Flüchtlinge in Idomeni: So nah und doch so fern

Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2016
Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2016

[KOMMENTAR] Idomeni ist das kleine Dorf an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, das in letzter Zeit immer wieder traurige Berühmtheit erlangte. Die Balkanroute führt durch dieses bisher unbekannte und ruhige Dorf, das zum größten, inoffiziellen Flüchtlingslager Europas geworden ist.

Der eigentlich ländlich-ruhige Lebensrhythmus in Idomeni wurde unlängst durch Migrantenströme ersetzt. Seit dem Beschluss der Balkanstaaten, die Grenzen zu schließen, haben sich immer mehr Flüchtlinge dort niedergelassen. Das Leben ist schwierig, von Unsicherheiten und ewigem Warten geprägt.

Mehr als 10 000 Männer, Frauen und Kinder haben sich ihr Lager inmitten von Abfall, Zelten, Lagerfeuer und provisorischen Hütten aufgebaut und warten nun darauf, dass die Regierungen und europäischen Institutionen eine Lösung finden, sie vor Krieg und Armut in Sicherheit zu bringen.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Irak, Afghanistan und Kurdistan. Frauen und Männer, die vor Krieg und schwerer Armut fliehen und die, wenn sie endlich in Europa ankommen, zurückgestoßen und gezwungen werden, sich in äußerst unmenschlichen Lebensumständen zurechtzufinden.

Ein leiser Aufschrei geht von Idomeni, der kleinen Grenzstadt zwischen Griechenland und Mazedonien, aus, den nun die ganze Welt vernimmt. Dieser leise doch mächtige Aufschrei verlangt nach Gerechtigkeit und Aufnahme. Entgegengesetzt werden ihm jedoch Gleichgültigkeit, Angst und neue Grenzen.

Dabei liegt Idomeni doch schon in Europa - nämlich in Griechenland, der Wiege der europäischen Zivilisation. Es ist schwer zu glauben, dass heutzutage Menschen, die vor Krieg fliehen und nach Europa kommen, so behandelt werden. Von Idomeni aus gesehen, ist Europa ein gespaltener Kontinent, voller Ärger, Ängste und Egoismus. Die Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze ist, wie in vielen anderen Lagern in Griechenland, besorgniserregend. Noch schockierender wird sie, wenn man sie aus der Sicht eines Kindes betrachtet. 

40% der Bewohner Idomenis sind minderjährig. Auch sie sind den prekären und schwierigen Lebensumständen ausgesetzt. Doch es stimmt auch zuversichtlich zu sehen, dass Kinder ihre Hoffnungen, Spiele und Träume trotz der Schwierigkeiten nicht aufgeben. Ihr Wille und Wunsch nach einer besseren Zukunft wird diese entwürdigenden Zustände und den Egoismus der europäischen Staaten überdauern.

Idomeni wirkt meistens ziemlich weit entfernt auf uns. In den letzten Monaten haben Aktivisten und Freiwillige versucht, diese Entfernung zu überbrücken: Nahrung und Kleidung wurden verteilt, Hilfe angeboten. Aktivitäten für Kinder wurden organisiert, ärztliche Behandlungen geleistet. Dank freiwilligen Bürgern aus der ganzen Welt. Diese starke, und oft auch berührende Solidarität weckt in uns die Hoffnung und Zuversicht, dass die Männer und Frauen Idomenis nicht alleine sind. Und dass ein offenes, aufgeschlossenes und solidarisches Europa keine Utopie ist.