EZB-Studie an der Wand, wer ist der reichste in Euroland?

Artikel veröffentlicht am 10. April 2013
Artikel veröffentlicht am 10. April 2013
Die EZB-Studie zur Vermögensverteilung in Europa vom vergangenen Donnerstag kommt zu einem brisanten Moment. Vor wenigen Wochen erst hatte man beim bis in die Nacht dauernden EU-Gipfel ein 10-Milliarden Rettungspaket für die Zyprer geschnürt, für das auch die Bankkunden des Landes ordentlich zur Kasse gebeten werden sollen.
Die neue Studie der Europäischen Zentralbank, die sich auf Daten von 60 000 EU-Haushalten beruft, zeigt nun, dass viele Krisenländer durchschnittlich vermögender sind als die Geberländer. Haben wir irgendetwas verpasst?

Die Studie der Europäischen Zentralbank könnte erneut Öl ins Feuer der Eurokrise gießen. Sie zeigt, dass einige der Krisenherde – Länder der sogenannten PIIGS, vornehmlich im Süden des Kontinents - zu den vermögendsten Ländern in Europa zählen. So haben der Statistik nach beispielsweise griechische, zypriotische und spanische Haushalte durchschnittlich ein höheres Nettovermögen als Deutschland, die Niederlande oder Schweden.

Illustration @Adrien Lecoarer

Warum die Studie mit Vorsicht zu genießen ist:

Die EZB-Studie zeigt die Vermögenswerte von Privathaushalten auf, es ist jedoch wenig sinnvoll, diese separat vom Staats- und Unternehmensvermögen zu betrachten

wohlhabendere EU-Länder haben im Durchschnitt höhere Einkommen und geben weniger für Grundnahrungsmittel aus (Slowenen zum Beispiel geben fast 30% ihres Einkommens für Lebensmittel aus, Holländer nur 12,6%)

Die EZB-Studie bezieht sich teilweise auf Daten von vor der Krise (Erhebung seit 2008), seitdem ging es aber insbesondere im Immobilienbereich drauf und drunter

Ein Dach über dem Kopf schützt nicht vor Armut: In den Krisenländern sind viele Familien Besitzer von Eigenheimen und trotzdem Geringverdiener

die Studie bezieht sich auf Familienhaushalte, das Pro-Kopf-Vermögen wäre aber in Westdeutschland höher als in Griechenland oder Spanien (insgesamt leben in Krisenländern mehr Personen zusammen in einem Haushalt)

das Statistische Bundesamt in Deutschland hat insgesamt höhere Vermögensverhältnisse für Deutschland ermittelt als die EZB-Studie

Illustration: ©Adrien Lecoärer/graphimse.com