Florian Lukas in "Die Fremde": Der DDR Nachrichtensprecher darf jetzt endlich knutschen

Artikel veröffentlicht am 16. Februar 2010
Artikel veröffentlicht am 16. Februar 2010
Wer Good Bye, Lenin! gesehen hat, kennt Florian Lukas. Als Nachrichtensprecher mit angeklebtem Bart ließ er die DDR auch nach der Wende weiterleben. Jetzt spielt Lukas im Drama Die Fremde den einfühlsamen Liebhaber einer Deutschtürkin. Allerdings hat die Beziehung bittere Folgen. 3 Fragen an den Schauspieler während der Berlinale 2010.

Florian, du hast im letzten Jahr mal gesagt, dass Du gerne mehr Bett- und Kussszenen spielen möchtest. In Die Fremde gibt es nun eine solche Szene zusammen mit Sibel Kekilli (Gegen die Wand von Fatih Akin). Hast du’s genossen?

Florian Lukas: Erstmal, hab' ich mich echt beschwert, dass ich zu wenig Kussszenen spiele?

Du meintest, Schlägereinen hättest Du schon zur Genüge gespielt. Aber keine Liebesszenen…

Florian Lukas: Na ja, ich hab eben so wahnsinnig viele Buddies gespielt. Aber Liebesgeschichten waren jetzt auch schon dabei. In Die Fremde lerne ich Umah (Sibel Kekilli) kennen und daraus entsteht so eine zarte Liebesgeschichte, die dem Film durchaus gut tut, denn er ist teilweise sehr heftig und intensiv.

Im Interview mit cafebabel.com zur 60. Berlinale 2010 (©Katarzyna Swierc)

In Die Fremde geht es um eine Deutschtürkin, die aus ihrer gewalttätigen Familie flieht und versucht ein eigenes Leben in Berlin zu beginnen. Ihre türkischen Wurzeln kann und will sie aber nicht ablegen und steuert in eine ausweglose Situation. Du hast selber lange Zeit in Berlin-Kreuzberg gelebt. Wie empfindest Du dieses deutsch-türkische Miteinander?

Florian Lukas: Kreuzberg ist ein Teil von Berlin, den ich unheimlich gerne mag, weil es wahnsinnig bunt und gemischt ist. In Kreuberg bestimmt nicht die Stilpolizei, wer cool ist und wer nicht. Aber wenn man etwas mehr hinguckt, spürt man schon die Probleme, die sich daraus ergeben, dass viele Kinder nicht Deutsch sprechen können. Von Ausgrenzung will ich gar nicht sprechen, aber es hat mich schon erstaunt, wie stark sich einige türkische Familien von der deutschen Gesellschaft abgrenzen. Daraus entstehen viele Probleme, die dann immer größer werden. In den letzten Jahren hat sich da nichts verbessert.

Umah (Sibel Kekilli) rechts im Bild

Die Fremdeist der Debütfilm der österreichischen Regisseurin Feo Aladağ (38). Der Streifen feiert auf der 60. Berlinale seine Weltpremiere. Findest Du solche Festivals spannend oder eher anstrengend?

Vor ihrem Leinwanddebüt mit "Die Fremde" schrieb die österreichische Regisseurin u.a. für den TatortFlorian Lukas: Dieser ganze Glamour-Sch… interessiert mich überhaupt nicht. Das ist ein bisschen wie Karneval - einfach nur Fassade! Aber die Berlinale ist ja zum Glück nicht so eine Schickimicki-Veranstaltung. Es wird nicht so viel Wert auf Etikette gelegt und alles ist verhältnismäßig entspannt. Diese Lockerheit tut dem Bild von Deutschland im Ausland durchaus gut. Ein bisschen wie im Rahmen der WM 2006 - nur im Schnee und mit Filmen.

Fotos: ©Katarzyna Swierc; ©Berlinale.de