Expresso: Der nationalistische Blick auf die Nachrichten

Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2015
Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2015

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Der Fokus auf nationale Aspekte kann für bestimmte Nachrichten nützlich und sogar relevant sein. Aber tragen die internationalen Medien dadurch nicht zur Verstärkung der Unterschiede zwischen den Ländern bei?

Eine Regel des Journalismus besagt, dass je näher eine Nachricht sich ereignet, desto mehr Interesse weckt sie beim Leser. Das erklärt den Erfolg der lokalen und regionalen Medien, denn obwohl die Bürger wissen wollen was im Rest der Welt passiert, so wollen sie auch umfassend über die Ereignisse im Nachbarort informiert werden. Auch wenn die Information aus der Nähe in erster Linie etwas Positives ist, begeben sich die Medien mit diesem Ansatz auf einen gefährlichen Weg: jede Nachricht durch die nationalistische Brille zu sehen.

Es ist genau diese Regel, die dazu führt, dass ein Toter in Frankreich mehr Nachrichtenwert hat als hundert Tote in Syrien. Oder dass ein Anschlag auf Touristen in Tunis bedrohlicher erscheint, als ein Anschlag auf Tunesier in derselben Stadt. „Wie betrifft es uns?“ fragen sich die europäischen Medien und richten als Antwort ihre Artikel zu internationalen Themen auf nationale Aspekte aus. „Kein Spanier unter den Opfern des Anschlags in Tunis“ oder „Was bedeutet für Frankreich der Austritt Griechenlands aus der Eurozone?“ sind Schlagzeilen, die wir in letzter Zeit in der Presse lesen. Und auch wenn sie in einigen Fällen zutreffend sein mögen, sollten sie uns doch zu denken geben.

Ist das die Art und Weise wie wir informiert werden wollen? Tragen wir dadurch nicht dazu bei die Unterschiede zwischen den Ländern zu verstärken, statt das zu stärken, was uns vereint? Sind wir nicht auf dem falschen Weg, wenn wir ständig über den Unterschied zwischen „uns“ und „den anderen“ sprechen?