Gastland China: "Keine Tabus" zur Frankfurter Buchmesse

Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2009
In Frankfurt beginnt am heutigen Mittwoch die Buchmesse mit dem diesjährigen Gastland China.

Es werde "keine Tabus" geben, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnungsfeier am Dienstag mit dem stellvertretenden chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. Das größte Treffen der Buchbranche war schon im Vorfeld in die Kritik geraten, nachdem zwei regierungskritische Autoren auf Druck des chinesischen Mitveranstalters wieder ausgeladen wurden.

La Repubblica: „Sich das Image einer 'soft power' geben“; Italien

Polemiken sind schon vor der Eröffnung ausgebrochen (inklusive Boykottandrohungen) ...

Als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse kämpfe China noch immer mit seinem Imageproblem, schreibt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Eine Kulturolympiade. So hatte sich China seine Rolle als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Als Gelegenheit, internationale Anerkennung zu bekommen, eine Möglichkeit, sich das Image einer 'soft power' zu geben. [...] Aber die Polemiken sind schon vor der Eröffnung ausgebrochen (inklusive Boykottandrohungen), [...] und zeigen, dass China noch weiter davon [von seinem Ziel] entfernt ist als ihm lieb ist. Wenn bei den Olympischen Spielen ein paar Tibetaner genügten, um das Bild zu trüben, so sind es in Frankfurt die kritischen Künstler wie Ai Weiwei […] oder aus dem Gefängnis entlassene Schriftsteller wie Bei Ling, der (als Kompromiss) am letzten Tag der Messe sprechen wird, damit man wenigstens die Flugreservierungen nicht ändern muss, falls die chinesische Delegation entscheidet, die Buchmesse [aus Protest] zu verlassen."

(Artikel vom 14.10.2009)

La Vanguardia: „Wiederholung der Spiele in Peking“; Spanien

©Alexander Heimann/ Frankfurter Buchmesse Die liberale Tageszeitung La Vanguardia zieht einen Vergleich zwischen den Olympischen Sommerspielen in Beijing 2008 und der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und warnt vor einer falschen Wahrnehmung Chinas: "Die Frankfurter Buchmesse öffnete ihre Türen mit einem gespaltenen Herzen; einerseits ist da das Geld, andererseits die zivilisatorische und wohlmeinende Mission Chinas, die Europa sich seit einigen Jahrhunderten anmaßt zu unternehmen. Auf eine gewisse Art scheint es eine Wiederholung der Spiele in Peking zu sein, mit dem Unterschied, dass China damals ein Heimspiel hatte, jetzt aber 'Ehrengast' auf dem Spielplatz des Gegners ist. Eine merkwürdige Situation. [...] Zwischen dem offiziellen Image und dem vom Westen geförderten Image des Dissidenten besteht die Gefahr, dass man das wahre China mit seiner überall belächelten nutzlosen Zensur und seiner weitgehenden Toleranz und Gedankenfreiheit, die besteht, solange man die Kommunistische Partei nicht irritiert, aus dem Auge verliert."

(Artikel vom 14.10.2009)

Neue Zürcher Zeitung: „Keine Beleidigungen, so viel gute Kinderstube muss sein“; Schweiz

Aber musste die diesjährige Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse am heutigen Dienstagabend wirklich zahm bis zur Ödnis sein?

Die Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung kritisiert die Eröffnungsreden auf der Frankfurter Buchmesse als uninspiriert: "Mit einem Eklat war nicht zu rechnen. [...] Auch Streit und böse Worte hatten wir nicht erwartet. Kein Redner auf Seiten des deutschen Gastgebers würde den chinesischen Ehrengast beleidigen wollen, so viel gute Kinderstube muss sein, das stand von vornherein fest. Und kein Chinese würde den ideologischen Graben extra aufreißen, der zwischen dem Reich der Mitte und der freien Welt ohnehin nach wie vor klafft. Auch das war klar. Aber musste die diesjährige Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse am heutigen Dienstagabend wirklich zahm bis zur Ödnis sein? [...] Kein scharfes, pointiertes Wort, nirgends. Und auch kein Scherz, keine Ironie und keine tiefere Bedeutung. Der Eröffnungsabend der 61. Frankfurter Buchmesse liegt hinter uns. Es kann eigentlich nur besser werden."

(Artikel vom 14.10.2009)

Frankfurter Rundschau: „Von China jahrzehntelang als billige Werkbank profitiert“; Deutschland

Zur Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland China schreibt die linksliberale Tageszeitung Frankfurter Rundschau: "Hey, es werden Menschenrechtsverletzungen und dergleichen Missstände bei den Chinesen beklagt werden, und unsere Kritik daran wird, wohlfeil wie sie ist, verschweigen, dass unsere chinesischen Freunde nur deswegen das sind, was sie sind, nämlich mächtig und nun auch in Frankfurt, weil wir von ihnen jahrzehntelang als billige Werkbank profitiert haben - ohne uns darüber zu beklagen. Wie auf jeder Buchmesse wird also auch in diesem Jahr wieder im hohen Ton der Moral gelogen werden. Uns soll das, wie in jedem Jahr, egal sein. Denn spätestens in 15 Jahren wird China noch weltwirtschaftsmächtiger sein und also unsere Renten finanzieren."

(Artikel vom 14.10.2009)

Berliner Zeitung: „Ausgerechnet die chinesische Zensurbehörde organisiert den Auftritt des Gastlandes in Frankfurt“; Deutschland

Als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse könne China seine Reformwilligkeit unter Beweis stellen, meint Bernhard Bartsch in der linksliberalen Tageszeitung Berliner Zeitung: "Da China sein Image in der Welt nicht egal ist, organisiert nun ausgerechnet die chinesische Zensurbehörde, das Amt für Presse und Publikation, den Auftritt des Gastlandes in Frankfurt. Die Art und Weise, wie sich die Vertreter der offiziellen Delegation auf der Buchmesse der Debatte stellen, wird der beste Maßstab dafür sein, wie reformbereit die chinesische Regierung in Sachen Meinungsfreiheit tatsächlich ist. Nach den Querelen im Vorfeld der Buchmesse zu urteilen, führen Chinas Herrscher wieder einmal die Weisheiten ihres Nationalphilosophen Konfuzius im Munde, ohne sie zu beherzigen."

(Artikel vom 14.10.2009)