Frances Ha: Schräg durchs Leben tanzen

Artikel veröffentlicht am 23. August 2013
Artikel veröffentlicht am 23. August 2013

Solltet ihr den Film Frances Ha noch nicht gesehen haben – auf ins nächste Kino! Dieses Häppchen New Yorker Leben wird euch im Takt einer Pirouette den Kopf verdrehen.

Blond, groß gewachsen, ein wenig linkisch und nicht zuletzt urkomisch: Das ist Frances, eine 27-jährige Studentin, die mit ihrer besten Freundin Sophie in New York lebt. Die beiden Mitbewohnerinnen sind hundertprozentig (und auf geradezu seltsame, symbiotische Weise) seelenverwandt - sie sind “ein und dieselbe Person, nur mit unterschiedlichen Haaren”.

Ich höre euch schon meckern … “Schon wieder so ein Frauenfilm!”. Nicht im Geringsten, junge Leute, oder besser: nicht nur! Auch wenn die Protagonisten in der Tat junge Frauen sind – ihre Geschichte, die die Schwierigkeiten der heutigen Welt und die Sehnsüchte der Generation Y reflektiert, wird euch im Sturm erobern. Frances schwankt zwischen dem Verlangen nach dem großen Erfolg und existenziellen alltäglichen Zweifeln. Ihre Unbeholfenheit ist reizend, ihre Träume sind ansteckend, ihre Misserfolge ein bisschen wie unsere eigenen. Kurzum: Ein Mädel, das man einfach lieben muss!

Ein guter Film bedeutet vor allem auch eines: schöne Bilder. Und Frances Ha lässt auch hier mit seiner recht speziellen Ästhetik nichts vermissen. Frances Ha ist ein grandioses Werk in schwarz-weiß und sehr persönlich, wobei der Film auf subtile Weise comichafte Totaleinstellungen und introspektive Porträts im Close-Up verbindet. Ein Film, der ebensogut von gestern stammen könnte. Vielleicht liegt es am schwarz-weiß, dass eine gewisse Zeitlosigkeit über dem Film schwebt und ihm eine besondere Stimmung verleiht. Bisweilen entsteht der Eindruck, die Inspirationen stammten von Woody Allen höchstpersönlich – und ein klein wenig zu Hause fühlt sich man sich auch. Frances Ha anschauen, das hat etwas von einer Pause auf dem heimischen Sofa, von dem aus man zusieht, wie sich das Leben abspielt.

Die Komödie, die manchmal auch eine Spur tragisch ist, klingt noch lange nach. Alles kommt irgendwie zusammen: Unsere Verrücktheiten, unser Scheitern und unsere Sehnsüchte. Einziger Wermutstropfen: Von New York bekommt man letztlich sehr wenig zu sehen ...

Ab 1. August 2013 in deutschen Kinos.