Für Kerry von Rom nach Arizona

Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2004
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Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2004

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Raffaelo Matarazzo, Stadtrat in Rom und Forscher beim italienischen Think Tank Istituto Affari Internazionali (IAI), erklärt, warum er als Freiwilliger im amerikanischen Wahlkampf der Demokraten mitarbeitete.

Warum sollte ein Mitglied des römischen Stadtrates in den amerikanischen Südwesten reisen, um in einem amerikanischen Wahlkampf Stellung zu beziehen? Die Antwort liegt in der tiefen Besorgnis, welche die Menschen in Europa und überall auf der Welt bezüglich der Richtung hegen, die Amerika nun einschlagen wird - und in die es den Rest der Welt mit nehmen wird. Obwohl nur Amerikaner wählen können, ist der 2. November ein Wendepunkt für uns alle, von dem unser gemeinsames Schicksal abhängt.

Die Welle von Anti-Amerikanismus, die im Moment über Europa zu schwappen scheint, kann vielleicht auf Amerikas scharfes Umschwenken auf die falsche Spur zurück geführt werden, das nur Monate begann, nachdem sich die Welt hinter die USA gestellt hatte. Am 11. September 2001, 15 Uhr italienischer Zeit, platzte eine Kollegin mit Tränen in den Augen in mein Büro, um mir von dem Desaster zu erzählen, das sie gerade im Fernsehen gesehen hatte. Überall in Europa fühlten wir, dass der Anschlag gegen die Twin Towers nicht nur ein Anschlag gegen die USA war, sondern direkt in das Herz unserer eigenen Zivilisation traf; und die kaltblütige Brutalität sahen wir als einen Schlag gegen die Werte des Friedens, in die sowohl die Amerikaner als auch die Europäer ihr Vertrauen setzten. Frankreichs führende Zeitung Le Monde schrieb "Wir sind nun alle Amerikaner". Nach dem Anschlag vom 11. September versammelte sich die größte internationale Koalition der Menschheitsgeschichte hinter den USA: Nicht nur Europa, sondern auch Russland, China, Regierungen überall in der arabischen Welt und der gesamte Mitgliedsstab der Vereinten Nationen vereinigte sich, um die Terroristen zu verfolgen, die diesen Anschlag verübt hatten und um Al Kaida zu bekämpfen.

Doch dann lief alles denkbar schlecht...

Nachdem der Krieg in Afghanistan mit der Zustimmung der UN geschlagen war, wandte sich die Bush-Regierung dem Irak zu. Sie schritt voran entgegen der Warnungen von Arabern und Europäern, die zu bedenken gaben, dass ein Schlag gegen den Irak Torheit sei; dass die Iraker eine Invasion mit einem bitteren Guerilla-Krieg bekämpfen würden und dass eine solche Aktion Tausende von neuen, verbitterten Rekruten für den islamischen Terrorismus schaffen würde. Trotzdem war George Bush entschlossen, in den Krieg zu ziehen, selbst als die UN-Inspektoren aus dem Irak zurückkamen und keine Massenvernichtungswaffen gefunden hatten. Bushs Entscheidung für den Krieg verlagerte Geldmittel und Einsatzkräfte vom Kampf gegen den Terrorismus hin zur Invasion und Besetzung des Irak. Das Ergebnis: Internationale Sympathie, begründet im gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus, schwang um in Entrüstung gegen Washington wegen einem unnötigen Krieg. Diese Entrüstung schwächte die historische Einigkeit der Welt dramatisch, die dem Fall der Berliner Mauer gefolgt war und die ihren Höhepunkt nach dem Anschlag auf das World Trade Center erreichte. Die Wahl zum Krieg ließ die USA isoliert zurück und goss Öl ins Feuer des Anti-Amerikanismus.

In Europa und überall auf der Welt kreierte die aggressive Politik George Bushs ein hässliches neues Bild von einem Amerika, das kein internationales Recht respektiert, das zuerst schießt und später überlegt. Unglaublicherweise beurteilt eine Mehrheit der Europäer Bushs Amerika nun als zweitgrößte Bedrohung für den Weltfrieden, zusammen mit Nordkorea. Eine Analyse des Pew Research Centre ergab vor Kurzem, dass in jedem der untersuchten Länder eine große Mehrheit eine negative Meinung von Bush hat, und dass die Welt nicht folgen wird, wenn Amerikas Führung von Bush repräsentiert wird. Der Irakkrieg hat einen Sumpf geschaffen, aus welchem es für die Amerikaner sehr schwer ist, herauszukommen - und für uns Italiener ebenso, die wir uns mit euch Amerikanern hineinstürzten. Die Freundschaft zwischen Italien und den USA ist historisch sehr eng: Im Gegensatz zu den Irakern begrüßten die Italiener die Amerikaner im zweiten Weltkrieg wirklich mit Blumen, als Befreier vom selbst-gemachten Faschismus. Wir schlossen uns den Amerikanern vor 20 Jahren an, um den Frieden im Libanon zu sichern, und vor elf Jahren, um für Frieden in Somalia zu sorgen. Aber im März 2003 gingen drei Millionen Italiener auf die Straße um gegen Bushs Entschluss, den Irak anzugreifen zu protestieren. Zehn Millionen Menschen überall auf der Welt taten dasselbe.

Europa und die Welt möchten mit einem Amerika zusammenarbeiten, das die universellen Werte schätzt: Freiheit, Demokratie, Respekt vor dem Gesetz, dem Frieden verpflichtet. Die USA wurden von der Welt bewundert und respektiert, als ihre Führung für diese Werte stand. Zu Bill Clintons Zeiten - und auch zu Beginn von Bushs Präsidentschaft - arbeiteten Europa und Amerika eng zusammen, um gemeinsam alle Herausforderungen zu bestehen. Die Welt braucht ein solches Amerika, und Amerika kann sich keine Führung leisten, die Truppen unter dem Deckmantel eines "Friedenseinsatzes" in einen endlosen Krieg schickt. Deshalb kam ich nach Arizona um als Freiwilliger im Wahlkampf von John Kerry mitzuarbeiten, und ich hoffe, dass die Menschen, die ich hier getroffen habe, im November die richtige Wahl für uns alle treffen.