Französische Filme: Die Reifeprüfung

Artikel veröffentlicht am 11. April 2016
Artikel veröffentlicht am 11. April 2016

Im Wettbewerb um den Goldenen Bären dieses Jahr in Berlin war Frankreich stark vertreten. Im Mittelpunkt der Filme: Die Mid-life crisis. Ein erfolgreiches Rezept für Regisseurin Mia Hansen-Løve, das ihr den Silbernen Bären für die beste Regie beschert hat.

,,Ich bin nicht schön, Papa. Ich bin nicht schön”. Ziemlich angesäuselt bricht Bruno inmitten der Landwirtschaftsmesse an der Schulter seines Vaters nach einem x-ten Korb in Tränen aus. In Saint Amour, dem letzten französischen Film, der von dem Duo aus der Fernsehsendung Groland Benoît Delépine und Gustave Kervern gedreht wurde, spielt der Belgier Benoît Poelvoorde die Rolle eines Vierzigers, der sich mitten in einer Lebenskrise befindet. Derjenige, der versucht, ihn zu trösten, ist sein Vater (gespielt von Gérard Depardieu), indem er ihn durch die Weinberge ziehen lässt.

Die Lebenskrise des reifen Mannes - oder der reifen Frau - scheint die Devise der neuesten französischen Filme zu sein. Das Ganze beginnt mit Isabelle Huppert im Film Die Zukunft von Mia Hansen-Løve, dessen Titel die optimistische Welle, die oft aus Krisen resultiert, gut umschreibt. Nathalie, eine Philosophielehrerin, ist mit einer Scheidung, einem Sterbefall und Verlagsmisserfolgen konfrontiert. Auf einem von jungen Anarchisten bewohnten Bauernhof im Vercors sucht sie die Gelegenheit, neue Kraft zu schöpfen. Eine frische Brise mitten in den schweren Prüfungen des Lebens: Ein Rezept, das scheinbar auch in Berlin gut ankam.

Die großartigen Kulissen, die Beziehungen zur jungen Generation und ein abwesender Ehemann bilden ebenfalls den Lebensrahmen der Ärztin Sandrine Kiberlain in Wenn man 17 ist von André Téchiné. Auch wenn zugegeben wird, dass sich die Identitätskrise ihres Sohnes Damien (gespielt von Kacey Mottet-Klein, dieses Jahr auch European Shooting Star für die Schweiz) diesmal im Herzen des Films befindet.

Auch der Quebecer Film Boris ohne Béatrice von Denis Côté bildet keine Ausnahme. Das Ehepaar - die Ministerin (Simone-Elise Girard) und der unsympathische Unternehmer (James Hyndman) - steckt in einer Krise. Nach einem gewaltigen Burnout hat sich Béatrice ins Schweigen zurückgezogen, während der Ehemann seine Ansichten hinterfragen muss, um zu vermeiden, dass die Lage schlimmer wird.

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Ich bin ein Berliner. Dieser Artikel stammt von unserer Lokalredaktion cafébabel Berlin