EUROVISION 2011 - Verliererin bei den Buchmachern, Gewinnerin der Herzen?

Artikel veröffentlicht am 14. Mai 2011
Artikel veröffentlicht am 14. Mai 2011
Lucía Pérez (Foto: Sandra Wickert) Arme Lucía Pérez: bei den Buchmacherin ist sie diejenige, die als Verliererin des Song Contests 2011 gehandelt wird. In der Tat ist das Lied „Que me quiten lo bailao,“ mit dem die Galizierin für ihr Land antritt, mindestens diskutabel. Ein happy-clappy, nichtssagendes Lied frei nach dem Motto „No brain, no pain.
“ „Lasst mich alle nur tanzen, dann bin ich glücklich,“ so die Grundaussage. Dazu ein wirklicher „Oh oh oh oh“-Refrain, ungelenke Tanzbewegungen und eine dämliche Choreo. Spanien, das ist peinlich! In der Pressekonferenz reagiert die Sängerin allerdings extrem entspannt, als man sie mit den diesjährigen Wettaussagen konfrontiert. „Ich will gute Laune verbreiten, es ist ein positiver Song und die Wetten sind mir letztendlich egal. Es ist mir auch nicht wichtig, wie wir letztendlich abschneiden, sondern es geht darum, wie wir uns vor der Welt präsentieren.“ Darum geht es ja leider – dafür, dass in Südspanien gerade wegen Erdbenopfern getrauert wird, kann Lucía sicherlich nichts, aber auch ohne die Katastrophe wäre der Musikbeitrag eines Landes, das eine extrem vielfältige Musikszene sein Eigen nennt, unwürdig.

Die Sache verhält sich aber paradox, wenn man einmal Lucía nahe vor sich hatte. In der Pressekonferenz ringt sie auch den schärfsten Kritikern ein Lächeln ab, denn Lucía scheint tatsächlich hinter ihrem Lied zu stehen, sitzt strahlend und glücklich auf dem Podium und lächelt über Misstöne einfach hinweg. Mit so einer positiven Ausstrahlung gesegnet kann sich Lucía wahrscheinlich noch vor den ganz hinteren Plätzen retten. Singen kann sie, hat sogar eine Stimme die prima zur Movida-Bewegung des Madrids der Achtziger Jahre bewegen würde. Die Prognosen scheinen ihr dann doch nicht völlig egal zu sein – am Ende der Pressekonferenz trällert Lucía Pérez schnell noch mal den Refrain ihres Liedchens, unplugged und so herzergreifend, dass man ihr einfach nur die Daumen drücken muss.

Lucía Pérez auf der PK (Foto: Sandra Wickert)