Frauen ohne Freiheit

Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2007

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Über Frauen in Gefängnissen zu sprechen, ist Tabu. Doch für sie sind Diskriminierung und Ungleichbehandlung an der Tagesordnung.

„Wenn sie ins Gefängnis kommen, sind die meisten Frauen schon seit Jahren, wenn nicht ihr ganzens Leben, von körperlichem und sexuellem Missbrauch durch Männer gezeichnet.“ Diese Worte stammen von Jane Evely Atwood, einer Fotografin, die neun Jahre lang weibliche Gefangene in Europa und Amerika getroffen und in Bildern festgehalten hat.

Zwar dominiert immer noch das Klischee des Macho-Gangsters, aber daneben gibt es längst eine andere, besorgniserregende Realität. Zwar machen Frauen gegenwärtig den geringsten Anteil an inhaftierten aus. Ihr Anteil beträgt 4 Prozent in Frankreich und Italien, 4,5 Prozent in Griechenland, 5 Prozent in Großbritannien und 8 Prozent in Spanien.

Doch die Zahl weiblicher Gefangener steigt. Allein in den USA ist sie seit 1980 um das vierfache gestiegen, doppelt so viel wie bei den Männern. Frauen werden vor allem für nicht-gewalttätige Straftaten eingesperrt: 89 Prozent der inhaftierten Frauen wurden wegen Diebstahls, ungedeckten Schecks, Kreditkarten-Fälschung oder Drogenhandels bestraft.

Die straffälligen Frauen stammen häufig aus prekären Verhältnissen, sie sind emotional verarmt und verüben immer häufiger sogenannte „Überlebensdelikte“. Am Anfang jeder kriminellen Laufbahn steht in den meisten Fällen eine stufenweise Entfremdung von der Gesellschaft: zuerst der Verlust des Arbeitsplatzes, dann der Verlust der Familie. Laut den Zahlen des Observatoire international des prisons (OIP), eines Internationalen Vereins für die Beobachtung der Gefängnisse, sind 20 Prozent der inhaftierten Frauen Analphabetinnen und 50 Prozent verfügen über einen Grundschulabschluss. Drei Viertel der Frauen haben mindestens ein Kind.

Kaum Frauengefängnisse

Die neue Gesetzgebung im Kampf gegen den Handel und Konsum von Drogen hat zur Folge, dass die Zahl der weiblichen Inhaftierten steigt, wobei ihr Alter sinkt. In Großbritannien ist die Rate der inhaftierten Frauen zweimal so hoch wie die der Männer.

Es gibt allerdings nur sehr wenig Frauengefängnisse und die Strafprozessordnung sieht keinerlei Sonderbehandlung vor. Die Frauen werden daher einfach in eigene Blocks in Männergefängnissen einquartiert. Eine für Frauen angemessene Infrastruktur ist nicht vorhanden. Außerdem tut die Verlängerung der Haftstrafe ihr Übriges: Frauen, die draußen schon gebrochene Persönlichkeiten waren, werden im Gefängnis noch geschwächt – durch mangelnde hygienische Anlagen, schlechte Ernährung, gesundheitliche Probleme, den kontinuierlichen Anstieg der Selbstverstümmelungen und der Selbstmordrate.

Schwierige Rückkehr ins Leben

Die Regeln für den Strafvollzug in Europa sind in Bezug auf Ausbildung und Arbeit sehr eindeutig. Frauen sollen nach EU-Gesetz „Zugang zu verschiedenen Arbeitsformen haben und sollen sich nicht auf die tradtionell als ‚Frauenberufe’ bezeichnenten Bereiche beschränken“. Im Klartext heißt das, dass Inhaftierte nicht aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden können.

Die Realität hingegen sieht anders aus. Die Arbeitszuteilung richtet sich auch bei Gefangenen nach dem Geschlecht. Was den Frauen angboten wird, sind Jobs als Näherinnen und Verpackerinnen. In Italien verdienen Frauen für die gleiche Arbeit weniger als ihre männliche Kollegen. Indem man Frauen auch im Gefängnis nur monotone Aufgaben zutraut, können sie kein Selbstbewußtsein entwicklen. Zu dem Freiheitsentzug und dem Verlust der Intimität und Identität kommt für die meisten noch hinzu, dass sie keinen Zugang zu Ausbildung oder nach der Haft keine Vorbereitung auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft haben.