European Shooting Star Maria Dragus: Schluss mit Kleinemädchenrollen

Artikel veröffentlicht am 11. März 2014
Artikel veröffentlicht am 11. März 2014

Maria Dra­gus war erst 14 Jahre alt, als sie ihre erste große Rolle in Das weiße Band (2009) von Mi­cha­el Ha­n­eke bekam. Fünf Jahre spä­ter ist sie zum Eu­ro­pean Shoo­ting Star avan­ciert und macht sich auf, die nächs­ten Stu­fen zu er­klim­men. Ein Gastbeitrag vom "Berlinale Blog" des Goethe-Instituts Paris

"Ich würde gerne ein biss­chen Fran­zö­sisch spre­chen, weil das dem Ru­mä­ni­schen so ähn­lich ist." An die­sem Ber­li­na­le-Nach­mit­tag springt Ma­ria-Vic­to­ria Dra­gus in ihrem wei­ßen Kleid­chen von einem In­ter­view zum nächs­ten. Die En­er­gie dafür scheint ihr nicht zu feh­len, denn sie lässt sich immer wie­der mit einem Lä­cheln auf das Spiel ein. Umso eher, wenn sie einen Teil des In­ter­views auf Fran­zö­sisch füh­ren kann, das sie her­vor­ra­gend be­herrscht. Dra­gus, die bald zwa­nig wird, freut sich sicht­lich dar­über, schon jetzt end­gül­tig bei den In­ter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len in Ber­lin an­ge­kom­men zu sein: "Ich bin schon zum vier­ten Mal bei der Ber­li­na­le dabei und fühle mich daher fast wie eine Gast­ge­be­rin. Ges­tern habe ich einem eng­li­schen Kol­le­gen eine Cur­ry­wurst­bu­de ge­zeigt."

mit mi­cha­el ha­n­eke fing alles an

Maria Dra­gus dreht ihre Pi­rou­et­ten bei der 64. Ber­li­na­le auf Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch, aber auch auf Ru­mä­nisch, der Spra­che ihres Hei­mat­lands. Die Rol­len, die sie bis­her an­ge­nom­men hat, waren ganz si­cher­lich nicht die ein­fachs­ten, denn alles fing mit Klara an, der Toch­ter des Dorf­pfar­rers in dem von Kri­ti­kern hoch­ge­lob­ten Film Das weiße Band (2009) von Mi­cha­el Ha­n­eke: "Vor die­sem Film kann­te ich Ha­n­eke gar nicht so gut. Dann habe ich Caché (Ver­steckt, 2005) an­ge­schaut und ge­merkt, dass die Ar­beit mit ihm eine wirk­li­che Her­aus­for­de­rung wird. Aber er war sehr auf­merk­sam, sehr pro­fes­sio­nell. Beim Dreh gab es für uns Kin­der sogar einen Coach, damit wir die schlim­me Ge­schich­te des Films auch wirk­lich ver­ste­hen." 

Aus­schnitt aus Das weiße Band (2009) von Mi­cha­el Ha­n­eke.

Ha­n­ekes Film wurde ein Welt­er­folg, der Maria Dra­gus bis nach Can­nes mit­riss, wo Das weiße Band eine gol­de­ne Palme ge­wann. "Das war schon ver­rückt, über den roten Tep­pich zu spa­zie­ren. Wäh­rend der Vor­füh­rung konn­te ich gar nicht ver­ste­hen, dass ich das auf der Lein­wand war. Aber nach­dem ich die Qua­li­tät von Ha­n­ekes Ar­beit ge­se­hen hatte, habe ich so­fort zu mei­nem Vater ge­sagt: Ich habe mich ent­schie­den, ich will jetzt nur noch das ma­chen. Ich will Schau­spie­le­rin wer­den." Mit 15 Jah­ren hatte sie dann den Deut­schen Film­preis als beste Ne­ben­dar­stel­le­rin in der Ta­sche und spiel­te in dem RAF-Dra­ma Wer wenn nicht wir (2011) die Schwes­ter von Gud­run Ens­s­lin. Auch die­ser Film löste bei der Ber­li­na­le mehr als nur eine Dis­kus­si­on aus. Es folg­te Tue-moi (Töte mich, 2012) von Emily Atef, der teil­wei­se in Mar­seil­le ge­dreht wurde. 

Mitt­ler­wei­le will sich das Wun­der­kind aber ver­än­dern und die nächs­ten Stu­fen er­klim­men. Da sie bald 20 Jahre alt werde, wolle sie keine Klei­ne­mäd­chen­rol­len mehr spie­len: "Es ist Zeit, dass ich zu an­de­rem über­ge­he. Im Mo­ment spie­le ich in einem Drei­tei­ler des ZDF mit, in dem es um die Ge­schich­te zwi­schen Ost und West geht. End­lich kann ich mal eine Er­wach­se­ne spie­len!" Aber auch ein Gen­re-Wech­sel würde Dra­gus ge­fal­len, warum nicht eine Lie­bes­schmon­zet­te? "Ach, das wäre super! Aber na­tür­lich in Paris, denn ich liebe diese Stadt. Aber dafür müss­te ich na­tür­lich mein Fran­zö­sisch ver­bes­sern." Die An­sa­ge ist ge­macht. 

Die­ser Ar­ti­kel wurde erst­mals im Fe­bru­ar 2014 im Ber­li­na­le Blog­ des Goe­the-In­sti­tuts Frank­reich ver­öf­fent­licht. Alle Rech­te lie­gen bei Sébas­ti­en Van­nier und dem Goe­the-In­sti­tut Frank­reich.

CAFÉBABEL BER­LIN BEI DER 64. BER­LI­NA­LE

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