Europas Kulturherbst: Independent und Picasso

Artikel veröffentlicht am 22. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 22. Oktober 2008
Picassos Meister in Paris, Independent-Film aus Katalonien und großes Kino in Stockholm: Kultur pur in Europa trotz herbstlichen Schmuddelwetters.

Picasso als Lehrling

©www.presse.rmn.frIn einer großen Ausstellung, die noch bis zum 2. Februar 2009 in Paris läuft, wird Picasso von seinen Vorbildern in den Schatten gestellt. „Picasso und seine Meister“ (Picasso et les maîtres) kontrastiert das Werk des Genies aus Málaga mit Gemälden von El Greco, Velázquez, Ingres, Cézanne, Tizian, Courbet, Rembrandt, Van Gogh, Manet und vielen anderen, von denen der Symbolist und Kubist in vielerlei Hinsicht beeinflusst wurde. Dank eines beachtlichen Verhandlungsgeschicks mit wichtigen Galerien auf der ganzen Welt ist es den Ausstellern gelungen, große Werke dieser Maler zusammenzutragen. Sie werden gleichzeitig im Louvre, dem Grand Palais und dem Musée d'Orsay ausgestellt.

Barcelona beheimatet den Independent-Film

©alternativa.cccb.org/2008La Fábrica de Cinema Alternatiu (die Alternative Filmwerkstatt) ist eine Non-Profit-Organisation, die nun schon zum 15. Mal das alternative Festival des unabhängigen Films in Barcelona veranstaltet (16.-22. November). Mit dieser kleinen Kostprobe möchte die Filmwerkstatt all jenen Produktionen eine Stimme geben, die in der weltweiten Kinolandschaft keine weite Verbreitung finden, beispielsweise Filmen von Nachwuchsregisseuren. In den offiziellen Sektionen, die sich alle durch die Gewagtheit und die Neuartigkeit ihres Angebots auszeichnen, werden beim diesjährigen Festival 75 Filme gezeigt, darunter Spielfilme, Kurzfilme, Animations- und Dokumentarfilme. Die Nebensektionen werfen sowohl aus der historischen als auch der gegenwärtigen Perspektive ein Streiflicht auf das unabhängige Kino.

Artissima: Turin im Zeichen der Gegenwartskunst

©Artissima.it

Auch in diesem Jahr kommen die aktuellen Trends der Gegenwartskunst wieder nach Turin. Auf der 15. internationalen Kunstmesse Artissima werden zwischen dem 7. und 9. November die neuesten Werke bekannter Gegenwartskünstler vorgestellt. Die Messe wartet mit mehreren Abteilungen auf: Present ©Artissima.itFuture, wo endlich auch die jungen Künstler die Möglichkeit bekommen, für ein großes Publikum auszustellen; New Entries, die Ausstellungsstücke aus 19 jungen Galerien und zehn verschiedenen Ländern versammelt; Constellations, ein Raum, der besonders ausladende Werke beherbergt; Videolounge: audiovisuelle Werke von Künstlern, die mit Film, Video und Animation arbeiten. L’ecole de Stéphanie ist ein experimentelles Projekt, das zum ersten Mal auf der Triennale für Gegenwartskunst 2006 in Paris vorgestellt wurde und das nun auch auf der Artissima vertreten ist. Es ist weder Fiktion, noch Parodie, wie Schöpferin Stéphanie Moisdon sagt, die eine Mittelschule aus den 1970er Jahren darstellt, die als Raum für die Darstellung, die Arbeit, die Weitergabe und den Austausch von Wissen zwischen Künstlern, Philosophen, Kritikern und anderen dient. Die 15. Artissima bietet auch eine Anzahl von Parallelveranstaltungen wie Konferenzen, Filmvorführungen, Comics, Musik, visuelle Kunst und Fotorafie.

Fotografische Streiflichter in Paris

©Paris Photo.fr

Im November wird die französische Hauptstadt durch die zehnte Paris Photo zur weltgrößten Fotografieausstellung. Vom 13. bis zum 16. November stehen Fotografieliebhabern 107 Ausstellungen (86 Galerien und 21 Verlage) aus 19 Ländern offen. Anhand der Werke von über 500 Fotografen kann der Besucher die Geschichte der Fotografie von ihrer Entstehung bis heute nachverfolgen. Ehrengast der Ausstellung ist in diesem Jahr Japan, das erste asiatische Land, das 1850 die Fotografie einführte. Von seltenen Negativen der Meiji-Ära über die experimentellen Avantgardisten der 1930er bis 50er Jahre bis hin zu zeitgenössischen Werken der 1990er Jahre biete die Veranstaltung einen Spaziergang durch Japans Fotografiegeschichte. Es werden Werke von mehr als 130 Künstlern gezeigt.

Stockholm International Film Festival

©stockholmfilmfestival.se

Die schwedische Hauptstadt begeht vom 20. bis zum 30. November zum 19. Mal ihr Stockholm International Film Filmfestival. Im vergangenen Jahr gewann mit der US-amerikanischen Regisseurin Laurie Collyer zum ersten Mal eine Frau den Preis für den besten Film. Für den Debütfilm der Regisseurin, Sherry Baby, erhielt außerdem Maggie Gyllenhaal den Preis als beste Hauptdarstellerin. In diesem Jahr werden mehr als 170 Filme gezeigt, darunter Involuntary des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund, Stephen Soderberghs Che, el argentino mit Benicio del Toro in der Hauptrolle, Filth and Wisdom, Madonnas Debüt hinter der Kamera, Mermaid, ein Film der Russin Anna Melinkyan, der beim letzten Sundance große Anerkennung erntete, und der Dokumentarfilm Fuel von Josh Tickell, in dem das globale Erdöl-Problem und Biodiesel als erneuerbare Alternative zur Energiegewinnung thematisiert wird. Das Festival endet mit der Vorführung von Australia, dem neuesten Film von Baz Luhrmann (dem Regisseur von Moulin Rouge) mit Nicole Kidman und Hugh Jackman in den Hauptrollen.