Europas Vermeidungsstrategien für versalzene Paellas

Artikel veröffentlicht am 20. November 2008
Artikel veröffentlicht am 20. November 2008

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Verheerende Brände in Griechenland, Salz in Sevilla oder Dioxine in Kampanien: Die Zerstörung von Ackerland in Europa mobilisiert das Europaparlament.

Der Salzgehalt des Guadalquivir hat sich in den letzten Jahren verdreifacht.

Die Stadt Sevilla liegt nur 6 Meter über dem Meeresspiegel, auch wenn sie 96 Kilometer von der Küste entfernt ist. In der Umgebung gibt es riesige Ackerflächen, die bei starkem Regen leicht unter Wasser stehen. Dies gilt insbesondere für die Reisfelder im Bereich des Flusses Guadalquivir. Sein Salzgehalt hat sich in den letzten Jahren verdreifacht und übersteigt mit bis zu 5,3 Gramm pro Liter Wasser das empfohlene Niveau für den Saatpflanzenanbau. “Statt 10.800 Kilo Reis pro Hektar liegen wir jetzt bei 6.000”, erklärt Manuel Cano, der Direktor der Vereinigung der Reisproduzenten Sevillas. Die Provinz verliert somit ihren Spitzenplatz im weltweiten Produktivitätsranking.

©Diego BE/flickr“Dies ist nicht das einzige Beispiel für die Zerstörung der europäischen Agrarflächen”, behauptet Vincenzo Aita, Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Der Europaabgeordnete der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken und Verfasser eines Berichts ist alarmiert angesichts der gegenwärtigen Lage. Zur Trockenheit, mit der Europas Süden in den letzten zwei Jahren zu kämpfen hatte, kommen die verheerenden Waldbrände die 2007 die Wälder Griechenlands zerstörten. Weitere Beispiele sind die in diesem Jahr entdeckte Verschmutzung der Wasservorkommen im italienischen Kampanien und der Klimawandel im Allgemeinen. “Es besteht die akute Gefahr eines Rückgangs der Produktionskapazität europäischer Böden“, insistiert Aita. Und das gerade zu einem Zeitpunkt der Wertsteigerung, zu dem europäische Produkte auf den internationalen Märkten erfolgreich sein und gute Verkaufspreise erzielen könnten.

Weniger CO2 und mehr Geld

Zum einen schlägt Aita eine Gleichstellung der Agrar- und Waldflächen im Kampf gegen den Klimawandel vor. “Die Ackerflächen absorbieren CO2 und ihre Besitzer sollten ein Zertifikat über die Reduktion von Emissionen erhalten, um sich auf den internationalen Märkten präsentieren zu können“, erklärt der Abgeordnete der Linken. Dies würde unterdessen ermöglichen, mehr Hilfs- und Fördergelder zu beantragen, um die Bewässerungssysteme zu modernisieren, in Feuerschutz zu investieren oder das Einsickern der Wasseradern zu verhindern. Der EU-Kommission scheint diese Idee interessant und so kündigt sie für Anfang 2009 ein Weißbuch mit Aktionsvorschlägen für Agrarflächen und ihre Verwendung an. 

Als zweite Maßnahme schlägt Aita vor, die Ressourcen für den EU-Haushalt in diesem Bereich anzuheben. Am weitesten geht der Vorschlag der Spanierin Esther Herranz der Europäischen Volkspartei, den Agrarflächen mehr Strukturfonds zu widmen, um fortschrittliche Bewässerungssysteme zu finanzieren. Ausgerechnet in Sevilla fließen aus diesen Strukturfonds 140 Millionen Euro in den Bau von Staudämmen parallel zum Guadalquivir. Diese sollen die Versorgung der Reisanbauflächen mit Süßwasser garantieren. Herranz drängt auch darauf, dass die Verwaltung des Wassers nicht von politischen Regionen abhängig sein sollte, sondern von natürlichen Regionen. Sprich: wenn ein Wasserbecken zu mehreren Verwaltungseinheiten gehört, dürfte keine von ihnen das alleinige Nutzungsrecht des Wassers für sich beanspruchen. Eine Zwangsvorstellung, die in den Köpfen vieler spanischer Politiker herumspukt.