wonne er­gießt. Die ein­zi­ge Spra­che des Kaf­fees sind die Fle­cken, die er hin­ter­lässt. Er saugt den Re­flex auf, indem er ihn ne­giert. Aber all das kann man nicht sehen, weil Kaf­fee To Go nicht unter dem frei­en Him­mel in einer Por­zel­lan­tas­se ruht. Er lässt sich nicht bli­cken, er exis­tiert nicht mehr, wenn er in einem Papp­be­cher un­ter­wegs ist. Es exis­tiert nur noch seine Hülle, der Be­cher, und je mehr man den Be­cher dreht und wen­det, desto we­ni­ger exis­tiert der Kaf­fee. Der schrei­en­de Fleck ist nicht mehr Teil des Kaf­fees, ge­fan­gen in di­cker, un­durch­läs­si­ger, un­er­bitt­li­cher Pappe. Der Kaf­fee selbst wird zu fle­cken­lo­ser Pappe.

Je mehr man über Kaf­fee To Go spricht, desto mehr ver­liert er sich in den Wor­ten, die ihn nicht sehen kön­nen. Worte öff­nen keine Papp­be­cher. Je näher er der ar­bei­ten­den Hand ist, desto stär­ker schnürt ihn die Stil­le ein. Und dann, der Kaf­fee To Go ist seit Stun­den fort, sie haben ihn schon lange fort­ge­tra­gen. Und für mich bleibt kein To Go, kein lang­sa­mes Ab­zie­hen der Pa­pier­schich­ten, kein Zer­knül­len der reiß­fes­ten Pappe.

Das wahre Gesicht des Kaf­fee To Go: „Look at my face: my name is Might Have Been; I’m also cal­led No More, Too Late, Fa­re­well.“ (Edgar Auber)