Feminismus: es geht nicht nur um Gleichheit!

Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2012
Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2012
Von Milena Cazin / Übersetzt von Patricia Fridrich „In meiner Generation ist es nicht notwendig, Feministin zu sein", erklärte die ehemalige französische First Lady Carla Bruni vor kurzem. Worte, die bei der feministischen Bewegung auf heftige Reaktionen stießen, woraufhin sie ihre Äußerung korrigierte und betonte: „Ich persönlich habe nie die Notwendigkeit verspürt, eine Feministin sein.
“ Diese kleine Kontroverse erinnert uns daran, dass der Feminismus immer noch lebendig ist, auch wenn er manchmal neue Formen annimmt.

Am 29. und 30. November fand in Brüssel der zweite „European Gender Summit“ statt und beschäftigte sich mit der Frage, wie Frauen Exzellenz in die wissenschaftliche Forschung einbringen können. „Gender” könnte heutzutage der neue Name für Feminismus sein. In der Tat scheinen Frauen heute immer noch um Gleichberechtigung zu kämpfen, aber nicht nur das. Sie fördern bisweilen auch „gender difference“, mit anderen Worten: Gleichberechtigung im Hinblick auf das, was sie von den Männern unterscheidet. Beim „European Gender Summit” kamen Wissenschaftler und Politiker zusammen, um über die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wissenschaft nachzudenken, und diese beiden Facetten waren sehr präsent.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Die Europäische Kommission hat kürzlich einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Erhöhung der Anzahl von Frauen unter den nicht-geschäftsführenden Direktoren von Unternehmen verabschiedet. Sie sind in der Tat deutlich unterrepräsentiert, ebenso wie in den exakten Wissenschaften, die meist als „Männersache“ angesehen werden. Die Professorinnen Veerle Draulans und Tine Baelmans von der Universität Leuven machten darauf aufmerksam, dass Frauen in Ingenieursstudiengängen oder anderen technischen Fachrichtungen unterrepräsentiert, in der Sozialwissenschaft jedoch überrepräsentiert seien. Ihrer Meinung nach ist es keine Frage der individuellen Wahl, sondern hat viel mehr damit zu tun, wie Frauen und Männer in der Gesellschaft vertreten und wahrgenommen werden. In vielen Universitäten gäbe es zudem mehr Frauen als Männer. Ist es dann nicht albern, in Erziehung zu investieren, Fähigkeiten zu entwickeln und diese dann nicht zu nutzen, wie es bei Frauen der Fall ist?

Gender” als Quelle von Innovation und Exzellenz

Der andere interessante Aspekt dieses europäischen Gender-Gipfels war der Gedanke zum Beitrag der geschlechterspezifischen Dimension in der wissenschaftlichen Forschung allgemein. Am deutlichsten wird dies vielleicht an der Medizin. Wie Professorin Marie Vahter aus Schweden betonte, gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen reagieren nicht immer in gleicher Weise auf das gleiche Ereignis. So fand ihr Institut für Umweltmedizin heraus, dass Arsenbelastung in Bangladesch mehr Auswirkungen auf die Haut von Männern als von Frauen hatte. Es ist wichtig, diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erforschen, um viele medizinische Kausalitäten zu erklären. Über den medizinischen Bereich hinaus scheint auf diesem Gipfel ein allgemeiner Konsens darüber entstanden zu sein, welchen Beitrag die geschlechterspezifische Perspektive leistet. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der weibliche Ansatz ein Unternehmen oder einen Forschungsbereich stärkt, dass er Innovation und Exzellenz mit einbringt. Zwei Begriffe, die den gesamten Gipfel beherrschten.

Geschlechterspezifische Fragen sind also gegenwärtiger denn je. Wie Professor Curt Reis aus Norwegen erklärte, sei ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis das Richtige – “The right thing to do”, und Forschung oder Geschäfte aus einer geschlechterspezifischen Perspektive zu betrachten das Intelligente – “The smart thing to do”.