Europas Katerfrühstücker

Artikel veröffentlicht am 17. September 2009
Artikel veröffentlicht am 17. September 2009

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Im Kampf mit dem morgendlichen Kater ist die alte Regel „vorbeugen statt kurieren” sicherlich die wirksamste. Was aber ist zu tun, wenn man trotzdem mit einem Brummschädel aufwacht? Ein Streifzug durch die Küchenschränke und Rezeptbücher Europas.

Die Frage, was ein Kater eigentlich ist, drängt sich sicherlich als erstes auf. Die Wissenschaft bietet auf dieses Problem viele sich teilweise widersprechende Antworten an, die wohl mit dazu beigetragen haben, dass sich über die Jahrhunderte eine Vielzahl von unterschiedlichen Methoden, den Kater wieder loszuwerden, herausgebildet hat. So behaupten einige Wissenschaftler, dass der Kater durch den Flüssigkeitsmangel des Körpers, der sich negativ aus das Gehirn auswirke, verursacht werde. Darum müsse man, um ihn zu bekämpfen, dem Organismus die fehlende Flüssigkeit wieder zuführen.

Laut den Forschern könnte die Ursache für einen Kater aber auch der Methylalkohol sein, dessen „Genuss“ in größeren Mengen sogar zum Tode führen kann. Diese zwielichtige Substanz findet sich aber nicht nur in gepanschten Spirituosen, sondern auch in Spuren in Bier oder Wodka. Doch warum hat man den Kater immer erst am nächsten Tag? Die wissenschaftlichen Forschungen lassen darauf schließen, dass sich der menschliche Organismus zunächst an den Abbau des Ethanols im Alkohol macht und erst später mit der Oxidation des giftigen Methanols beginnt. Die schädliche Wirkung des Methylalkohols tritt so verspätet ein.

Gegen die trockene Kehle hilft meist ein zweiter Schluck

Daher ist auch eines der populärsten Heilmittel gegen den Kater der Drink am nächsten Morgen. Auf diese Weise wird dem Körper neues Ethanol zur Verarbeitung zugeführt, wodurch sich wiederum die Zersetzung des Methanols verzögert. Die Völker Europas haben allerdings ihre ganz eigene Meinung, wenn es darum geht, in welcher Form man den „Drink danach“ zu sich nehmen sollte. Polen und Deutsche empfehlen, bei der Spirituose zu bleiben, an der man sich am Abend zuvor gütlich getan hat. Die Franzosen hingegen trinken Pastis, einen 45-prozentigen, süßen Anisschnaps.

Es gibt allerdings auch raffiniertere Rezepte für den Anti-Kater-Drink: Vom einfachen Hair of the dog (Gin und Tabasco) über den Prairie Oyster (Ei, Brandy, Worcestershiresauce und Salz) bis hin zum etwas komplizierteren Byczy Strzał (Gemüsebouillon mit Tabasco, Wodka, Limonensaft und Salz) sind hier die unterschiedlichsten Alkoholika vertreten.

Doch nicht nur mit Alkohol kann man sich kurieren. Erlösende Wirkung versprechen auch andere, auf den ersten Blick allerdings etwas abstoßende Getränke: Die Polen empfehlen gegen den Kater einen kräftigen Schluck Saft von sauren Gurken. Die Italiener hingegen kommen durch einen starken Kaffee wieder auf die Beine - allerdings mit Salz! Das mag zwar aufgrund der harntreibenden Wirkung nicht ideal sein, doch schwören die Italiener Stein und Bein auf die Wirksamkeit ihres Gebräus. Zusammen mit den Letten versprechen sie sich aber auch von Coca-Cola ohne Kohlensäure eine heilende Wirkung. Ebenso kräftigend soll aber auch ein starker Kaffee mit Zucker oder noch besser mit Honig sein, denn die darin enthaltene Glukose beschleunigt angeblich den Stoffwechsel des Körpers und somit auch den Abbau des Alkohols. Energiedrinks oder viel Wasser ohne Sprudel helfen beim Ausgleich der eigenen Flüssigkeitsbilanz.

Und was sollte man futtern?

©avlxyz/flickrDie nächste Stufe in der hohen Kunst des Ausnüchterns ist das Frühstück, das vor allem reich an Glukose und leicht verdaulich sein sollte. Nach Meinung der Franzosen genügt der Verzehr von Toasts, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Die Italiener hingegen empfehlen Pasta oder Kartoffeln und die Deutschen verschlingen Salziges wie zum Beispiel Rollmöpse und Heringe, die das gleichzeitig in Mengen zugeführte Wasser im Körper halten soll.

Die Polen hingegen schwören auf das Gegenteil und bereiten sich gern ein seit dem 17. Jahrhundert bekanntes Dessert zu, das den Namen Kogel-Mogel (auf Deutsch „Zuckerei“; A.d.R.) trägt. Dieses Dessert wird aus zwei Eigelben mit drei Löffeln Zucker zubereitet. Eventuell können auch noch Honig und Rosinen hinzu gefügt werden.

Der Preis für das komplizierteste Rezept gegen den Kater geht allerdings an die Spanier, die sich mit einer deftigen Suppe namens Puchero, die ähnlich wie der polnische Eintopf Bigos oder das ungarische Schmorgericht Letscho zubereitet wird, stärken. Und wenn das alles nicht hilft? Dann kann man sich nach britischer Art immer noch Zitronensaft unter die Achseln reiben.

Robert Makłowicz’ Rezept für Puchero:

Zutaten:

©juanje/flickr1 kg Rindfleisch in Streifen

300 g Schweinerücken

100 g Grützwurst

100 g Chorizo-Wurst

100 g geräucherter Speck

2 Zwiebeln

2-3 Karotten

2 Kartoffeln

2 Süßkartoffeln

1 kleiner Kürbis

1 Porreestange

2-3 Maiskolben

Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

1. In einem Topf ungefähr 3 Liter leicht gesalzenes Wasser zum Kochen bringen. Auf dem Siedepunkt Rind- und Schweinefleisch hinzugeben und eine Stunde auf kleiner Flamme kochen.

2. Der Reihe nach hinzufügen: die geschälten und in große Stücke geschnittenen Karotten, die geschälte und in zwei Hälften geschnittene Zwiebel, den der Länge nach eingeritzten und gut gewaschenen Porree (nur den weißen Teil), die in Stücke geschnittenen Maiskolben, Chorizo, Speck und Grützwurst. Auf ganz kleiner Flamme wie Gemüsesuppe eine weitere Stunde kochen. Eine halbe Stunde vor Ende der Kochzeit die geschälten und klein geschnittenen Kartoffelstücke und den ungeschälten Kürbis (ohne Haut zerfällt dieser) in Stücken hinzugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.