G7 : Was gibt’s als Beilage zur Ukraine ?

Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2014

Am Abend des 4. Juni haben die Staa­tso­ber­häup­ter der G7 bei Ker­zen­schein im Eu­ro­päi­schen Rats­ge­bäu­de di­niert. An­ge­la Mer­kel, François Hol­lan­de, David Ca­me­ron, Ba­rack Obama, Mat­teo Renzi, Ste­phen Har­per, und Shin­zo Abe haben sich in der Eu­ro­pa-Haupt­stadt zu­sam­men­ge­fun­den, um über die Ukrai­ne-Kri­se zu dis­ku­tie­ren.

Doch be­gin­nen wir am An­fang: die G7 (Gip­fel­tref­fen der sie­ben be­deu­tends­ten In­dus­trie­na­tio­nen der Welt) tagen nor­ma­ler­wei­se als G8. Doch in die­sem Jahr fehlt das achte Mit­glied, Wla­di­mir Putin. Er wurde nicht ein­ge­la­den am 4. und 5. Juni 2014 nach Brüs­sel zu kom­men, weil er sich da­ne­ben be­nom­men hat. Im März 2014 haben die an­de­ren Mit­glie­der der frü­he­ren G8-Kon­stel­la­ti­on ent­schie­den, dass die rus­si­sche An­ne­xi­on der Krim eine Hal­tung zeigt, die nicht mit der Phi­lo­so­phie der G8 über­ein­stimmt. „Die G8 re­prä­sen­tie­ren be­stimm­te Werte“ – die of­fen­bar von Russ­land nicht ge­teilt wer­den – „daher darf Russ­land auch nicht mehr teil­neh­men“, er­klär­te ein fran­zö­si­scher Di­plo­mat. Der G8-Gip­fel, ur­sprüng­lich ge­plant im rus­si­schen Sot­schi, wurde nun als G7-Tref­fen in Brüs­sel ab­ge­hal­ten.

Es ist das erste Mal, dass die G7/G8 in der eu­ro­päi­schen Haupt­stadt tagen. Emp­fan­gen wer­den sie von (Noch-)EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent José Ma­nu­el Bar­ro­so und dem Prä­si­den­ten des Eu­ro­päi­schen Rats Her­man Van Ro­m­puy. In zwei Tagen wer­den die Staats­ober­häup­ter die wich­tigs­ten Pro­ble­me be­spre­chen, mit denen die Welt zur­zeit kon­fron­tiert wird. Die Ta­ges­ord­nung quillt fast über: Ukrai­ne-Kri­se, Welt­wirt­schaft/-han­del, En­er­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit, Kli­ma­po­li­tik, Au­ßen­po­li­tik, ... all das wird in we­ni­ger als 24 Stun­den ab­ge­han­delt. Kurz­um: un­se­re sie­ben Über­men­schen ver­su­chen die­ses Jahr mit dem Vor­ur­teil ihrer Gleich­gül­tig­keit auf­zu­räu­men, wel­ches ihnen seit der G8-Grün­dung an­haf­tet.

Gar­ne­len auf dem Tel­ler

Mitt­woch­abend wurde die Ukrai­ne-Kri­se von un­se­ren Haupt­dar­stel­lern the­ma­ti­siert. Nach einem aus­gie­bi­gen Abend­mahl mit Mee­res­früch­ten, be­glei­tet von fran­zö­si­schen Wei­nen, wird eine Pres­se­mit­tei­lung ver­öf­fent­licht: „Wir sind be­reit, die ge­ziel­ten Sank­tio­nen zu ver­stär­ken und zu­sätz­li­che si­gni­fi­kan­te re­strik­ti­ve Maß­nah­men zu er­grei­fen, um den Preis, den Russ­land zu zah­len hat, in die Höhe zu trei­ben, wenn die Er­eig­nis­se dies er­for­dern.“ Es steht ihnen dem­nach auch frei, nichts zu tun, aber im­mer­hin wurde eine ge­mein­sa­me Po­si­ti­on fest­ge­schrie­ben. Be­sorgt über die Er­eig­nis­se in der Ukrai­ne ap­pel­lie­ren die Sie­ben an Mos­kau schnellst­mög­lich die Trup­pen von der ukrai­ni­schen Gren­ze ab­zu­zie­hen. Das heißt, sie fürch­ten wei­te­re An­ne­xio­nen von Russ­land.

Der Osten der Ukrai­ne wird ge­ra­de von Krieg über­zo­gen. Am 3. Juni wur­den nach An­ga­ben Kiews mehr als 300 Per­so­nen in Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen pro­rus­si­schen Ak­ti­vis­ten und der ukrai­ni­schen Armee ge­tö­tet. Dem Osten des Lan­des geht es nicht be­son­ders gut. Er kämpft mit den Selbst­er­nen­nun­gen von pro­rus­si­schen Kräf­ten zu Grenz­wach­pos­ten und Strei­tig­kei­ten in der Be­völ­ke­rung über die geo­po­li­ti­sche Si­tua­ti­on. Die G7 haben daher so­wohl Auf­klä­rung als auch einen Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung der Re­gi­on von Russ­land ge­for­dert.

Welt­meis­ter im Ping-Pong

Am glei­chen Tag er­klärt Wla­di­mir Putin den Wes­ten für ver­ant­wort­lich für die Krise in der Ukrai­ne. Eine Par­tie Ping-Pong also? Jeder spielt den Ball schnell zu­rück, übrig bleibt die Frage, wer wirk­lich Schuld hat. Am Mitt­woch, dem 4. Juni, teilt Putin sich den fran­zö­si­schen TV-Sen­dern Eu­ro­pe 1 und TF1 mit. Er be­tont: „Wir wer­den die Wahl des ukrai­ni­schen Vol­kes re­spek­tie­ren und mit den ukrai­ni­schen Macht­ha­bern ko­ope­rie­ren.“ Er zeigt sich auf­ge­schlos­sen ge­gen­über Ver­hand­lun­gen mit den pro­rus­si­schen Se­pa­ra­tis­ten sowie mit Kiew, und spricht sich auch für das Ende der ukrai­ni­schen Mi­li­tär­in­ter­ven­tio­nen aus. Das ist nicht ganz das, was die G7 for­dern. In ihrer Pres­se­er­klä­rung steht: „Ge­mein­sam ver­ur­tei­len wir die an­hal­ten­de Ver­let­zung der Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­len Un­ver­sehrt­heit der Ukrai­ne durch die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on. Die il­le­ga­le An­nek­tie­rung der Krim durch Russ­land und die Ak­tio­nen zur De­sta­bi­li­sie­rung des Os­tens der Ukrai­ne sind un­an­nehm­bar und müs­sen auf­hö­ren.“ An­ge­la Mer­kel gibt au­ßer­dem an, dass eine drit­te Stufe von Sank­tio­nen ver­hängt werde, wenn Russ­land sein Ver­hal­ten nicht än­de­re. Sie fügt hinzu, dass es dabei nicht in ers­ter Linie darum ginge, Russ­land wei­ter zu iso­lie­ren, viel­mehr möch­te sie eine bes­se­re Be­zie­hung auf­bau­en und das Ukrai­ne-Pro­blem lösen. Doch in die­sem Falle sei dies der ein­zi­ge Weg.

In den In­ter­views wurde ge­sagt, dass noch keine kon­kre­te Maß­nah­me be­schlos­sen wurde. Erst in den nächs­ten Tagen wird sich zei­gen, wie sich die Be­zie­hung zwi­schen Russ­land und den west­li­chen Län­dern ent­wi­ckelt. Das nächs­te Tref­fen der bei­den Par­tei­en steht un­mit­tel­bar bevor. Am Frei­tag, den 6. Juni, trafen sie sich be­reits beim 70. Jah­res­tag des D-Days in der Nor­man­die. Putin hat sich be­reits mit Petro Po­ro­schen­ko (ukrai­ni­scher Prä­si­dent) zu­min­dest in­for­mell aus­ge­tauscht. Die­ser wurde zuvor vom fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Fran­çois Hol­lan­de per­sön­lich zu der Feier ein­ge­la­den, um ein Ge­spräch mit Putin zu er­mög­li­chen. Hof­fen wir nur, dass Ping-Pong nicht der neue Na­tio­nal­sport wird.