Fashion-Week in Georgien 2011: Laufsteg nach Europa

Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2011
Vom 13. bis zum 16. Oktober ist Tiflis zur Georgia Fashion Week in Blitzlichtgewitter und Glamour gehüllt: Designer, Einkäufer, Models und der noch junge Modehype in der Haupstadt Georgiens gaben sich bereits zum zweiten Mal die Ehre.

“Die Idee der Fashion-Week ist mit Sicherheit nichts Neues, wenn man ähnliche Events auf der ganzen Welt betrachtet”, sagt Natali Samadalashvili, Präsidentin der 'Georgian fashion group' und eine der Initiatorinnen des Georgischen Fashion-Week Projektes (GFWP). Vielleicht war der ungenierte Aspekt der Modewelt in Georgien aber schwerer durchzusetzen. “Fashion-Events während einer Wirtschaftskrise zu organisieren ist kein Zuckerschlecken.” Dennoch ist es falsch anzunehmen, dass sich Mode nur dann entwickeln kann, wenn ein Land reich ist. “Manchmal sind wir selbst überrascht, wie wir die Dinge zustande bringen. Aber hier sind wir es gewohnt, etwas aus dem Nichts zu schaffen. Das ist der kaukasische Stil oder Teil der DIY-Bewegung. Denn das monatliche Einkommen beträgt hier durchschnittlich nur rund 150€ ."

Georgien ist gewappnet für die Mode

Die zweite Georgische Fashion-Week findet vom 13. -16. Oktober im Nationaltheater auf der Rustawelis Gamsiri, der Georgischen Version der Pariser Champs-Elysées, statt. “Georgien ist gewappnet für die Fashion Week”, fügt die Modebloggerin, Taa Morchiladze, hinzu. Schließlich war die erste Auflage im Herbst 2010 in der Hauptstadt Tiflis ein voller Erfolg. “Viele Menschen machten sich mit den Kollektionen der georgischen Designer vertraut. Die GFW wurde sogar so etwas wie ein Teil des lokalen Lebens.” 14 nationale Designer sowie ausländische Gäste und Einkäufer werden zum Event erwartet. Auch der georgische Modedesigner  David Koma wird seine Heimat höchstwahrscheinlich besuchen. Der 24-Jährige studierte in London am Central Saint Martins College of Art and Design und gilt heute als einer der Favoriten der europäischen Catwalks.

Einige von Komas Kollegen aus der Heimat haben es schwerer. Die Männermode-Designerin Keti Chkhikvadze begann ihre Karriere vor einem Jahrzehnt in Kasachstan. Nachdem sie für ihr eigenes Business Geld zusammengekratzt hatte, kehrte sie nach Georgien zurück, wo sie ihren eigenen Showroom 'The Fashion House' eröffnete. Chkhikvadze weist darauf hin, dass die größte Schwierigkeit für junge Designer in der Region darin besteht, Sponsoren zu finden. Aber sie stellte auch fest, dass ihr Name nach der ersten georgischen Fashion-Week schon bekannter war. “Kunden waren danach mehr an den Anzügen interessiert, aber das löste mein finanzielles Problem nicht”, ergänzt sie. “Ohne Einladungen zu Fashion-Events im Ausland wäre es sehr problematisch für mich weiter zuarbeiten.”

Politik der Kosmetik

Georgische Designer haben noch einen langen Weg vor sich, bevor sie in ihrer Region etwas zu sagen haben. Sie müssen damit beginnen, das Vertrauen lokaler und internationaler Einkäufer zu gewinnen. Das hat oberste Priorität. Die Fashion-Week kreiert außerdem eine nachhaltige Plattform für die Region. Aber Keti Chkhikvadze vertraut darauf, dass Mode in Georgien viel zu sagen hat. “Wenn wir hart arbeiten, wird es sich mit Sicherheit für uns auszahlen”, sagt sie.

Diese Devise stößt sicher auch in Micheil Saakaschwilis Regierung nicht auf taube Ohren. Mode ist eine Art politische Waffe. “Hier ist es unmöglich, etwas ohne die Unterstützung der Regierung zu machen - besonders im Ausland”, erklärt Natali Samadalashvili. Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass Maka Metreveli, die Frau des Vorsitzenden des georgischen Parlamentes, nun Mitglied des offiziellen Fashion-Week-Kommittees ist.

“Hier ist es unmöglich, etwas ohne die Unterstützung der Regierung zu machen - besonders im Ausland”

Natali denkt, dass die GFW die lokale Modeindustrie unterstützt und gleichzeitig "das Image Georgiens im Ausland verbessert". Seit dem Krieg mit Russland im Jahre 2003 versucht Georgien sein Image aufzupolieren. Doch die demokratischen Hoffnungen, die einst durch die Saakaschwili-Ära nach der Rosenrevolution 2003 entstanden, sind zusammengefallen. Politische und soziale Strukturen des Landes sind geschwächt und eine große Anzahl der Bevölkerung leidet unter Armut und Ausgrenzung. “Die Fashion-Week lässt jetzt die ganze Welt wissen wie talentiert die Georgier sind” , sagt Natali. Mit Sicherheit ist Georgien nur ein kleiner Markt, aber alle hoffen, dass er wächst. "Das ist der Grund, warum der Südkaukasus existiert", so Natali.

Von Guler Mehdizade und Ovsanna Bagumyan. Dies ist der erste Teil einer Artikelserie in Ko-Produktion mit unserem Partner EuroCaucasusNews. Das Projekt rund um Journalismus, Multimedia und Europa für Studenten aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien wird von Canal France International (CFI) getragen.

Illustrationen: Homepage: Mit freundlicher Genehmigung von ©Eurocaucasusnews; Videos: (cc)artslondonnews/YouTube; (cc)zurikela005/YouTube