Flexicurity: Wenn Europa neidisch gen Norden blickt

Artikel veröffentlicht am 29. November 2009
Artikel veröffentlicht am 29. November 2009

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Seitdem das Modewort Flexicurity den Weg in die Europäischen Institutionen gefunden hat, ist es in aller Munde. Kann man das skandinavische Erfolgsmodell in die anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union exportieren?

Der Ausdruck Flexicurity ist ein Kofferwort aus den beiden Begriffen Flexibilität und Sicherheit (Security). Das Konzept wurde in den skandinavischen Ländern erarbeitet und dort auch erfolgreich umgesetzt. Verschiedene Länder der EU haben dieses Konzept dann auf unterschiedliche Weise aufgegriffen - nicht immer aus freien Stücken und nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Ihnen ging es vordergründlich darum, darum die wirtschaftliche Produktivität ihres Landes zu steigern und zwar ohne, dass die Lebensqualität der Arbeitnehmer darunter leiden muss.

Zum ersten Mal ist der Begriff Flexicurity Anfang der 1980er Jahre in den Niederlanden zur Sprache gebracht worden. Und zwar zu einer Zeit, als die Arbeitslosenquote drastisch gesunken war und der Arbeitsmarkt in hohem Maße deregulierend gesteuert wurde. Aber Europa ließ sich nicht von den Niederlanden, sondern von Dänemark inspirieren. Viele andere europäische Länder blicken neidisch auf die Maßnahmen der skandinavischen Regierung, die den Arbeitsmarkt möglichst flexibel gestalten sollen und dennoch ein gewisses Maß an sozialer Sicherheit gewährleisten. Auch Schweden wird als Musterland neuerdings genauer unter die Lupe genommen. Denn dort gelingt es, die Flexibilität des Arbeitsmarktes und staatliche Maßnahmen, die den Arbeitsmarkt sozial durchlässiger machen sollen, in Einklang zu bringen.

In der europäischen Variante, die 2000 in der Lissabon-Agenda festgeschrieben wurde, steht das Wort „Flexibilität“ für die verschiedenen Etappen, die eine Person im Laufe ihres beruflichen Werdegangs durchläuft und die Forderung an Berufstätige, sich flexible Arbeitsweisen und Kompetenzen anzueignen, um den unterschiedlichen Anforderungen ihres Arbeitgebers so gut es geht gerecht zu werden.

Der Begriff „Sicherheit“ umfasst in dieser Hinsicht mehr als die traditionellen sozialen Leistungen, welche die Sicherung des Arbeitsplatzes und den Arbeitnehmerschutz im Falle einer Restrukturierung des Unternehmens vorsehen. Denn er beinhaltet auch die Möglichkeit, bei Arbeitslosigkeit und in der Übergangszeit von einem Job zum nächsten finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Das Konzept des lebenslangen Lernens - das für die europäische Politik sehr wichtig geworden ist - geht genau in diese Richtung. Jedem Einzelnen wird die Möglichkeit dazu gegeben, sich durch angemessene Fortbildungsmaßnahmen einer sich ständig verändernden Wirtschaft anzupassen.

Bei französischen und deutschen Gewerkschaften hat das Konzept als erstes Interesse geweckt. Sie haben sofort erkannt, dass das Modell der Flexicurity, so wie es in den skandinavischen Ländern Anwendung findet, hervorragend dazu geeignet ist, den Dialog zwischen den staatlichen Autoritäten, den Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu fördern. Doch mit dem Zauberwort Flexicurity tauchten auch direkt Probleme auf: Die Beziehungen zwischen Staat, Gewerkschaften und Unternehmen sind in der Realität komplexe Gebilde und lassen sich nicht so einfach von einem Mitgliedstaat der EU auf den anderen übertragen.