Frauentag in Van versinkt im politischen Konflikt

Artikel veröffentlicht am 10. März 2008
Artikel veröffentlicht am 10. März 2008
Dorte Huneke Der Internationale Frauentag in Van – im östlichsten Osten der Türkei – fand zwar nicht auf Chinesisch statt. Wer gekommen war, um etwas über Frauen, Frauenrechte und frauenspezifische Probleme zu hören, war dennoch sprachlos. Denn bei den Versammlungen zum 8. März ging es weniger um Frauensachen als um politische Konflikte – bei denen in der Regel die Männer das Wort führen.
Die DTP hatte zu einer Veranstaltung geladen. Vor der Bühne versammelten sich farbenfroh gekleidete Frauen allen Alters mit Pappschildern, auf denen „Artik yeter“ (türkisch: Es reicht!) und „Jin Jiyan Azadi“ (kurdisch: Frauen, Leben, Freiheit) geschrieben stand. Die Frauen im Osten der Türkei haben viele gute Gründe, für ihre Rechte und Freiheiten sowie den Schutz ihres Lebens auf die Straße zu gehen: Nach wie vor werden etliche Frauen ungefragt verheiratet, für Geld verkauft, gegen andere Familienmitglieder getauscht. Viele Männer sperren ihre Ehefrauen zu Hause ein und lassen sie höchstens in männlicher Begleitung nach draußen (ein 10-jähriger Junge genügt), zahlreiche schlagen, vergewaltigen und halten ihre Frauen von der Schule fern. Etwa fünf Mal im Jahr werden allein in der Van-Region Ehrenmorde verübt. Darauf wurde an diesem 8. März bei den öffentlichen Kundgebungen leider nur am Rande eingegangen. Die lokale Frauenorganisation VAKAD (Van Kadın Derneği), die seit 2004 vor Ort bemerkenswerte Arbeit leistet, indem sie Frauen Schutz und Unterstützung bietet, sagte ihre Veranstaltung ab und konzentriert sich auf ihre eigentliche Arbeit: in den kommenden 14 Tagen fahren die VAKAD-Mitarbeiter wieder einmal in die umliegenden Dörfer, um Aufklärungsarbeit zu leisten und mit den dort lebenden Frauen über ihre Probleme, Wünsche und Ängste zu sprechen. Wenn Frauen geschlagen und misshandelt werden, ist es egal, an welchem Ort dieser Welt dies geschieht. Darum wird der Internationale Frauentag weltweit gefeiert – auch wenn die Geistesschwäche (Gewalt) in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Begründungen findet. Politische Konflikte, häufig ebenso wenig geistreich, sind ein anderes Thema.