Fußball-€M 2008: Eine globale Währung

Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2008
Die Fußballeuropameisterschaft 2004 war mit 760 Millionen Euro Einnahmen ein voller wirtschaftlicher Erfolg. Was ist für die Fußball-EM 2008 zu erwarten, deren über eine Million Eintrittskarten bereits verkauft sind?

Die Organisation einer Fußballmeisterschaft der Weltklasse verschlingt Unsummen an Geld. 2004 gab die UEFA (die Vereinigung europäischer Fußballverbände) dafür 210 Millionen Euro aus. Neben der Renovierung der Stadien wurden auch Transport und Unterbringung für die Teilnehmer und Besucher bereitgestellt. 1,5 Millionen Fans kamen in diesem Jahr in das Ausrichterland Portugal.

©gholzer/flickrDie UEFA verwendet die Überschüsse, um weniger populäre Meisterschaften, wie zum Beispiel die im Frauenfußball, zu finanzieren. Das Gros der Einnahmen stammt aus den Kartenverkäufen sowie der Vergabe von Sende- und Werberechten. Aber das ist noch nicht alles.

Da ist noch die weltweite Marketingindustrie rund um die Europameisterschaft. T-Shirts, Tourismus, Werbung: dieses Großereignis bedeutet nicht nur für die UEFA eine Menge Geld, sondern auch für die Teams, Spieler, Unternehmen und Sender. Innerhalb weniger Jahre wurde aus der Europameisterschaft ein wahres Geschäft - eine globale Währung.

Kartenverkauf und Tourismus

©Spitzgogo_CHEN/flickr

Zur Fußball-EM in Schweden 1992 kamen rund 430.000 Besucher mit einem Schnitt von 28.000 Zuschauern pro Spiel. Nur acht Mannschaften nahmen teil, und es gab lediglich vier verschiedene Austragungsorte. Die UEFA erkannte, dass sich mit Fußball noch mehr Geld verdienen ließ und verdoppelte für die Meisterschaft 1996 in England die Anzahl der Teams und Stadien. 1,2 Millionen Menschen strömten zu den Spielen, mit durchschnittlich 41.000 Zuschauern pro Spiel - Rekord.

Obwohl diese Zahlen bei der EM 2000 sanken, wurde ihnen mehr und mehr Beachtung geschenkt. 93 Prozent der Karten wurden in diesem Jahr verkauft. Die portugiesischen Ausrichter der Meisterschaft 2004 drangen auf eine Verkaufsquote von mindestens 90 Prozent der 35 bis 270 Euro teuren Karten. Mit dem Ausverkauf der meisten Spiele wurden sogar 95 Prozent erreicht. Die daraus erzielten Gewinne beliefen sich auf gut 79,5 Millionen Euro. Doch das waren nur rund 10 Prozent der Gesamteinnahmen.

©Jorge Miente/flickrWer jetzt noch Karten für ein Spiel in diesem Jahr möchte, kommt zu spät. Die knapp über eine Million Karten wurden bereits verkauft. 588.716 Anhänger bestellten 10.359.177 Karten vor dem Annahmeschluss am 31. März. Das ist das Zehnfache der verfügbaren Karten und mehr als die 18-fache Nachfrage der letzten Europameisterschaft.

Übertragungsrechte

Es mögen 2004 zwar 1,2 Millionen Besucher in den Stadien gewesen sein, aber was ist das im Vergleich zu den 279 Millionen Zuschauern vor dem Fernseher? Ganze 120 Millionen davon lebten noch nicht einmal in Europa. Um die Spiele übertragen zu dürfen, kämpfen die einzelnen Sender um die exklusiven Übertragungsrechte, für die sie unglaubliche Summen ausgeben. Im Jahr 2004 wurden mit den TV-Geschäften 580 Millionen Euro eingenommen, was mehr als 75 Prozent der Gesamteinnahmen entspricht.

Sender aus 49 europäischen Ländern und 19 Kanäle von außerhalb übertragen die Veranstaltung auf fünf Kontinente.

Der 16. Januar markierte in diesem Jahr den Stichtag zur Sicherung der Übertragungsrechte. Sender aus 49 europäischen Ländern und 19 Kanäle von außerhalb übertragen die Veranstaltung auf fünf Kontinente.

Die Macht des Merchandising

Die UEFA mag zwar mit den Verkäufen und den Senderechten viel Geld verdienen, doch auch das Merchandising ist eines der kommerziellen Schlüsselelemente großer Sportereignisse. Computerspiele, Bekleidung, Poster und Werbung sind eine Hauptquelle inoffizieller Einnahmen der Veranstalter.

Ein guter Spieler wird mehr Trikots verkaufen. Gute Spiele versammeln auch mehr Zuschauer vor den Bildschirmen. Aus diesem Grund vergibt die UEFA hohe Preisgelder als Anreize für die Teams. 7,5 Millionen Euro werden allein pro Mannschaft für die Teilnahme vergeben. Eine weitere Million gibt es bei einem Sieg und noch die Hälfte bei einem Unentschieden. In den letzten Runden verdoppeln sich die Preisgelder. Falls eine Mannschaft alle Spiele gewinnen sollte, kann sie stolze 23 Millionen Euro an Preisgeld erhalten. Das reicht, um die Teams zu den engagiertesten und unterhaltsamsten Spielen zu motivieren.