Flughafen Schönefeld verleiht Berlin Flügel

Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2008

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BBI, drei Buchstaben für Berlin Brandenburg International, den zukünftigen Flughafen der deutschen Hauptstadt. Bis 2011 wird der modernisierte Standort Schönefeld den gesamten Luftverkehr konzentrieren und Berlin zum ersten Mal mit allen Kontinenten verbinden.

Antje, 28, eine junge Berlinerin, ist auf dem Weg in die USA und am Rande eines Nervenzusammenbruchs. "Es wird wirklich Zeit, dass Berlin einen richtigen Flughafen bekommt. Uns fehlen direkte Langstreckenflüge und in Tegel gibt es nicht genug Platz", stellt die junge Frau fest. "Zum Beispiel: Das letzte Mal als ich in die Türkei geflogen bin, war es so eng, dass ich bei der Passkontrolle zwei Schritte vom Flugzeug entfernt stand. Und wenn man für seine Reise erst den Zug nach Düsseldorf oder Frankfurt nehmen muss, dann lohnt sie sich wirklich nicht…"

Was den Luftverkehr betrifft, ist Berlin mit Sicherheit die am schlechtesten ausgestattete europäische Metropole in Europa. Die deutsche Hauptstadt zieht Besucher aus aller Welt an und dennoch ist es noch gar nicht lange her, dass nur Continental und Delta Airlines Interkontinentalverbindungen,nach New York anboten. Erst vor kurzem wurde die erste Flugverbindung nach China ohne Zwischenlandung eingeweiht und von den anderen Teilen Asiens, von Afrika und Übersee braucht man gar nicht erst zu sprechen.

Sony storniert Flüge nach Tokio

Für Langstreckenpassagiere oder Geschäftsleute besteht keine Chance, ohne Umweg über Düsseldorf, Frankfurt, München oder sogar Warschau und Prag. Das internationale Unternehmen Sony, welches sich in den 1990ern in Berlin niedergelassen hatte, zog sein Geschäft letztlich auf leisen Sohlen wieder ab. Der Grund: Mangel an Flugverbindungen zwischen Berlin und Tokio.

2011 soll sich alles ändern. Zu diesem Zeitpunkt wird der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Betrieb genommen, eine vergrößerte Version des momentanen Flughafens Schönefeld. An diesem Standort im Südosten der Stadt wurden bisher 6 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt. Er wird nun Tempelhof (630.000 Passagiere pro Jahr) und Tegel (12 Millionen Passagiere pro Jahr), deren Schließung beschlossene Sache ist, verdrängen.

Michael Künzel, Referatsleiter der Abteilung Stadt- und Freiraumplanung des Berliner Stadtsenats, schätzt, dass "BBI seit der Wiedervereinigung der wichtigste Schritt in der Geschichte Berlins ist. Wir haben keinen Flughafen der uns gleichzeitig quantitativ und qualitativ voranbringt. BBI wird Berlin zu einer modernen Hauptstadt mit internationalem Flughafen machen, die sich ebenso gut an den Billigflugverkehr wie auch an den Langstreckenverkehr anpasst."

Ein Segen für die Beschäftigung in der Region

©BBI

Bis 2011 wird die bisher einzige Start- und Landebahn verlängert. Eine Zweite wird gebaut, sowie ein neues Terminal. Darüber hinaus werden 600 Millionen Euro in einen U-Bahnhof investiert. Die Berliner Behörden schätzen, dass 2011 von und nach BBI zwischen 22 und 25 Millionen Fluggäste pro Jahr befördert werden, später etwa 40 Millionen. "Unsere Vorbilder sind die Flughäfen Amsterdam und Kopenhagen", präzisiert Birgit Steindorf, Teamleiterin für die wirtschaftliche Entwicklung bei Berlin Partner, einer Agentur, die sich um alle wirtschaftlichen Angelegenheiten rund um den zukünftigen Flughafen kümmert. "Gewöhnlich gewinnt eine Region an Attraktivität, sobald internationale Flugverbindungen geschaffen werden. Wir haben noch 3-5 Jahre vor uns, aber in einigen Monaten werden sich bereits die ersten Unternehmen niederlassen."

In der Region mit einer Arbeitslosenquote von 17 Prozent können bis zum Jahr 2012 ungefähr 40.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden - ein wahrhaftiger Wind des Fortschritts für Schönefeld. "Man geht davon aus, dass ein Arbeitsplatz, der an einem Flughafen geschaffen wird, zwischen 1,87 und 1,9 Arbeitsplätze im Umfeld bringt", rechnet Birgit Steindorf.

Ein britischer Projektentwickler hat vor kurzem etwa 10 Hektar gekauft, um Büros und logistische Drehscheiben für Unternehmen anzusiedeln. Die Agentur Berlin Partner setzt auch große Hoffnungen in den Ausbau des Adlerhofs, den größten Technologiepark Berlins, in dem vor allem optische und solartechnische Forschungsarbeiten durchgeführt werden. Am Ende soll die ganze Achse Stadt-Flughafen im Südosten der Stadt von der Dynamik erfasst werden.

Zu groß, zu teuer, zu alt?

Das Projekt BBI ist trotz allem in den letzten Monaten in Turbulenzen geraten. Seine Legitimität wurde in Frage gestellt. "Die Kampagne gegen die Schließung Tempelhofs und das darauf folgende Referendum haben dem Projekt geschadet", räumt Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen, ein.

Einige Experten aus der Luftfahrtbranche glauben, dass BBI zu spät kommt. "Zu groß, zu teuer, und 20 Jahre Planung sind zu lang", wirft daher John Kohlsaat, Geschäftsführer von Easyjet Deutschland, ein. Die zahlreichen Billigfluglinien, die Berlin anfliegen (Easyjet, Germanwings, Air Berlin, Blue Air, etc.), fürchten einen Zeitverlust für ihre Rotationsflüge und zu hohe Betriebsabgaben. Studien zeigen aber, dass 2011 ungefähr 70 Prozent aller Berliner Fluggäste mit Billigfliegern reisen werden.

Aktivisten gegen den Flughafen

Die Einschränkung der Nachtflüge zwischen 22 und 6 Uhr beunruhigt die zwei größten deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin sehr. "Es wird kein Flughafen sein, der Fracht- und Personenverkehr integrieren kann", räumt Birgit Steindorf ein, "Betreiber wie UPS werden an ihm nicht tätig werden können." Ein Standort, der nur tagsüber genutzt werden kann, wird kaum zu einem internationalen Drehkreuz werden. Gegenüber der Konkurrenz kommt BBI vielleicht "zu spät", fürchtet Martin Gaebges, Generalsekretär bei BARIG, der Interessenvertretung der Fluggesellschaften in Deutschland.

Im Berliner Senat ist Michael Künzel zuversichtlich. "Zwischen 1989 und 2011 sind es nur 21 Jahre, was relativ kurz für die Entwicklung eines Flughafens ist. Man kann sich München zum Vergleich anschauen: Die Entscheidung, einen neuen Flughafen zu bauen, wurde 1958 infolge einer Katastrophe getroffen. Die Eröffnung des Flughafens fand erst 35 Jahre später statt." In Anbetracht der Bürgerpetitionen und -initiativen gegen den Flughafen bleibt abzuwarten, ob die Berliner bereit sind auf die fast inselartige Lebensqualität in ihrer großen, aber doch ruhigen Hauptstadt zu verzichten.