Filmfestival in Sevilla: Frischer Wind aus Deutschland

Artikel veröffentlicht am 15. November 2006
Artikel veröffentlicht am 15. November 2006

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Deutsche Produktionen waren auf dem europäischen Filmfestival in Sevilla erfolgreich.

"Das europäische Kino ist ein Kino der Gefühle, ein Kino der kleinen und großen Geschichten", sagt Manuel Grosso, Leiter des Europäischen Filmfestivals, das am 11. November in Sevilla zu Ende ging. Nun könnte man einwenden, dass dieses Kino das Wohlgefallen der Kritiker findet, aber auch zum Grübeln neigt. Das europäische Autorenkino besitzt die zweifelhafte Gabe, dem Zuschauer einen hohen Grad an Aufmerksamkeit abzuverlangen. Ist das so, weil es nur über wenig Geld verfügt?

Jedenfalls regt das europäische Kino zum Nachdenken an – im Gegensatz zum nordamerikanischen Kino, das für das große Publikum attraktiver ist. Der Teppich, auf dem die Stars in Sevilla vergangene Woche entlang gingen, war blau und nicht rot.

Italien schlägt wieder zu

„Jetzt kehrt das italienische Kino voller Kraft und mit einer neuen Generation von Regisseuren zurück“, verkündete Grosso am ersten Tag des Festivals, das sich dieses Jahr vor allem dem italienischen Kino widmete. Beispiele hierfür waren auf dem Festival genug zu sehen: Romanzo Criminale (Kriminalroman) von Michele Placido, Il caimano (Der Kaiman) von Nanni Moretti, Nuovomundo (Neue Welt) von Emanuele Crialese oder Rosso come il cielo (Rot wie der Himmel) von Cristiano Bortone.

Der Regisseur Francesco Rosi und der Drehbuchautor Tonino Guerra, beide Altmeister des italienischen Neorealismus, gaben auf einer Konferenz zwei unterhaltsame Stunden lang Geschichtsunterricht. Rossi wollte deutlich machen, dass die neorealistische Strömung im italienischen Kino der Nachkriegszeit eine moralische Forderung war: "Gerecht und solidarisch zu sein, war damals mehr als sozialistische Propaganda".

Heute diskutiert man in Italien darüber, ob die Armee ins mafiageplagte Neapel geschickt werden solle oder nicht. Wäre es da für die jungen italienischen Regisseure nicht besser, sich auf ihre neorealistische Wurzeln zu besinnen? Guerra schlug seinem Landsmann Rosi deshalb vor, er solle doch weiterhin Kino machen, worauf dieser sarkastisch antwortete, er widme sich inzwischen lieber dem Theater.

Deutschland räumt ab

Venus, ein in Großbritannien produzierter Film des südafrikanischen Regisseurs Roger Mitchel, gewann den Wettbewerb und erhielt den „Goldenen Giraldillo“. Der Preis ist mit 60 000 Euro dotiert und hat seinen Namen von dem Engel, der die Giralda-Kathedrale in Sevilla krönt. Venus sei eine Geschichte, die sich durch ihre „Verteidigung des Lebens und der Liebe“ von den anderen Filmen abhebe, begründete die deutsche Regisseurin und Jury-Vorsitzende Margarethe von Trotta die Entscheidung.

Der mit 30 000 Euro dotierte Silberne Giraldillo ging an Das Leben der Anderen. Der Film des deutschen Regisseurs Florian Henckel hat auf anderen Festivals bereits sieben Preise gewonnen. Der Film spielt im Ost-Berlin der achtziger Jahre und handelt von der Stasi-Spitzelei in der ehemaligen DDR. Laut Produzent Quirin Berg ist dies „ein sehr wichtiges Thema für Deutschland“, das vor allem die Berliner „sehr berührt.“ Das Leben der Anderen gilt als Favorit für den Europäischen Filmpreis, der Anfang Dezember in Warschau verliehen wird. Seine wichtigsten Konkurrenten sind Pedro Almodóvars Volver und The Wind That Shakes The Barley des Briten Ken Loach.

In der Sparte „Europa Europa“ prämierte das Publikum den deutschen Film Emmas Glück von Sven Taddicken. Es ist eine intime Geschichte über einen Mann, der im Endstadium an Krebs erkrankt ist. Zusammen mit Emma, einer allein stehenden Bäuerin, lernt er die letzten Momente seines Lebens zu genießen. Bei den Dokumentarfilmen in der Sparte „Eurodoc“ war ebenfalls ein deutscher Film erfolgreich: Maßgeschneiderte Träume. Der Film von Regisseur Marco Wilms erzählt von der Reise eines indischen Schneiders durch Europa. Das Werk wurde mit dem Goldenen Giraldillo für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Photo Homepage: mipan / stock exchange