Europas Gefängnisse: Inakzeptabel und katastrophal

Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2007
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2007

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

In den meisten Ländern Europas leiden Gefangene unter unwürdigen Haftbedingungen.

Frankreich: Katastrophale Zustände

„Unmenschliche und entwürdigende Behandlung“. So urteilten die Mitarbeiter des Europäischen Anti-Folter-Komitees CPT nach ihrem Besuch mehrerer französischer Gefängnisse im Jahr 2003. Auch die zahllosen parlamentarischen Berichte über die katastrophalen Zustände, in denen Gefängnisinsassen in Frankreich leben, haben die Bevölkerung aufgeschreckt.

Die meisten Anstalten sind überbelegt, die Gefährdung für die Gesundheit der Gefangenen ist groß. Es herrschen Personalmangel, unzureichende Hygiene und Unsicherheit – besonders das Problem sexueller Übergriffe bleibt ein Tabuthema. Einer Untersuchung des Europarates aus dem Jahr 2004 zufolge ist die Selbstmordrate in französischen Gefängnissen ausgesprochen hoch: Auf 10 000 Gefangene kommen 21 Selbstmorde. Diese Rate zählt zu den höchsten in Europa, die Lage ist so schlimm wie in Slowenien, Großbritannien und Norwegen.

Griechenland: „Inakzeptabel“

Ein Bericht des Europarates aus dem Jahr 2006 beschreibt die schlechte Behandlung und die schlimmen hygienischen Bedingungen in griechischen Strafanstalten. Den Autoren zufolge bleibe der Zustand trotz Verbesserungen „inakzeptabel“. Auch hier sind die Überbelegung und der niedrige Hygienestandard die Hauptprobleme. Griechenland zählt 177,3 Gefangene pro hundert Plätze.

Die dreißig Gefängnisse des Landes genügen bei weitem nicht, um die stetig steigende Zahl von Gefangenen aufzunehmen. Sie wuchs von 6 252 im Jahr 1992 auf ungefähr 9 990 im Jahr 2007. Als Antwort auf die Kritik des Europarates versucht die griechische Regierung die Probleme zu verharmlosen. Die schlechten Haftbedingungen „bestünden in nur wenigen Gefängnissen, besonders in Athen und Umgebung“.

Russland: Langsamer Rückgang der Gefangenenrate

Mit 623 Gefangenen pro 10 000 Einwohnern hat Russland dem französischen Zentrum für Gefängnisforschung zufolge die höchste Gefangenenrate Europas. Die zehn erstplatzierten Länder in diesem „Kriminalitäts-Ranking“ sind allesamt ehemalige Sowjetstaaten, darunter Weißrussland (426 Gefangenen pro 10 000 Einwohner), die Ukraine (345), Estland (333), Lettland (292), Georgien (276), die Republik Moldau (247), Litauen (235), Aserbaidschan (202), oder ehemalige kommunistische Bruderstaaten wie Polen (239). In den meisten dieser Staaten fällt allerdings die Zahl der Gefangenen seit Beginn der 1990er Jahre.

Finnland: Die Alternative

In Finnland ist die Zahl der Gefangenen seit den 1980er Jahren stabil geblieben und die Behörden beraten darüber, welchen Sinn Gefängnis oder Bestrafung überhaupt haben. Derzeit wird darüber diskutiert, ob man nicht eher alternative Strafen wie gemeinnützige Arbeit, elektronische Fußfesseln oder Bewährungsstrafen verhängen sollte. Der Gefangenenvereinigung Ban Public zufolge verbüßen mehr als 35 Prozent aller finnischen Gefangenen eine Strafe von einem Jahr oder weniger. Nicht einmal 8 Prozent sitzen mehr als zehn Jahre ein.

Foto-Credits: Frankreich (hiyori13/flickr); Das Sokrates-Gefängnis in Griechenland(robw/flickr); Das Gefängnis von Lubyanka in Russland (phdstudent/flickr); Das Gefängnis im finnischen Turku (O6S82/flickr)