Fischer in Europa - das Ende eines Berufes?

Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2008
"Fisch, frisch vom Fang!" - wird man diesen Ruf in ein paar Jahren noch hören? Der Situation der Fischfang-Branche in Europa nach zu urteilen, gibt es jedenfalls Grund zur Sorge.

Während die Dieselpreise explodieren, hat die Europäische Union soeben neue, einschränkende Quoten für den Fischfang festgelegt. Die Branche befindet sich momentan in einer ausweglosen Situation und kämpft darum, sich Gehör zu verschaffen. Muss man damit rechnen, dass der Beruf des Fischers in Europa an den Rand gedrängt wird?

Brüssel: Ja zu staatlicher Unterstützung, nein zur Infragestellung der Fangquoten!

Am 17 Juni 2008 gab die Europäische Kommission - die eigentlich ziemlich streng ist, wenn es um nationale Initiativen geht, die gemeinsame Fischfang-Politik zu beeinflussen - angesichts der Ermahnungen des französischen, spanischen, griechischen, portugiesischen, maltesischen und slowenischen Fischfangministers schließlich den Forderungen der nationalen Regierungen nach, den Fischern Unterstützung zukommen lassen zu dürfen. Die Obergrenze für die Bezuschussung des Fischfangs steigt von 30 000 auf 100 000 Euro pro Unternehmen. Schuld ist der Anstieg der Benzinpreise, der in diesem Berufszweig - der seit mehreren Jahren ohnehin schon in Schwierigkeiten steckt - großen Schaden verursacht. Für die französischen Fischer beispielsweise machten die Ausgaben für Diesel im Jahre 2004 15% des Umsatzes aus, Ende 2007 waren es 30%, heute sind es fast 50%.

©EU-KommissionNichtsdestoweniger wurden weitere Maßnahmen, insbesondere zur Einrichtung von Instrumentarien, um den Benzinpreis zu stabilisieren, von der Kommission vorerst abgelehnt. Außerdem ist Joe Borg, EU-Kommissar für Fischerei und maritime Angelegenheiten, trotz nachdrücklicher Proteste aus Paris, Madrid und Rom gegen das am 17. Juni beschlossene Thunfisch-Fangverbot im Mittelmeer, kategorisch: "Man kann von der Kommission nicht ernsthaft erwarten, dass sie den sehr schlecht fundierten Forderungen nachgeht, die Quoten neu zu verhandeln." Borg verdächtigt überdies einige Thunfisch-Fänger, nicht alle ihre Fänge zu deklarieren. Wenn die Regierungen einen so begrenzten Einfluss haben, wie soll man dann der Stimme der Fischer Gehör verschaffen?

Eine wirkungsvolle Methode

Die Ablehnung Brüssels der meisten Vorschläge, die die Nationalregierungen, insbesondere Frankreich, zur Lösung der Krise gemacht haben, wirft die Frage auf, welches Gewicht die Stimme eines Landes für eine Politik im europäischen Maßstab hat. Wenn Brüssel das letzte Wort hat, scheint es für die Fischer, die ihren Forderungen Gehör verschaffen wollen, unerlässlich zu sein, mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen und sich direkt an die europäischen Instanzen zu richten - und dies durch die Vermittlung professioneller, staatsübergreifender Organisationen. Die Karenzzeiten zur Organisation und zur Einigung auf eine Lösungsstrategie sind jedenfalls eingehalten worden.

©Carlos Gabriel Juan/flickrZunächst herrschte Chaos: Man sah Berufsverbände von Fischern, wie die Cepesca in Spanien, in mehreren Ländern Blockade-Aktionen durchführen, um von ihren Regierungen insbesondere finanzielle Unterstützung einzufordern. Es gab aber keine Initiative auf europäischer Ebene, um eine starke und geeinte Botschaft nach Brüssel zu senden. Die einzige europaweite Fischer-Organisation, Europêche, hat sich von der Protestbewegung vom 4. Juni 2008 in Brüssel distanziert, bei der 74 Fischer festgenommen wurden.

Man kann schlussendlich zwei große Tendenzen ausmachen, um den Fischfang-Sektor aus der Krise herauszumanövrieren: Im als Südeuropa bezeichneten Gebiet, besonders in Frankreich und Spanien - die, am Schiffsraum gemessen, alleine mehr als ein Drittel der Flotte der EU ausmachen -ist man für die staatliche Bezuschussung der Fischfangs, um die Auswirkungen des hohen Benzinpreises auf den Umsatz der Fangunternehmen einzugrenzen. Notmaßnahmen, die kurzfristig sicher wirkungsvoll sind, die aber auf lange Sicht nur begrenzte Auswirkungen haben. In den Ländern Nordeuropas wie beispielsweise Dänemark zieht man es vor, den hohen Benzinpreis an die Verbraucher weiterzugeben, indem man den Fisch einfach teurer verkauft. Der Vorteil dieser Lösung ist es, dass sie nicht in die von Brüssel vorgegebene Finanzpolitik eingreift. Aber, abgesehen von der Tatsache, dass dieser Weg dem Wirtschaftsprogramm zahlreicher europäischer Länder entgegensteht, welche sich nach der Kaufkraft der Verbraucher richtet, ist die Explosion des Benzinpreises so drastisch, dass diese Lösung auch nicht dauerhaft angewendet werden kann.

Welcher Ausweg für die europäischen Fischer?

©feelmafe/flickr"Die Lösung, die wirkliche Lösung, ist strukturell, nicht konjunkturell!" erklärte Christian Buchet, Direktor des Zentrums für Meeresstudien des Institut catholique in Paris. Anstatt von Subventionen oder Preiserhöhungen zu reden, muss man allmählich eine strukturelle Reformierung des europäischen Fischfangs ins Auge fassen, welcher, Joe Borg zufolge, in einem "Teufelskreis von Überkapazität, Überfischung und abnehmender Rentabilität" steckt. Zu diesem Zweck möchte die Kommission diejenigen Subventionen erleichtern, die darauf abzielen, die Fangboote mit kraftstoffsparenderen Motoren auszustatten. Eine weitere unerlässliche Maßnahme: den Fischern zu helfen, bei den Zwischenhändlern und Zulieferern höhere Preise für ihren Fang durchzusetzen. Wenn man Preisunterschiede von eins zu zehn zwischen dem vom Fischer gekauften Fisch und dem Preis, zu dem er an den Verbraucher weiterverkauft wird, feststellen kann, dann sollt man sich Fragen stellen!

Dennoch scheint auch trotz dieser Maßnahmen eine Verringerung der europäischen Fangflotte zwingend notwendig. Wird der Fischfang verdrängt werden, bis er nichts weiter als eine Touristenattraktion als Teil der folkloristischen Tradition der europäischen Küstengebiete ist? Oder wird es ihm gelingen, sich den großen Umwälzungen anzupassen, die ihm die momentane Krisensituation auferlegt? Für Europa wird es jedenfalls darum gehen, eine gemeinsame Lösung zu finden, besonders in Bezug auf den Benzinpreis-Anstieg, bevor diese mit der Energie zusammenhängenden Krisenphänomene den Rest der Wirtschaft anstecken. Andere Berufszweige, wie der der Fernfahrer, haben bereits begonnen, sich zu mobilisieren.