Fairer Handel als Schlüssel zur Entwicklung

Artikel veröffentlicht am 20. Dezember 2004
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Artikel veröffentlicht am 20. Dezember 2004

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Der internationale Handel ist krank. Doch wo der politische Wille fehlt, die Handelsbedingungen zu verändern, nehmen die Bürger selbst das Problem in die Hand.

Eine große Zahl von Konsumenten, die mit dem aktuellen Wirtschaftssystem unzufrieden sind, bevorzugt heute Produkte, die einen ausreichend großen Gewinn für die Hersteller garantieren. Die Blüte des fairen Handels geht einher mit wachsender sozialer Bewusstseinsbildung und bestätigt die Tatsache, dass es lebensfähige Alternativen innerhalb der aktuellen Regeln gibt. Die Verbreitung von „fairen“ Import- und Vertriebsvereinen ist ein Beweiß für die Anstrengungen der Gesellschaft, den Wandel voranzubringen.

Verbot von Entwicklungshilfe

Um den Reichtum der Welt gerechter zu verteilen, braucht es keine Entwicklungshilfe, die mit der Zeit ihre Ineffizienz bewiesen hat, sondern Handel und internationalen Finanztransaktionen.

Die aktuellen Handelsregeln wie die der Welthandelsorganisation - eingesetzt für die totale Marktliberalisierung - zeigen die Scheu der reichen Länder, ihre eigenen Märkte zu öffnen, während sie aber Zugang in die Märkte der weniger entwickelten Länder fordern. Dies hat eine langsame regionale Entwicklung und Angst vor Lebensmittelknappheit in den Ländern zur Folge, die ohnehin unter extremer Armut leiden. Als Beispiel sei die aktuelle Diskussion über die Subventionen der europäischen Zuckerproduktion genannt. Durch heftige Zölle auf Importe verteuert sich der Zucker aus Entwicklungsländern. Nach einer Schätzung von Oxfam könnte eine Politik des fairen Handels, die die Zölle und Subventionen senkt, etwa 30000 Arbeitsplätze in Ländern wie Sambia und Mosambik schaffen.

Lokale Genossenschaften als mögliche Lösung

Trotz ihrem Bekenntnis zum fairen Handel, veranlasst die Europäische Union die Zollsenkungen nur zu bestimmten Zeiten und nur für ein bestimmtes Kontingent an Importen. Es ist klar, dass eine Reformstrategie kompliziert ist. Aber es ist auch unerlässlich, für konkrete Ziele zu arbeiten, um das enorme Ungleichgewicht zu beheben, das die internationalen Handelsbeziehungen überschattet.

Nach der Gründung der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) 1964 entstehen auch in der Zivilgesellschaft Initiativen, die die Entwicklung durch Handel in den armen Ländern begünstigt. “Trade not Aid” war das Motto dieser Bewegungen, die Prinzipien folgen wie der Garantie eines angemessenen Preises und der gleichzeitigen Förderung der Netzwerkbildung unter Herstellerkooperativen in den südlichen Ländern. In Europa war die niederländische Organisation SOS Wereldhandel (heute: Fair Trade Organisatie), gegründet im Jahr 1967, eine der Pionierorganisationen. Sie handeln mit Produkten aus den Entwicklungsländern - unter gleichberechtigter Behandlung der Hersteller. So wird ein Preis vereinbart, der dem Hersteller den Zugang zum Grundbedarf und außerdem langfristig eine technische Hilfe für die Gründung von tragfähigen wirtschaftlichen Strukturen ermöglicht. Mit einer eigenen produktiven Basis wird man lokale Investitionen in die Infrastruktur erreichen können, und gleichzeitig nimmt die Abhängigkeit von Finanzorganismen ab, die fälschlicherweise multilateral genannt werden.

Die faire Handelskette ist in drei Phasen unterteilt: Herstellerkooperativen im Süden verkaufen an Importorganisationen, die wiederum verkaufen die Güter an Einzelhändler. Die Importorganisationen folgen dem Prinzip, dass Personen bedeutender sind als Gewinne, und dass langfristige Kompromisse sowie technische Unterstützung vereinbart werden. Andererseits müssen die kleinen lokalen Genossenschaftsinitiativen eine transparente Verwaltung der Unternehmen, der Löhne, sowie Mindestrechte und Geschlechtergleichheit garantieren. Ein weiterer Vorteil des fairen Handels ist es, dass er direkten Kontakt der lokalen Hersteller mit den europäischen Importeuren ermöglicht. Die Einzelhändler verkaufen an den Endverbraucher und lassen sich selbst durch die Importeure oder direkt über die Herstellerinitiativen beliefern.

Es wurden Organisationen wie die Fair Trade Label Organization geschaffen, die den Herstellern und den Importeuren Zertifikate verleihen, die gerechte Behandlung im Warenhandel garantieren. Sie bescheinigen, dass in keinem Augenblick der fairen Handelskette diese Praxis gebrochen wird und dass der Hersteller einen angemessenen Lohn bekommt. Gleichzeitig versichern sie, dass das Endprodukt qualitativ hochwertig ist.

Langsames Abzeichnen von Ergebnissen

Dank dem Erfolg dieser Initiativen gibt es heute über 70 000 Solidaritätsläden, die landwirtschaftliche Produkte oder Handwerk aus Entwicklungsländern vermarkten. Sie sind auf dem Markt akzeptiert und stoßen auf wachsendes Interesse beim Verbraucher. Die meisten Produkte aus fairem Handel (80%) gehen nach Europa. Vorbildlich ist Deutschland. Auf weltweiter Ebene wird 80% des Kaffees aus fairem Handel nach Deutschland verkauft. Nach einer Reportage der kanadischen Nichtregierungsorganisation Equiterre gibt es im Süden etwa 300 Herstellergruppen. Dies bedeutet: Einkünfte für über 800 000 Familien, über 5 Mio. Personen in 45 Ländern und ein Geldvolumen von 400 Mio. Euro.

Angesichts des unzureichenden Maßnahmen der Regierungen hat die Zivilgesellschaft selbst eine lebensfähige Alternative geschaffen. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem die nationalen und europäischen Regierungen den Willen des Volkes erkennen und sich an der Reorganisation der Weltwirtschaft beteiligen sollten.