Fußball-WM 2010: Südafrikas "Green Goal" im Kampf gegen den Klimawandel

Artikel veröffentlicht am 11. Juni 2010
Artikel veröffentlicht am 11. Juni 2010
Eine Massenveranstaltung wie die Fußball-WM bedeutet nicht nur unglaublichen logistischen und sicherheitsbezogenen Aufwand, um die vielen tausenden Besucher, Teilnehmer und VIPs heil von einem Ort an den anderen zu bringen. Im Zeitalter des Klimawandels stellt sich auch die Frage, welche Auswirkungen ein derartiges Riesenevent auf die globale Klimabilanz hat.

Hochrechnungen zufolge werden bei der WM in Südafrika mehr als 8-mal so viele Emissionen ausgestoßen werden wie bei der letzten FIFA-Fußball-WM in Deutschland im Jahr 2006. Insgesamt wird geschätzt, dass sich der WM-verursachte CO2-Ausstoß auf fast 900.000 t CO2 belaufen wird. Hinzu kommen noch einmal mehr als 1 Mio. t CO2 durch die globalen Reiseaktivitäten. Grund für den wesentlich höheren Schadstoff-Ausstoß ist in erster Linie die abgelegene Lage Südafrikas von anderen globalen Zentren, aber auch die schlechte Energie-Effizienz bei öffentlichen Verkehrsmitteln, die die CO2-Bilanz zusätzlich belasten werden. So macht neben Langstreckenflügen der innerstädtische Transport die meisten Emissionen aus, gefolgt von Energieverbrauch in den Unterkünften der Besucher und Teilnehmer. Um zumindest einen Teil der Emissionen zu neutralisieren, hat Südafrika gemeinsam mit UNEP und der FIFA ein Maßnahmenpaket namens Grean Goal geschaffen, das dazu dienen soll, die WM klimaverträglicher zu gestalten.

Das „Green Goal“ Programm wurde ursprünglich für die Fußball-WM im Jahr 2006 in Deutschland entwickelt, bei der zum ersten Mal Umweltaspekte bei der Planung mit berücksichtigt wurden. In verschiedenen umweltrelevanten Bereichen wurden an die lokalen Gegebenheiten angepasste Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der Riesenveranstaltung auf die Umwelt geringer zu halten, ohne dass dadurch jedoch andere Faktoren wie Ökonomie und reibungslose Organisation der WM zu leiden hätten.

In Deutschland hat die "Green Goal" Initiative 2006 auch viel Kritik erfahren, es haperte an der Umsetzung der vielen "schönen" Paragraphen: Trendwende 2010?Laut Abschlussbericht der FIFA und des deutschen Lokalen Organisationskommittees (LOK) war das „Green Goal“ Programm ein Erfolg. Dementsprechend lautete die Empfehlung, ein ähnliches Programm für die zukünftigen WM-Austragungsorte zu erarbeiten. Südafrika hat sich diese Worte zu Herzen genommen und verschiedene Umweltziele in die Planung und Organisation der Fußball-WM integriert. Die Ziele sind ehrgeizig, glaubt man den Worten von Blessing Manale, Direktor für Planung, Koordinierung und Information im Ministerium für Umwelt und Tourismus: “Die WM 2010 wird so grün wie nie zuvor werden.“

Regenwasser und umweltfreundlicher Taxiservice

Das Programm „Green Goal 2010“ deckt die Bereiche Energie, Wasser, Abfall, Verkehr, Biodiversität und CO2 Ausgleich ab und wurde vom südafrikanischen LOK in Zusammenarbeit mit der FIFA entwickelt. So soll für die Wasserversorgung in den Stadien vorwiegend Regenwasser verwendet werden. Um Müll zu vermeiden, sollen möglichst Mehrweg- und recycelbare Verpackungen bei den im Stadion verfügbaren Lebensmitteln zum Einsatz kommen, die auch in dafür bereit gestellte Abfallkörbe entsorgt werden können. Besucher sind aufgerufen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Spielen zu fahren. Dafür wurden in den Austragungsorten in den vergangenen Jahren viele Investitionen im Infrastrukturbereich getätigt.

So sollen in Kapstadt 50% der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Stadien und zum Fan-Fest kommen. Dafür wurden in den letzten Jahren massive Investitionen in ein verbessertes Transportsystem getroffen und viele neue Fahrrad- und Fußwege gebaut. Außerdem gibt es seit einiger Zeit die Green Cab Company, einen umweltfreundlichen Taxiservice, der Besucher mit seiner Flotte aus LPG (Liquified Petroleum Gas)-betriebenen Autos durch die Stadt kutschiert. Darüber hinaus will Kapstadt die städtische Beleuchtung teilweise aus Windkraft betreiben. Auch Durban hat sich einer klimafreundlichen WM verschrieben und plant eine neutrale CO2-Bilanz. Dazu wurden verschiedene Projekte ins Leben gerufen, wie zum Beispiel eine Fußgängerzone zwischen dem Stadion und der Beachfront, wo das Fan-Fest stattfinden wird. Weitere Projekte sind der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes durch neue Bahnhöfe sowie verbesserte Busverbindungen innerhalb der Stadt. Für Besucher gibt es auch einen ‚Environmental Code‘, der unter anderem darauf hinweist, dass das Leitungswasser in Durban ohne Bedenken getrunken werden kann.

Papierverschwendung oder notwendige Initiative für den Klima- und Artenschutz?Desweiteren gibt es mehrere Aufforstungs- und Begrünungsprojekte, so zum Beispiel in Johannesburg, wo über 200.000 Bäume gepflanzt werden sollen. Eine weitere landesweite Initiative ist der Grüne Pass, der während der WM an die Besucher verteilt werden soll und verschiedene Tipps für klimafreundlicheres Verhalten während der WM beinhaltet. Dazu gehört unter anderem ein SMS-Service, mit dem man sekundenschnell herausfinden kann, ob der auf der Speisekarte angebotene Fisch auf der roten Liste steht oder ob man ihn unbedenklich verzehren kann So richtet sich die Mehrheit der klimaverträglichen Maßnahmen zur WM in Südafrika an die Besucher. Doch es gibt auch Anstrengungen von den Fußballverbänden und der FIFA direkt. So haben sich mehr als die Hälfte der teilnehmenden Mannschaften dazu verpflichtet, ihre CO2 Emissionen, die durch die Langstreckenflüge entstehen, zu neutralisieren.

Unterstützt werden die Maßnahmen auch von internationalen Organisationen wie UNEP (United Nations Environment Programme) und der GEF (Global Environmental Facility). Mit einer halben Million USD fördern die beiden Partner Südafrika im Hinblick auf die langfristige Entwicklung der Region durch Investitionen im Zusammenhang mit der Fußball-WM.

All diese Maßnahmen sind definitiv lobenswert und werden einen Beitrag zu einer grüneren WM leisten. Doch bei der Öffentlichkeitsarbeit besteht noch Handlungsbedarf. So ergab eine Mini-Umfrage unter WM-Besuchern, dass lediglich ein Viertel der Befragten „Green Goal“ oder eine der anderen WM-Klima-Initiativen kennen. Es bleibt zu hoffen, dass die Fans neben Fußball, Fahnen und Feiern ihren Teil zu einer 'grünen WM' beitragen.

Fotos: ©Claire L. Evans/flickr; ©Dimitra Tzanos/flickr; Green Passport ©unep.fr