Expat-Geschichten: Illegal in New York jobben

Artikel veröffentlicht am 13. November 2009
Artikel veröffentlicht am 13. November 2009
Auch in Zeiten der Krise stirbt die Hoffnung zuletzt. Für Europäer, die das Abenteuer in Manhattan auf sich nehmen, bietet das Gastgewerbe schnelle und dank des Trinkgeldsystems gut bezahlte Jobs in New York City am Rande der Legalität.

Die Folgen der Illegalität? Eine knackige Strafe und zehn Jahre Einreiseverbot in die USA.

In New York ist es noch möglich einen Beruf in der Praxis zu lernen. Das Gastgewerbe ist eine der Branchen, die am meisten beschäftigt und dabei oft keine Ausbildung erfordert. Das ist einer der Gründe dafür, dass viele europäische Studenten hier als Kellner arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Trotzdem ist die Verlockung des schnellen Geldes für Ausländer mit Vorsicht zu genießen. Da es in den USA besonders schwer ist eine Arbeitserlaubnis zu bekommen (die bekannte Greencard), stürzen sich viele Auswanderer ohne die erforderlichen Papiere ins Abenteuer. Die Folgen der Illegalität? Eine knackige Strafe und zehn Jahre Einreiseverbot in die USA.

Mika, ein 27-jähriger Schwede, der vor kurzem in den USA angekommen ist, kann ein Liedchen davon singen: Eine Freundin sei nach einer Polizeikontrolle des Landes verwiesen worden, nachdem man ihren Kalender benutzt habe, um ihre illegale Tätigkeit nachzuweisen. „Wenn man schwarzarbeitet, muss man sehr aufpassen mit wem man spricht, was man sagt und was man schreibt. Aber es ist die Sache wert.“

„Ich war Kellnerin in Barcelona für 6 Euro die Stunde“, erinnert sich auch Aurora. „Hier in New York kann ich bis zu 200 Dollar pro Arbeitstag am Wochenende verdienen.“ Aurora ist zufrieden mit den amerikanischen Löhnen. Die Bezahlung durch Trinkgeld ist eine in den USA tief verwurzelte Tradition. Die Rechnung in einem New Yorker Restaurant beinhaltet zum Beispiel einen Steuersatz von 7%. Der Kellner bekommt dazu ca. 15% Trinkgeld, problemlos auch mehr, wenn die Bedienung korrekt ist.

Greencard-Sponsoren

Lucas war beunruhigt über den Restaurantbetrieb, wo er vor fünf Monaten zu arbeiten begann. Zu Beginn musste er zwei unbezahlte Probetage ('training') machen, um dann seinen eigenen Posten zu bekommen. „Der Chef schätzt, dass ein Kunde 18 % Trinkgeld lässt, welches wir per Punktesystem im Team aufteilen. Alles was darüber ist, kann ich behalten. Das war anfangs sehr merkwürdig, da ich es aus Frankreich gewohnt war einen Stundenlohn zu verdienen (Mindeststundenlohn in Frankreich: 8,82 Euro; SMIC: salaire minimum interprofessionel de croissance). Die Amerikaner lassen meist mehr als 20% Trinkgeld, die Europäer weniger, weil sie dieses System nicht gewohnt sind.“ Das kann sich wiederum positiv oder negativ auf das Ergebnis auswirken. „Im Großen und Ganzen verkaufe und verdiene ich umso mehr, je mehr Gäste kommen. Das ist für das eigene Portemonnaie sehr motivierend“, freut sich der Aushilfskellner. Und die Papiere? „Das macht mir keine Sorgen, bis jetzt habe ich noch nie etwas von Polizeikontrollen gehört.“

Von der Gunst des Gastes abhängig zu sein, kann sich als instabil herausstellen.

Für den Schweden Mika war es am Anfang alles andere als leicht: „Ich habe in einem Restaurant gearbeitet, in das kaum Gäste kamen. Der Chef versicherte mir, dass die Saison bald beginne und mehr Gäste kommen würden. Ich habe mich einen Monat lang abgeplagt, manchmal mit nur 10 Dollar Trinkgeld für einen 12-Stunden-Tag. Und dann habe ich gekündigt. Ich habe ein gutes Restaurant gefunden, wo mir der Manager sogar die beliebten Wochenenddienste zugeteilt hat. Ich verdiene hier bis zu 400 Dollar pro Abend“, erzählt Mika. Bezahlung durch Trinkgeld, Betrug oder heißer Tipp? Von der Gunst des Gastes abhängig zu sein, kann sich als instabil herausstellen. Doch für die Mehrheit der Kellner scheint es die Mühe wert zu sein.

Die Schattenseite der Medaille: Viele junge Europäer die dieses Abenteuer auf sich nehmen, befinden sich in der Illegalität und haben nicht die notwendigen Papiere. Das amerikanische System ermöglicht es in bestimmten Situationen, sich von einem Restaurant 'sponsern' zu lassen, um eine der heißbegehrten 'Greencards' zu bekommen - der erste Schritt in Richtung amerikanische Staatsbürgerschaft. Thomas, ein Franzose, der seit mittlerweile zehn Jahren in New York lebt, hat den Wisch „nach zwei Jahren und einigen Tausend Dollar Anwaltskosten“ endlich in der Tasche. Er hat sein Jura-Studium aufgegeben und verdient jetzt als Kellner mehr als 4000 Dollar im Monat. Eine 'success story' im Manhattan des 21. Jahrhunderts.