Europas Öko-Städte

Artikel veröffentlicht am 11. April 2005
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Artikel veröffentlicht am 11. April 2005

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Freiburg im Breisgau liegt in Sachen nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene ganz vorne. Doch zu wenige europäische Kommunen folgen dem grünen Beispiel der Öko-Städte.

Angesichts der Tatsache, dass mehr als 80% der Bevölkerung der Europäischen Union in Ballungsgebieten lebt, sind umweltfreundliche Praktiken im innerstädtischen Bereich zentral, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Das Konzept der „Öko-Städte“, das ein ausgedehntes und weit verbreitetes Netzwerk öffentlicher Verkehrsmittel, Initiativen zum Recyceln und erneuerbare Energiequellen enthält, gewinnt an Boden.

Die grüne Stadt

Seit mehreren Jahrzehnten ist Freiburg eine Hochburg der Grünen in Deutschland. In den Wahlen von 2002 haben die Grünen hier mehr als 25% der Stimmen bekommen und Dr. Dieter Salomon wurde der erste grüne Oberbürgermeister der Stadt. Seit den frühen 70er Jahren hat Freiburg kontinuierlich umweltfreundliche Maßnahmen eingeführt und erweitert, die dazu oft noch sehr innovativ waren. Zwischen 1970 und 1973 wurden Fahrradwege eingerichtet, das städtische Straßenbahnnetzwerk wurde verbessert und das ganze Stadtzentrum wurde zur Fußgängerzone erklärt. 1991 wurde schließlich eine regionale Umweltkarte mit Einheitstarif eingeführt, die eine unbegrenzte Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt selbst und ihrer Umgebung ermöglicht.

Fahrradfahren spielt eine zentrale Rolle in Freiburgs Transportsystem. In den letzten drei Jahrzehnten wuchs das städtische Fahrradwegnetzwerk von 29km auf über 500km an. Die Freiburger selbst weisen gerne darauf hin, dass in ihrer Stadt auf zwei Einwohner drei Fahrräder kommen – eine genauso verblüffende wie beeindruckende Statistik! Der Schlüssel zum Erfolg zu diesem Verkehrsnetzwerk ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Verkehrsmittel ineinandergreifen. So gibt es am Hauptbahnhof sowohl Bus- als auch Strassenbahnhaltestellen sowie 1000 Radparkplätze. Die umfangreichen Fahrradwege und Straßenbahnlinien sowie die park-and-ride und bike-and-ride Initiativen machen die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nur effektiver, sondern auch attraktiver. Eine weitere Entwicklung ist die neue 400-Millionen-Euros teure “Breisgau S-Bahn”, ein schneller Vorstadtzug, der Freiburg mit nahe gelegenen Städten und Dörfern verbindet.

Die Sonnenstadt

Freiburg, auch bekannt als Deutschlands Solar-Stadt, hat genauso ehrgeizig in erneuerbare Energien investiert. Führende Solarforschungsinstitute haben ihren Sitz in Freiburg, und die Nutzung der Solarenergie bringt die Stadt an die Spitze der deutschen “Solarliga”. Zum heutigen Zeitpunkt werden fast 5% der Elektrizität Freiburgs aus nachhaltigen Energiequellen gewonnen. Doch die Stadt ist auf dem besten Weg, mit Hilfe von subventionierten Sonnenkollektoren auf Haus-, Schul- und Firmendächern ihr Ziel von 10% bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Einrichtungen zur Mülltrennung und zum Recyceln sind ebenso weit entwickelt. Dazu kommt, dass kürzlich errichtete Wohngegenden in Freiburgs Vororten nach Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien geplant wurden. Die Stadtteile Vauban und Rieselfeld bestehen aus insgesamt rund 6500 energieeffizienten Häusern, die Solartechnologie enthalten und an das öffentliche Verkehrssystem angeschlossen sind.

Diese verschiedenen Maßnahmen haben nicht nur einen positiven Effekt auf die Umwelt, sie verbessern zudem den Lebensstandard. Laut eines Einwohners erzeugt „das Leben in einer Öko-Stadt wie Freiburg eine positive, zukunftsorientierte Einstellung”. Effiziente öffentliche Verkehrsmittel, Gemeinschaftsgeist sowie eine sauberere Umgebung sind alles Bestandteile dieser Einstellung. Ein Student der Freiburger Universität drückt es so aus: “Da wir uns verpflichtet fühlen, unsere Umwelt zu verbessern, empfinden wir ein größeres Zugehörigkeitsgefühl für unsere Stadt”.

Ist es ein Anfang?

Freiburg ist aber nicht die einzige Öko-Stadt. Wenn auch nur wenige Städte und Gemeinden wirklich in verschiedenen Aspekten des Umweltschutzes mit Freiburg vergleichbar sind, so können doch einige zu umweltbewussten Schwesternstädten gezählt werden. Die bayrische Stadt Erlangen zum Beispiel hat kurz nach Freiburg eine Pro-Fahrrad-Politik eingeführt, was zu einem Anstieg von 75% der Fahrradnutzung führte. Die Stadt hat niedrigen Wasserkonsum und die Solarenergie gefördert. Die drei Gewinner des “European Sustainable City Award” – Ferrara, Heidelberg und Oslo – haben ebenso erheblichen Fortschritt gemacht. Ferraras Recyclingsystem ist besonders beeindruckend, Heidelberg sticht mit seinen Energiesparaktivitäten hervor (angeführt von den städtischen Behörden und der Universität, die ihre Kohlendioxidemissionen um 35% verringert haben) und sowohl das öffentliche Verkehrssystem als auch die Programme zur Abfallverringerung in Oslo sind sehr erfolgreich. Stockholm ist eine weitere skandinavische Stadt, die bekannt ist für ihren Umweltschutz. Die schwedische Metropole wird als die umweltbewussteste Hauptstadt in der Welt angesehen.

Den Anforderungen gerecht werden

Diese Städte zeigen uns, dass es möglich ist, einen echten Fortschritt in Sachen Umweltschutz zu machen, der auch für die Bevölkerung attraktiv ist – denn ohne Unterstützung aus der Bevölkerung würden öffentliche Verkehrsmittel, Recycling, Abfallreduzierung und erneuerbare Energie nicht funktionieren. Die Behörden können die Einwohner nicht zwingen, in all diesen Bereichen mitzumachen. Jedoch kann die Entwicklung einer gemeinsam geführten Bemühung dazu führen, dass die Bürger ihre ursprüngliche Abneigung überkommen. Um das zu erreichen, ist Engagement, besonders in finanzieller Form, von Seiten der Behörden erforderlich. Es fällt auf, dass alle der hier genannten Öko-Städte sich in den wohlhabendsten Gegenden Europas befinden. Viele der genannten Maßnahmen sind nicht billig. Dennoch, um Europas Umweltpolitik zu verbessern müssen unsere Regierungen die nötige Unterstützung bereitstellen und in die Umwandlung von vielen Stadtgebieten zu Öko-Städten wie Freiburg investieren. Wir sollten nicht darauf warten, dass die Menschen von selbst ihren Lebensstil nachhaltiger gestalten. Die Stadtverwaltungen sollten Umweltbewusstsein der Masse nahe bringen. Sollte das teuer sein, ist es ein Preis, den es sich lohnt zu bezahlen.