Fußball-Debatte: Die spinnen, die Basken!

Artikel veröffentlicht am 17. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 17. Dezember 2008
Am 23. Dezember findet das traditionelle Weihnachts-Fußballspiel der baskischen Fußballmannschaft statt, in diesem Jahr gegen den Iran. Nationalismus, Politik und unterschiedliche Geschichtsauffassungen vermischen sich mit Polemiken in Zeiten der sportlichen Krise. Was ist denn schon ein Name?

©blogroed/flickrDieses Jahr haben wir eine neue Streitfrage gefunden, vielleicht, um aus dem Tief herauszukommen, in das wir durch die derzeitige Situation der baskischen Fußballmannschaften gefallen sind. Wie gerne erinnern wir uns an die goldenen Achtziger zurück, als die Real Sociedad (Fußballclub von San Sebastián, A.d.Ü.) und Athletic Bilbao in den verschiedenen Ligen gewonnen haben. Oder die bewegenden Neunziger, als der FC Barcelona (Barça) wegen der vielen baskischen Spieler in der Mannschaft „Baskolona“ genannt wurde.

Baskischer Fußball? Zum Heulen

Jetzt dagegen greifen wir jedes Mal zum Taschentuch, wenn es um den baskischen Fußball geht. Er ist nämlich zum Heulen. Einige Mannschaften halten sich auf wundersame Weise in der Ersten Liga (manche mögen behaupten, sie schummelten sich durch), die Mehrzahl versteckt sich in einer mittelmäßigen Zweiten Liga und einige schauen sogar ohne Scham auf die Segunda B (Dritte Liga).

Mit anderen Worten: Ein anderes Thema muss her, aber ehrlich gesagt, fällt uns kein anderes ein. Zugegeben, keiner möchte mehr die Zeitungen aufschlagen, dort gibt es nur noch mehr Schreckensmeldungen dieser verfluchten Krise und die Buchlektüre ist zu anstrengend. Also reden wir weiter über Fußball.

Es geht auf Weihnachten zu und damit kommt die Zeit des Turrón (spanische Nougatspezialität, A.d.R.), der Weihnachtsfeiern, der Familientreffen, der Hamsterkäufe, sollte der Weltuntergang bevorstehen, der Lichter in den Straßen und an den Häusern, um den Klimawandel zu beleuchten und selbstverständlich auch die Zeit des Fußballspiels der baskischen Elf gegen die Nationalmannschaft eines anderen Landes. Dieses Jahr wird die Partie am 23. Dezember ausgetragen. Gegner ist die Mannschaft des Iran, die laut dem Ranking der FIFA die zweitbeste des asiatischen Kontinents hinter Japan ist.

Das Volk, das auf beiden Seiten der Pyrenäen tanzt

©urtea/wikimedia

Tatsächlich ist die baskische Mannschaft nicht offiziell, aber sie wird für bestimmte Spiele aufgestellt, die nicht frei von nationalistischer Symbolträchtigkeit sind: Diese Mannschaft strebt einen offiziellen Status an und will auch zur FIFA gehören und zwar zusätzlich zur spanischen Nationalmannschaft, auch wenn dort normalerweise baskische Fußballer spielen.

Die Anfänge der Mannschaft gehen bis 1915 zurück, als Spieler aus dem Baskenland und Kantabrien zusammen in der ‘Selección Norte‘ (Mannschaft des Nordens) kickten. Nach mehreren Namensänderungen und dem Bürgerkrieg, dem 40 Jahre Diktatur und Unterdrückung folgten, begann die baskische Mannschaft 1979 unter dem Namen ‘Selección de Euskadi‘ (Mannschaft des Baskenlandes) wieder dem runden Leder hinterherzulaufen. Das Namensproblem begann 2007, als auf Bitten der Spieler und Drängen des baskischen Fußballverbandes hin, die Mannschaft in ‘Selección de Euskal Herria‘ umbenannt wurde.

©blogroed/flickrHier beginnt das Durcheinander. Einige führen ins Feld, dass der Name Euskadi sich nur auf die drei baskischen Provinzen der spanischen Autonomen Region País Vasco (Baskenland) bezieht, nicht aber auf die benachbarte Region Navarra. Auch nicht auf die drei baskischen Provinzen Frankreichs Lapurdi, Zuberoa und Behenafarroa, die zum Département Pyrénées-Atlantiques gehören. Deshalb sollte die Mannschaft ‘Selección de Euskal Herria’ heißen, da dort Fußballer aus allen sieben Provinzen spielen. Sieben Provinzen, die eine jahrtausendalte Sprache, Kultur und Traditionen teilen, aber nie gemeinsame politische oder administrative Institutionen hatten. Das hat zu einer großen inneren Vielfalt geführt, die sich in kulturellen und politischen Aspekten wiederspiegelt. In einem Lied der baskischen Rockgruppe Negu Gorriak heißt es treffend und mit viel Ironie, dass „wir uns sogar fragen könnten, ob es überhaupt Basken hinter all den Zeitungsüberschriften gibt“. Aber es gibt uns, oder das glaubte zumindest Voltaire, der die Basken als „das Volk, das auf beiden Seiten der Pyrenäen tanzt“ definierte.

Baskisches Verwirrspiel

Tatsächlich geht die Diskussion genauso wenig um Fußball, wie um die Namensgebung, sondern spiegelt eher die Gegensätze zwischen politischen Bestrebungen, Traditionen und der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit wieder, die nicht viel Raum für territoriale Spielereien lassen.

Was am 23. Dezember passieren wird, ist nicht sicher. Die Spieler sagen, dass sie, wird der Name der Ausschreibung als ‘Selección de Euskadi’ beibehalten, nicht spielen und nur unter der Bezeichnung ‘Selección de Euskal Herria’ antreten.

Den Ausweg aus dieser fruchtlosen Diskussion bieten uns die Roma, die klugerweise nie, und schon gar nicht im aktuellen Europa ohne Grenzen, Volk und Staatsgebiet verwechselt haben. Wir Basken dagegen bringen weiterhin Volk, Land und Staatsgebiet durcheinander. Das alles hält uns ziemlich beschäftigt, vielleicht zu sehr.