Frankreichs treffsichere Kampagne zu häuslicher Gewalt

Artikel veröffentlicht am 31. Mai 2016
Artikel veröffentlicht am 31. Mai 2016

[VIDEO] Der ehemalige Trainer, der die französische Nationalmannschaft nicht unterstützt? Das ist das erste Bild, das im Video „Je ne supporte pas les Bleus“ („Ich unterstütze die französische Nationalmannschaft nicht“) erscheint. Aber hinter der Provokation verbirgt sich eine ebenso subtile wie wichtige Kampagne zur häuslichen Gewalt in Frankreich.

Es ist so vorhersehbar. Auf Twitter fließen die abwertenden Hashtags als sei eine Schleuse defekt. Am Tag nach einer eher so semi-tollen Vorstellung der französischen Fußball-Nationalmannschaft beim Vorbereitungsspiel gegen Kamerun für die EM 2016, glaubte man erst, die üblichen beleidigenden Tweets enttäuschter Fußball-Fans zu sehen - Hashtag: #JeNeSupportePasLesBleus.

Aber manchmal kann Twitter einen auch überraschen. Hinter dem Hashtag - der am Morgen schnell zum Trending Topic wurde - steckt eine Kampagne der Vereinigung Elle’s IMAGINE’nt, die gegen häusliche Gewalt gegen Frauen kämpft. In dem Kampagnen-Video blicken mehrere Personen, darunter der ehemalige Fußballnationaltrainer Raymond Domenech, ernst in die Kamera und verkünden: „Je ne supporte pas les bleus“. „Les Bleus“, das ist einerseits die französische Nationalmannschaft - aber auch das blaue Auge oder blaue Flecken, die Opfer häuslicher Gewalt unter anderem davontragen. Es geht also nicht darum, den Jungs von Trainer Didier Deschamps einen mitzugeben, sondern um eine Kampagne, die für die Schläge sensibilisieren sollen, denen viele Frauen in Frankreich zum Opfer fallen.

Die Vereinigung erinnert daran, dass an jedem Tag der kommenden Fußball-EM zehn Frauen durch die Schläge ihres Partners sterben werden. Jeden Tag erlebt in Frankreich eine Frau von zehn Gewalt von Seiten ihres Partners. Eine Zahl, die sehr viel wichtiger ist als die Statistik darüber, wie viele Tore ein Fußballer geschossen hat.

#JeNeSupportePasLesBleus.

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In unserem Projekt Mind the Gap dreht sich alles um Frauen- und Genderthemen. Wir wollen facettenreiche Geschichten aus ganz Europa erzählen und dem Austausch über Gleichberechtigung eine junge, europäische Perspektive hinzufügen.