Europas Straßen finden Einzug im Carré de Baudouin, Paris

Artikel veröffentlicht am 30. Juni 2011
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 30. Juni 2011
Europa Graffiti – mehr als 30 Künstler, mehr als 30 Jahre Graffiti: zum Anlass des Hip Hop Festivals und der Kosmo Art Tour 2011, empfängt das Rathaus des 20 Arrondissements von Paris internationale Künstler in die Säale des Pavillions Carré de Baudouin zu einer modernen, vielseitigen und dem Geschmack der Zeit angepassten Ausstellung im Namen der "Street“.

Von Annika Schlüter

Fotos von Margaux Amaré

© Margaux Amaré Graffiti und Street Art sind zwei Kunstformen, die sich häufig in Abgrenzung zum Anderen definierten. Wobei ersteres auf Schrift und Aussage basiert, erscheint die Schrift bei der Streetart eher als irrelevant, sodass das Interesse des Bildes in den Vordergrund gerückt wird. Schluss mit Alleingängen: sowohl die Künstler als auch die Anordnung der Werke zeigen einen spielerischen Austausch zwischen zwei zeitgenössischen Strömungen, wodurch die einstige Unterteilung von Kunstformen und Ländern in Frage gestellt wird. Und hier finden sie sich wieder: Europa Graffiti! Was dabei herauskommt ist eine Bereicherung und zwar beiderseits.

© Margaux Amaré Die einleuchtende Einfachheit der Räume, wodurch der Effekt der „Straße“ hervorgerufen wird, verbunden mit dem erklärenden Aspekt einiger Werke nach dem Motto 'Kunst zeigt, woraus Kunst gemacht wird', ermöglicht dem Besucher einen tieferen Einblick in diese junge und kreative Szene, vertreten von 35 erfahrenen und bekannten Künstlern im Alter von 29 bis 50 Jahren, zu erlangen. Für jeden zugänglich und ausgesprochen vielseitig, verleiht die Ausstellung dieser Form auch über der Straße hinaus ein Leben.

Zurück in die Zukunft

Trotz der europäischen Ausrichtung der Ausstellung, entzieht sie sich nicht einer kleinen Reise in die „States“, dem Ursprung des Graffitis, representiert von TKID 170 aus New York, der über lange Zeit die europäischen Künstler inspiriert hat. Zu finden ist dieser am Ende der Austellung, was ein Ensemble zwischen dem Ursprung und dem, was daraus, hier in Europa, mit dem Pariser Streetartpioneer Speedy Graffiti, direkt am Eingang zu bewundern, geworden ist, herstellt. Man muss weder Kunststudent oder Sprayer, noch Franzose, Italiener, Niederländer, Belgier, Deutscher, Schweizer, Pole oder Amerikaner sein, um die Absicht der Künstler nachvollziehen zu können. Ein kleines bisschen Offenheit und Zeitgeist kann jedoch nicht schaden.

© Margaux Amaré Die Leidenschaft der Künstler, die häufig als Vandalismus angesehen wird, kann möglicherweise nur auf diesem Weg zu schätzen gelernt werden. Die Künstler sind hauptsächlich unter ihrem Pseudonym bekannt, um dem Risiko, von den Gesetzeshütern geschnappt zu werden, aus dem Weg zu gehen – oder ist es genau dieses, was den Reiz dieser Kunst ausmacht?

Der Kampf gegen illegale Graffitis: Kosteneinsparung durch Autorisation und Subventionen ?

© Margaux Amaré Wie dem auch sei, die meisten Großstädte haben die Initiative ergriffen und Flächen für generell illegale Graffitis freigegeben, wie letztlich Köln und Duisburg in Deutschland oder der Abgeordnete Daniel Senesael in Estaimpuis, Belgien, der die Operation „Street Art“, mit amerikanischen Vorbild, ins Leben gerufen hat. „Die Kunst gehört der Straße, solange sie ein Minimum beherrscht wird. Das Sprayen kann also sonstigen Unsinn vermeiden.“ Diese Art, die Straße für Kunst zu öffnen, ist ein Mittel gegen die unerwünschten Tags.

© Margaux Amaré Die Tatsache, diese Art von Kunst auszustellen ist sehr riskant, zeigt jedoch die Bereitschaft des Rathauses vom 20. Arrondissements: öffentliche Art unterstützen um Kosten für den Kampfes gegen Graffiti einzusparen? Laut der Stadt Paris werden jährlich 190 000 m² mit Tags beschmutzte Wände an öffentlichen und privaten Gebäuden von den systemathisch einschreitenden Kräften behandelt. - Was nun bleibt, ist die Hoffnung, dass diese Initiative leidenschaftliche, jugendliche Nachfolger motiviert, in ihrem Interesse einen Schritt weiter zu gehen und Vandalismus in diesem Sinne ein Ende zu setzen, mit dem Ziel vor Augen, die Straße und Realität ins Museum zu bringen, nachdem die Kunst und das Museum auf die Straße gebracht wurden.