Freiheitsflottille: Eine europäische Welle nimmt Kurs auf Gaza

Artikel veröffentlicht am 3. März 2011
Artikel veröffentlicht am 3. März 2011

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Knapp ein Jahr nach dem Angriff der israelischen Armee auf die sich dem Gazastreifen nähernde Freiheitsflottille , bei dem 19 Menschen ums Leben kamen und Dutzende verletzt wurden, starten Menschenrechtsaktivisten aus Europa und der ganzen Welt einen neuen Anlauf zur Unterstützung der Menschen in Gaza: Schon bald werden die Schiffe der zweiten Freiheitsflottille in den europäischen Häfen die
Anker lichten und Kurs auf den Gazastreifen nehmen, um humanitäre Hilfsgüter zu liefern und ein Ende der israelischen Blockade zu fordern. Die Abfahrt ist für den kommenden Mai geplant.

In der zweiten Maihälfte - ein genaues Datum ist noch nicht bekannt - werden sich Schiffe aus der ganzen Welt, in erster Linie aber aus Europa, in einem bislang noch unbestimmten Mittelmeerhafen versammeln, um sich erneut gemeinsam auf den Weg in Richtung Gazastreifen zu begeben. Das 'Koalition der Freiheitsflottille für Gaza' getaufte Projekt, hinter dem zahlreiche europäische und internationale NGOs stehen, wurde auf Initiative der ersten Freedom Flotilla gestartet, die am 31. Mai 2010 in internationalen Gewässern von der israelischen Armee angegriffen worden war. Die Botschaft dieses internationalen Bündnisses ist gleichzeitig politisch, humanitär und solidarisch. Politisch, weil es darum geht, die anhaltende Blockade des Gazastreifens anzuprangern und zu durchbrechen und die Einhaltung internationalen Rechts einzufordern; humanitär durch den Willen, Hilfsmaterial an eine vom Mangel an lebensnotwendigen Gütern geplagte Bevölkerung zu liefern; solidarisch, weil dem palästinensischen Volk gezeigt werden soll, dass es mit seinem Leid nicht alleine gelassen wird.

"Die Zivilgesellschaft übernimmt das Ruder"

"Die Menschen unterstützen uns, wir nehmen ca. 20.000 euro pro Woche ein", bestätigt Maxime GuimberteauDer Kampagne ist auch Ausdruck eines gestiegenen zivilgesellschaftlichen Bewusstseins: "Wir mobilisieren uns als Bürger, weil unsere Regierungen nicht bereit sind zu handeln, oder zumindest nicht genug unternehmen: daher muss nun die Zivilgesellschaft das Ruder übernehmen, um die Lage zu verändern", konstatiert Maxime Guimberteau, Pressebeauftragter der Palästina-Plattform (Plateforme Palestine), ein Zusammenschluss verschiedener propalästinensischer Vereinigungen und NGOs in Frankreich.

Angeführt wird die Kampagne von Griechenland und Schweden, doch längst sind die beiden europäischen Länder auf ein großes internationales Echo gestoßen. In sehr kurzer Zeit und fast ausschließlich dank des Engagements ihrer Bürger haben mehr als zwanzig Staaten ihre eigenen Kampagnen gestartet, die mit großer Dynamik auf ein einziges Ziel hinarbeiten: mit einem eigenen Schiff ihres Landes in der Freedom Flotilla II vertreten zu sein. Kanadier und US-Amerikaner haben bereits ihr Schiff, die Türken arbeiten mit Hochdruck an der Reparatur ihres immer noch schwer beschädigten Schiffes, das beim Angriff auf die erste Flottille traurige Berühmtheit erlangt hatte. Auch Malaysia und Australien haben sich früh dem Projekt angeschlossen. Das italienische Schiff wird den Namen von Stefano Chiarini tragen, einem Journalisten von Il Manifesto, der sein Leben der Solidarität mit den Palästinensern und allen unterdrückten Völkern gewidmet hatte. Spanien, das die beeindruckende Zahl von 250 teilnehmenden Organisationen und mehrerer Prominenter vorweisen kann, wird sogar mit zwei Booten vertreten sein, die insgesamt 200 Personen und 2000 Tonnen an humanitären Hilfsgütern mit an Bord nehmen können.

Eine "Tour de France für Gaza"

Europa ist insgesamt stark vertreten, da abgesehen von den genannten Ländern auch Deutschland, Norwegen, Belgien, Schottland, Dänemark, die Niederlande, Irland und die Schweiz der Flottille angehören werden. Mehrere länderübergreifende Arbeitskomitees wurden von der Coordiation Européenne des Comités pour la Palestine (Europäisches Koordinationsgremium der Komitees für Palästina) ins Leben gerufen: Vorbereitungstreffen für die zweite Freiheitsflottille fanden bereits in Madrid, Rom und Athen statt.

In Frankreich zeigt sich die Mobilisierung der Zivilgesellschaft am Erfolg der Tour de France für Gaza, die vom 2. bis zum 26. Februar organisiert wurde, um die Bürger zu sensibilisieren und die für den Schiffskauf notwendigen Mittel einzutreiben. Maxime Guimberteau, der während der ersten Woche an der Tour mitgewirkt hat, kam aus seinem freudigen Staunen über die Unterstützung in der französischen Bevölkerung gar nicht mehr heraus: "Überall, wo wir hinkamen, stießen wir auf Zustimmung. Die Menschen zeigen Verständnis für unser Anliegen und unterstützen uns. Wir erhalten etwa 20.000 Euro pro Woche und 85 Prozent davon stammen aus Privatspenden: Wenn es in diesem Rhythmus weitergeht, dann werden wir die vorgesehenen Fristen einhalten und das Schiff für Mai startklar machen können."

Ermutigende Signale aus Tunesien und Ägypten

Welchen Empfang wird man der zweiten Freidensflotille bereiten?Sicherlich sorgen auch die gegenwärtige geopolitische Situation in der arabischen Welt und insbesondere das Ende des Mubarak-Regimes in Ägypten für frischen Wind in der palästinensischen Frage: "Die Ägypter und Tunesier haben aufgezeigt, welche revolutionäre Kraft die Zivilgesellschaft entfalten kann, wenn sie sich entschlossen für ihre Rechte einsetzt. Sie haben erreicht, was vor nicht einmal drei Monaten noch niemand für möglich gehalten hätte", meint Maxime. Auch in Bezug auf den Erfolg der Freedom Flotilla II sind die Umstände günstig: "Wir hoffen, dass die Umwälzungen in Ägypten den Druck auf Israel erhöhen werden, die Schiffe passieren zu lassen", fügt er hinzu.

Die palästinensische Frage ist ohne Zweifel von großer Bedeutung für die im Freiheitskampf befindlichen arabischen Staaten, zwischen denen sie bereits in der Vergangenheit sowohl für Einheit als auch bisweilen für Zwietracht gesorgt hat. Dennoch wird schon in den ersten Zeilen der Charta der Freedom Flotilla II klargestellt, dass diese ausschließlich dem Ziel dienen soll, "die Einhaltung der Rechte jedes Menschen, unabhängig von seiner Identität, seinem Geschlecht, seiner Herkunft, seiner Staatsangehörigkeit, seiner Religion oder seiner Sprache" einzufordern. Es steht also außer Frage, gezielt um Unterstützung bei den Sympathisanten der "arabischen" Forderungen zu werben.

Auch wenn der Ausgang dieses humanitären Kreuzzuges noch ungewiss ist, so kann in jedem Fall bereits jetzt ein erster Sieg verbucht werden: Europäerinnen und Europäer verschiedenster Kulturen und politischer Richtungen haben sich zusammengefunden, um das Versagen der Regierungen und die unzulänglichen Ergebnisse der Palästinapolitik der Europäischen Union anzuprangern. Maxime fasst das so zusammen: "Wir sind alle vereint, als Europäer, um uns gegen diese Blockade einzusetzen."

Um die Initiative "Un bateau français pour Gaza" (Ein französisches Schiff für Gaza) zu unterstützen, besuchen sie die offizielle Website der Kampagne.

Illustrationen: Home (cc)http://edo.medicks.net/flickr ; Operation Petit navire: mit freundlicher Genehmigung von Plateforme Palestine ; Freedom Flotilla: (cc)freegazaorg/flickr