Frankreich gegen England: mein erstes Rugbyspiel

Artikel veröffentlicht am 21. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 21. Oktober 2007
Bevor ich in den Genuss kam, diese Weltmeisterschaft live mitzuerleben, hielt ich Rugby für eine unspektakuläre Sportart wie Kanu, Golf oder Bogenschießen.
Nicht aber für ein gesellschaftliches Event, das Millionen von Zuschauern (am Tag des Halbfinales ganze 18 Millionen allein in Frankreich) fasziniert den Atem anhalten lässt, das die Pubs füllt und die gesammelte Aufmerksamkeit der Medien beansprucht. Also habe ich mich, nachdem die Vorrunde und die Viertelfinals völlig an mir vorbeigegangen sind, von einem befreundeten französisch-englischen Paar überreden lassen, die Partie Frankreich gegen England anzuschauen. Ein Halbfinalspiel ohne besondere Vorkommnisse, aber, zum meiner großen Überraschung, ziemlich faszinierend.

Vom Fussball an dröges Gekicke zum Unentschieden gewöhnt, muss ich zugeben, dass das Spiel mit dem ovalen Ball (erinnert ihr euch an einen Gummiball Marke Supersantos?) für sich schon einen Unterhaltungswert besitzt: Aufgeblasen zu riesigen Puppen rennen die Spieler wie die Hasen und scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste diesem Ei hinterher – da gibt es keine schmerzverzerrten Blicke bei einem Streifschuss, wie sie Inzaghi so theatralisch zu interpretieren versteht.

Es hat Spass gemacht, mein erstes Rugbyspiel. Gemeinsam mit den Freunden aus Frankreich und England (vor allem er ist großer Rugbyfan), außerdem in Gesellschaft eines spanisch-amerikanischen Paares. Sie, eine Journalistin, seit kurzem erst in Paris und hier als Englandfan, genau wie er, der damit hinter dem Berg hielt, weil er die erbitterten Feindschaften zwischen den Fussballfans kannte – obwohl es das, wie mir alle bestätigten, beim Rugby nicht gäbe. Dazu kamen ein paar irische Freunde von mir aus Belfast, die natürlich auf Seiten Frankreichs standen und ein Spanier aus Sevilla, der sich die französische Trikolore auf die Backen gemalt hatte.

Wirklich eine schöne Sache, so ein Rugbyspiel. Vor allem, weil später in den Pubs die beiden Fangruppen gemeinsam feierten, ohne Maginotlinie, wie man das vom Fussball kennt. Und am Schluss, unglaublich aber wahr, sehe ich die siegreichen Engländer die unterlegenen Franzosen trösten. Wobei die, das ist in allen Sportarten so, einfach nicht verlieren können...

Foto: Manuel MC/Flickr.com