Finanzkrise in Italien - Gott bewahre!

Artikel veröffentlicht am 1. April 2009
Artikel veröffentlicht am 1. April 2009
Finanzsegen: Die italienische Bischofskonferenz hat mit dem nationalen Bankenverein ein Abkommen getroffen, um „regulären“ Familien in Zeiten der Wirtschaftskrise finanziell unter die Arme greifen zu können. Beamt sich Italien damit zurück ins Mittelalter?

Am 31. März hat die italienische Bischofskonferenz, ein Zusammenschluss der katholischen Amtsträger Italiens, ein Abkommen mit dem italienischen Bankenverein ABI [Associazione Bancaria Italiana] getroffen, das Subventionen über 30 Millionen Euro für „reguläre“ Familien bereitstellt. Italienische Familien in wirtschaftlicher Notlage können somit Kredite aufnehmen, für die sich die italienische Bischofskonferenz als Bürge zur Verfügung stellt. Nach Angaben von Bischof Mario Crociata sollen italienische Gemeinden die Gelder zur Verfügung stellen.

Um über das Bankdarlehen verfügen zu können, das sich auf maximal 500 Euro monatlich beläuft, muss eine Familie die Unterstützung beim Pfarrer der eigenen Gemeinde anfordern. Allerdings können nur verheiratete Paare oder Familien, die Kinder oder Krankheitsfälle zu versorgen haben, auf den „Finanzsegen“ hoffen. „Es handelt sich dabei um eine Hilfsmaßnahme im Rahmen der Finanzkrise“, sagte Crociata weiter. Die Kirchensubventionen sind um einiges höher als Berlusconis staatliche Krisenhilfen für Minderbemittelte. Die Regierung des Cavaliere hatte Ende 2008 die so genannte „Social Card“ geschaffen, die jährlich zwischen 450-500 Euro für insgesamt 400 000 Personen zur Verfügung stellen soll [in etwa 40 Euro monatlich].

Mit dieser Operation zeigt der italienische Staat einmal mehr, dass er der Kirche, in Bereichen wo er nicht mehr selbst eingreifen kann oder will, die Zügel überlässt. Damit beamt sich Italien zurück ins Mittelalter, in eine Epoche, in der die Krankenversorgung und andere soziale Leistungen Aufgabe der Geistlichen waren. Dieser Schachzug der Katholischen Kirche führt nicht nur zu Proselytismus, sondern auch zu neuen Abhängigkeiten, auf die wir heutzutage gut und gerne verzichten könnten.