Farage, Petry, Le Pen, und Salvini: Ihr Leben nach der Politik

Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2016
Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2016

Mit einem letzten süffisanten Lächeln kündigte Nigel Farage letzte Woche seinen Rücktritt an. Der Grund für die Entscheidung des UKIP-Parteivorsitzenden? Er wolle "sein altes Leben zurück". Aber wie sieht dieses alte Leben eigentlich aus? Und wie könnte man es sich für seine rechtpopulistischen europäischen Kollegen vorstellen?

Nigel Farage : London geht in Flammen auf

Nigel beißt noch einmal genüsslich in sein Gurkensandwich und schlüpft dann in seine britischen Union-Jack Slippers. Er kann sein Glück kaum fassen. Sein Leben hat er zurück - endlich! Nach monatelanger Panikmache und dümmlichem Grinsen hat er endlich “seinen Teil” für die britische Gesellschaft geleistet. Nämlich, seine glorreiche Insel wieder aus den Zwängen der geldsaugenden Europäischen Union herauszuholen. “Das Pfund ist vielleicht im schlimmsten Tief seit 31 Jahren und fremdenfeindliche Angriffe sind um 500% gestiegen, aber man muss im Leben eben Prioritäten setzten. Ich habe Gott sei Dank jetzt endlich wieder die Zeit, mir eine Folge von Cash in the Attic völlig ohne Unterbrechung anschauen”, denkt er sich.

Von Kopf bis Fuß im weißen Cricket-Dress gekleidet, zündet er sich genüsslich eine Zigarette an. “Wie ich bereits sagte, die Mediziner haben sich im Bezug auf die Schädlichkeit des Rauchens geirrt”, lacht er, wissend, dass der angebliche Teer in seinen Lungen nur Einbildung ist und er jetzt jeden Tag mit Freude zum 35. Glimmstängel greifen kann. Er kann es außerdem kaum abwarten, weitere lange, regnerische Fischer-Ausflüge an der Küste von Kent zu unternehmen. Sein Lieblingsort bleibt weiterhin der, von dem man den Flüchtlingshotspot in Dover gut erkennen kann.

“Vielleicht gehe ich auch mal rüber nach Frankreich”, denkt er sich. Die Franzosen würden den guten, alten Jungs aus Großbritannien niemals Visaprobleme machen. Nicht nach Waterloo.

Er möchte außerdem noch viele Stunden seiner weiteren Leidenschaft widmen: Der internationalen Militärgeschichte. Dieses Wissen spielte ihm schon während seiner Brexit-Kampagne in die Hände (Stichwort: “Moderne Anwendung von historischer Nazi-Propaganda”). Jetzt wird es mit anderen faschistischen Systemen weitergehen, zum Beispiel dem, das jetzt ohne sein Hilfe aus den Trümmern der britischen Gesellschaft entstehen soll.

“Dieses Land so richtig auseinanderzunehmen war ganz schön viel Arbeit”, sagt Nigel zu seiner deutschen Frau, die ihm aber leider nicht richtig zuhören kann, weil sie immer wieder hektisch ihren Visa-Status checkt. “Also dann. Wie wäre es mit einem Drink im heimischen Wirtshaus?”, fragt er und lässt seinen Volvo mit einem zufriedenen Lächeln anspringen. Als er langsam auf die Autobahn Richtung Thanet fährt, schaut er beiläufig in den Rückspiegel. London geht hinter im in Flammen auf, der rote Schein erhellt den Himmel über der Insel. “Wir haben endlich wieder die Kontrolle über unser Land zurückgewonnen.” Noch nie, denkt er sich, war alles so wunderschön wie in diesem Moment. 

Frauke Petry: Verliebt in Tautenhain

Frauke Petry atmet tief durch als ihre Finger über die Tastatur der 500 Jahre alten Pfeifenorgel in der Tautenhainer Kirche streichen. Nach dem fulminanten Erfolg ihrer Partei bei den Bundestagswahlen 2017 hat sie sich gestern entschieden, die Führung der AfD abzugeben, um endlich den wahren Ansprüchen der modernen Frau von heute zu folgen: Stolze Hausfrau und Mutter sein. Marcus Pretzell, neue AfD-Spitze und Petrys neuer Partner, tippt sie von hinten mit seinem 22-Kaliber-Walther in die Seite, sie soll gefälligst weiterspielen. Seitdem die AfD das Waffengesetz an US-Standards angeglichen hat, herrscht wieder Recht und Ordnung in deutschen Haushalten. Das "dämonenhaft Schöne", was Marcus ‚Laugengebäck‘ so sehr an ihr schätzt, darf jetzt endlich Lebensinhalt werden. Genauso wie die "Urlaube zu zehnt" der neuen Patchwork-Familie. Dass das nicht so ganz dem traditionellen Image der AfD entspricht, kann man sich ja zurechtbiegen, ähnlich wie die Flüchtlingsjagd mit Schusswaffe.

Heute Nachmittag wollte sich das traute Paar eigentlich auch noch in ihrem, durch die Abschaffung der Erbschaftssteuer angehäuften, Geld baden (DM versteht sich. Der Euro ist Geschichte), aber ihr Sohn steht mit seinen 14 Jahren leider vor dem Landesgericht. Er hat Kaugummis auf dem Schulhof vertickt. Und Strafe muss, laut AfD ab 12 Jahren, leider sein. Da bleibt nur noch die entspannte Abendlektüre: "How to make your country burn" (Wie man sein Land in Flammen aufgehen lässt) von Nigel Farage.

Marine Le Pen: Das entspannte Leben am Meer

Jetzt, nach ihrem Rücktritt, möchte Marine Le Pen erst einmal Klage gegen das amerikanische Magazin People einlegen, das letzte Woche Bilder von ihr im Badeanzug veröffentlichte. „Das war ein Angriff auf meine Privatsphäre!“, erklärt die Präsidentin des Front National, die für sie allerhöchste Wichtigkeit hat. Ist es schwierig, sich ein Leben der Marine Le Pen abseits der Politik vorzustellen?  Nicht wirklich.

Im letzten Februar veröffentlichte Marine ihre Blog „Carnets d’espérance“ (Hoffnungsbüchlein), in dem wir sie Kühe streichelnd, sich schminkend oder Sonne tankend am bretonischen Strand bewundern dürfen. Indizien, die darauf schließen lassen, dass die National-Verfechterin sich im Fall des Ruhestands wohl in die bescheidene Familienresidenz  mit 430 Quadratmetern in La-Trinité-sur Mer in der Bretagne zurückziehen würde. Am wärmenden Feuer oder auf der Veranda bläst die Repräsentantin der Rechtspopulisten liebevoll in ihr Saxophon, das sie schon viel zu lange im Schranke gelassen hatte. Bei Regen spielt sie Monopoly mit den Kindern und deren Vater Louis, bei Sonnenschein macht sie Ausflüge nach Carnac und flaniert um Hinkelsteine, die ihre „beeindruckenden Vorfahren dort hinterlassen haben“.

Weit weg von der Politik ist Marine eine Frau, frei von allen äußerlichen Zwängen. Sie singt und tanzt, denn „nichts ist schöner als eine soirée, an der man bis 4 Uhr morgens gemeinsam gesungen hat.“ Leicht und unbekümmert streifen ihre Füße durch den Sand, eine Szene die wirkt wie das Ende der kitschigen Filme von französischen Comedystars: Aber trotzdem wird einem dabei doch wirklich warm ums Herz. 

Matteo Salvini: Quiz-Master

Was würde Matteo Salvini tun, wenn er zu seinem „alten Leben“ zurückkehren würde? Als allererste wahrscheinlich sein Geschichtsstudium beenden, das er vor 16 Jahren für die Führung der rechtspopulistischen Liga Nord in Italien aufgegeben hatte, auch wenn ihm nur noch 5 Fächer fehlten. Damals hatte die Politik wohl einfach zu viel Ablenkungspotential, doch heute ist diese Ablenkung nur noch ein Störfaktur im Privatleben, der jetzt eliminiert werden kann.

Zwischen den verschiedenen Lernmodulen wäre dann auch Zeit, sich endlich über seine eigenen politischen Ideologien im Klaren zu werden. Matteo war als junger Mann ein wahrer Kommunist, der dann plötzlich als Anführer der populistischen Rechten wieder auftauchte. Seine Erklärung: Er sei eben Kommunist der alten Schule. Aha. Wir sind der Meinung, diese Erklärung ist es auch und sollte vielleicht modernisiert werden.

Eine weitere Option? Zurück ins Fernsehen als Rätsel-Star. Schon mit 12 Jahren wurde Salvini in Italien als Wunderkind gefeiert. Acht Jahre später, 1992, landete er dann bei der bekannten Quizshow „Il pranzo è servito“  (Essen ist fertig) und jedes Mal stach er seine Rivalen aus. Also, Salvini, der neue Rätselkönig? Warum nicht.

Matteo Salvini in Slumdog Millionaire.