Fürchtet Euch nicht!

Artikel veröffentlicht am 5. April 2005
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Artikel veröffentlicht am 5. April 2005

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Die öffentlichen Trauerbekundungen nach dem Tod des Papstes waren bemerkenswert. Piotr Kaczynski, ein junger Pole aus Warschau, beschreibt seine Gefühle über das Ableben seines Landsmannes.

Er war der einzige Mann auf Erden, der sich in der Irak-Frage sowohl Chirac, Schröder und Putin als auch Bush, Blair und Saddam Hussein zugleich widersetzen konnte. Er war auch der einzige, der von Katholiken und anderen Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen bewundert wurde. Er war das einzige moralische Gewissen der Welt. Was aber kommt jetzt?

1979 sagte er in Warschau einen Satz, den er später oft wiederholte: „Fürchtet Euch nicht.“ Ich denke, so würde seine Antwort auf meine Frage lauten. Es war dieser programmatische Satz, der zum Auseinanderfallen des Sowjet-Regimes beitrug. Er war der erste, der uns sagte: Vereint Euch, fürchtet Euch nicht, denn das ist der einzige Weg, das Böse zu besiegen und die Dinge hin zum Besseren zu wenden. Der Beitrag Johannes Pauls II. zur Niederlage des Kommunismus in Zentral- und Osteuropa verschaffte ihm Respekt, wie ihn seit Jahrhunderten kein anderer Papst genoss. Sein moralischer Kampf zur Verteidigung der Schwächsten und zur Erinnerung an die Vergessenen hat ihn im Laufe der letzten dreißig Jahre zu einer Ikone werden lassen. Sein Einsatz für Menschenrechte, gegen Diskriminierung… Was noch soll ich hinzufügen, was nicht schon erwähnt wurde?

Die meisten von uns haben einen persönlichen Eindruck vom Papst. Ich erinnere mich daran, ihn kurz erblickt zu haben, als er 1987 Warschau besuchte. Ich war acht Jahre alt, er 67. Jetzt weint mein Herz. Ich wurde 1978 geboren, einen Monat nach der Ernennung Karol Wojtylas zum Papst Johannes Paul II. Er war der erste Papst seit 455 Jahren, der kein Italiener war, und der einzige, den ich je gekannt habe. Somit bin ich in einer ähnlichen Situation wie all diejenigen auf dieser Welt, die jünger als 30 sind. Mit anderen Worten, mehr als die Hälfte der sechs Milliarden Erdenbürger kann sich an keinen anderen Papst erinnern als den geliebten Johannes Paul. Sein Charisma machte ihn bei diesen jungen Leuten so beliebt, dass der Slogan „JP2, wir lieben Dich“ überall ertönte, wo er hinkam.

Am Sonntag nach seinem Tod nahm ich an einer der vielen Messen teil, die im Gedenken an einen der größten Europäer weltweit stattfanden. Die Messe in Warschau alleine zog 200,000 Menschen an. Und etwa vier Millionen Trauernde wollen angeblich an der Begräbniszeremonie in Rom Ende dieser Woche teilnehmen. Über den heiligen Vater gibt es soviel zu sagen, so viele Erinnerungen zu teilen. Doch die Kakophonie der Medien um seinen Tod war zuviel. Die beste Sendung anlässlich seines Todes war überhaupt keine: MTV Polen entschied, sein Programm zu unterbrechen und durch einen weißen Bildschirm zu ersetzen… Wir brauchen Zeit um über seinen Tod hinwegzukommen. Zeit um darüber nachzudenken, wie wir möglichst viel von seiner Lehre in unserem Leben umsetzen können.