François Hollande : Jetzt kommt die Pflicht

Artikel veröffentlicht am 9. Februar 2014
Artikel veröffentlicht am 9. Februar 2014

Mumm zu zei­gen ist wich­tig. Aber noch wich­ti­ger ist es, den Wor­ten Taten fol­gen zu las­sen. Mit der An­kün­di­gung von Maß­nah­men zur Un­ter­stüt­zung der Un­ter­neh­mer hat François Hol­lan­de bei einer Pres­se­kon­fe­renz vom Pro­gramm der Rech­ten ab­ge­schrie­ben und sich damit die Op­po­si­ti­on herausgefordert: Chi­che" - jetzt kommt die Pflicht. 

Die fran­zö­si­sche Na­ti­on war­tet seit zwei Jah­ren dar­auf, dass Fran­çois Hol­lande end­lich ein Ri­si­ko ein­geht. Der Prä­si­dent, der für seine Zu­rück­hal­tung be­kannt ist, hat gleich zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit eine wich­ti­ge Frage an seine Be­ra­ter ge­stellt: „Wie komme ich hier durch ohne ge­se­hen zu wer­den?" Die Ge­schich­te, die Hollandes Taktik einen Strich durch die Rechnung machte, ist inzwischen hinreichend bekannt: ein un­schein­ba­rer Scoo­ter brach­te den Staats­chef zu der Schau­spie­le­rin Julie Gayet, in die er sich ver­narrt hat.

Plötz­lich war der Un­sicht­ba­re Präsident in allen Schlag­zei­len. Hol­lan­de wurde von einem Pa­pa­raz­zi im Auf­trag von Clo­ser auf fri­scher Tat er­tappt. Die Es­ka­pa­de gleicht eher einem Laus­bu­ben­streich, als einer Staatsaf­fä­re. Seine Stand­fes­tig­keit wurde dann bei der sehn­lichst er­war­te­ten Pres­se­kon­fe­renz auf die Probe ge­stellt. Er über­hör­te ge­schickt jede An­spie­lung auf sein Pri­vat­le­ben und kün­dig­te Maß­nah­men zu­guns­ten der Un­ter­neh­mer an: Steu­er­sen­kun­gen und das Ende der Fa­mi­li­en­bei­trags­zah­lun­gen. Über­setzt: eine völ­lig un­er­war­te­te rechts­li­be­ra­le Kehrt­wen­dung eines Lin­ken, der immer wie­der be­to­nen mußte, dass er trotz­dem noch ein „ech­ter So­zi­al­de­mo­krat" sei.

Der Kom­men­tar von Frédéric Lefèbvre, ehe­ma­li­ger Mi­nis­ter unter Ni­co­las Sar­ko­zy und Ab­ge­ord­ne­ter  dazu: „Chi­che", Herr Fran­çois Hol­lande. Das heißt so viel wie: „Jetzt kommt die Pflicht".

Mit einer Pressekonferenz hat Hol­lan­de der Op­po­si­ti­on das Was­ser ab­ge­gra­ben. Diese war nicht schlecht er­staunt dar­über, Hol­lan­de auf ihrem Ter­rain spie­len zu sehen. An­statt große Ge­gen­re­den zur Pres­se­kon­fe­renz des Staats­ober­haup­tes zu schwin­gen, wurde die­ser nur mit einem Wort er­wi­dert: „Chi­che!" - „Jetzt kommt die Pflicht". Le Monde kommentiert diese kurze Replik in einem Ar­ti­kel und spricht von einer „Kampf­an­sa­ge" Hollandes. Wie die Schulkinder auf den Pausenhöfen, sagen Viele allerdings: „T'es pas cap!" (Das schaffst du nie").

Die Bri­ten, die sich üb­ri­gens die ganze Woche lang süch­tig nach In­for­ma­tio­nen aus der Re­gi­on unter der Gür­tel­li­nie des fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten zeig­ten, hät­ten wohl ein­fach ge­sagt: Mr Hol­lande, do you have the balls to do this?" Oder sie wür­den die Her­aus­for­de­rung sport­lich sehen und mit dem la­tei­ni­schen Slo­gan der Tot­ten­ham-Fans kom­men­tie­ren: au­dere est fa­cere" („Wer nicht wagt, der nicht ge­winnt"). Wir wis­sen alle, dass es in der Liebe und der Po­li­tik vor allem um Bauch­ge­fühl, bes­ser ge­sagt Ein­ge­wei­de geht. Die bri­ti­sche Op­po­si­ti­on würde sagen: Do you have the guts to do this?" Auch in Polen, zeigt man, was man in den Ein­ge­wei­den hat: Mieć jaja coś zrobić!" In Spa­ni­en wird vor eine Her­aus­for­de­rung ein Ausrufezichen ge­setzt, drei Wort rei­chen: ¡A que no!" Nur in Ita­li­en ist das Wort „chi­che" un­über­setz­bar. Die Staatsaffären um Ber­lus­co­ni haben ge­zeigt, dass es völ­lig sinn­los ist, einen Ita­lie­ner her­aus­zu­for­dern. Es gibt al­ler­dings einen Re­de­wen­dung, die die tiefe Kluft zwi­schen Wor­ten und Taten be­schreibt: Tra il dire il fare c'è di mezzo il mare" (Zwi­schen Wor­ten und Taten liegt das Meer). Das Meer zu überqueren, könn­te auch mit dem schöns­ten Scoo­ter schwie­rig wer­den.