Exorzismus in Spanien: Gefährlicher Tanz mit dem Teufel

Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2010
Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2010
In Spanien hat der Exorzismus Konjunktur. Woher kommt die Faszination? Vom gefährlichen Tanz mit dem Teufel, der nicht immer hundertprozentig ernst genommen wird.

Laut Experten gäbe es aktuell über 50 satanische Sekten in Spanien, die meisten davon in Barcelona, Valencia und Madrid. Es gibt verschiedene Gruppierungen, die einen geheim, andere wiederum ziemlich gefährlich. Die wohlhabenden Förderer luziferischer Sekten verehren Luzifer als Symbol des Wissens und der Weisheit. Satanische Sekten auf der anderen Seite lehnen soziale Institutionen ab, nehmen Drogen und praktizieren nicht selten Orgien. 

Pater Berriartúa sagt darin die Geburt des Antichristen in Madrid voraus und versucht einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, um diesen zu bekämpfen.Und dann sind da noch die richtig gefährlichen Sekten, wie beispielsweise Los Adoradores de Seth in Spanien (‘Seths Anbeter’), die sich zeitweise auch Amigos de Lucifer (Freunde Luzifers) nennen. Diese Gruppe ist für Entführungen, sexuellen Missbrauch und Mordfälle bekannt. Nach Expertenmeinungen seien satanische Sekten auch für das Verschwinden einiger Kinder in Spanien verantwortlich zu machen; ihre Opfer würden die Anhänger der Sekte für Rituale nutzen. In den meisten Fällen tappen die Ermittler im Dunkeln.

Exorzismus in Spanien

José Antonio Fortea ist Theologe und Experte in Dämonenlehre. Er ist außerdem einer der seltenen Priester, die in Spanien Exorzismus betreiben. In seinem Buch Memorias de un exorcista (Memoiren eines Exorzisten) aus dem Jahr 2008 spricht er von der Notwendigkeit, die Praxis der Austreibung des Teufels beizubehalten, da dieser in unserem alltäglichen Leben ständig präsent sei.

Als Fortea seine Karriere begann, konnte er die Fälle noch an einer Hand abzählen. Inzwischen jedoch, und besonders nach der Veröffentlichung seines Buches, steht das Telefon kaum still. Viele Menschen kommen in seine Gemeinde, um ihn zu besuchen. „Zuletzt waren es bis zu drei oder vier Leute täglich. Und bis zu diesem Zeitpunkt war ich der einzige, der in einem Land mit 40 Millionen Einwohnern den Ritus des Exorzismus vollziehen konnte“, erklärt Fortea in seinem Buch. Schlussendlich bräuchte die große Mehrheit der 'Besessenen' jedoch vornehmlich psychiatrische Behandlung.

Pater Fortea beschreibt Situationen, in denen er Geräusche vernommen habe, wenn es mucksmäuschenstill war in seinem Raum und dass, wenn immer er den Namen Satan ausgesprochen habe, kalte Schauer über seinen Rücken liefen. „Ich habe schon oft mit dem Dämon gesprochen, fast jede Woche, aber dank Gott habe ich nie irgendwelche direkten, außergewöhnlichen Attacken ertragen müssen. Nur einmal sind die Lichter ganz von selbst ausgegangen, als ich im Bett lag. Ich habe das Klicken des Lichtschalters ganz klar gehört. Aber ich dachte mir, wenn das das Minimum ist, das sie tun können…“.

Martas Geschichte: Besessen von 8 Dämonen

Einer der bekanntesten Exorzismus-Fälle in Spanien ist der der 20-jährigen Marta (Name geändert) und zwei in religiösen Themen spezialisierter Journalisten. Fortea benötigte 8 Sitzungen, um die Dämonen aus dem Körper des Mädchens zu vertreiben. Nur der letzte, Zabulón, wollte das Mädchen einfach nicht freigeben.

Eine der Sitzungen wurde gefilmt. Darin sei eine nicht menschliche Stimme aus dem Körper des Mädchens zu vernehmen gewesen, so einer der Journalisten José Manuel Vidal. „Man konnte das monotone Summen des Priesters vernehmen, während Marta versuchte sich aus ihrer Besessenheit zu befreien, bis ihr Stöhnen fast das Blut in den Adern gerinnen ließ. Sie war rasend und heulte laut auf.

Der Exorzist positionierte ein Kreuz auf ihrem Bauch und Oberkörper, während er sie mit Weihwasser segnete. Doch die Reaktionen des Mädchens waren so heftig, dass das Kreuz immer wieder zu Boden fiel und die Mutter es ständig aufheben musste. Vater Fortea rief alsbald den Heiligen Georg an und als Marta ihn hörte, schrie sie und schnaubte, während ihre Augen weiß anliefen. Ihr Körper spannte und dehnte sich, als sie in etwa einer Handlänge über der Matratze schwebte. Ich glaubte meinen Augen nicht.“

Hegen wir tatsächlich eine Faszination für Übernatürliches, die Kräfte des Bösen - die Dinge im Verborgenen? Der Satanismus kann heute einfacher in unser Leben treten, als wir es uns vorstellen mögen: Rockbands wie Yezidis - die sich offen dazu bekennen den Teufel anzubeten und Hardrock-Gruppen wie zum Beispiel Markdust oder Dark Funeral, die besonders in den skandinavischen Ländern Verbreitung finden, können davon zeugen. Wenn der Exorzismus und die Invokation auch zwei verschiedene Positionen darstellen, rufen sie grundsätzlich eine der folgenden drei Reaktionen hervor: Es gibt die, die daran glauben; diejenigen, die den Exorzismus aus gutem Grund anzweifeln; und die, die das Prinzip einfach zum Teufel jagen und sich betrogen fühlen. Doch wem würde bei dem Gedanken an Satans Wut kein Schauer über den Rücken laufen?

Drei aktuelle Filme zum Thema Exorzismus

Fotos: (cc) pugetive/flickr