Europas 'Frauen fahren besser'

Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2009
Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2009
Frauen profitieren in Europa von geringeren Versicherungsraten als Männer. Was ist dran an diesem sexistischen Klischee? Sprachliche Macho-Tour von Spanien bis Russland.

Die deutschen Frauen fahren besser; und kennt ihr irgendein anderes Land außer Deutschland, in dem es Frauenparkplätze gibt? Ebendiese wurden eigentlich aus Sicherheitsgründen in Tiefgaragen eingerichtet, sind aber längst zum Thema des ein oder anderen geschlechterfeindlichen Witzes geworden. Es wird gern gesagt, dass Frauen einfach langsamer fahren als Männer, sie sind schwedische oder dänische Söndagsbilist/ Søndagsbilist, polnische niedzielny kierowca, englische Sunday drivers oder kurzum deutsche Sonntagsfahrer. Es gab wohl definitiv weniger Verkehr an dem Tag, an dem Gott die Frau schuf.

In Polen wird ein schleichendes Auto gern mit dem Alter seiner Fahrerin in Verbindung gebracht: jeździć jak baba heißt in etwa „Du fährst wie eine alte Frau“. In Deutschland setzt man mit dem herzigen Reim Frau am Steuer - ungeheuer! noch einen drauf, während sich die Latino-Regionen bei Fahrzeugführern des schwachen Geschlechts sofort einer Gefahr ausgesetzt sehen: Mujer al volante, peligro constante (Frau am Steuer - ständige Gefahr) sagt der Spanier, der Franzose stimmt mit femmes aux volants, morts au tournant (Frau am Steuer - Tod um die Ecke) in das sexistische Hupkonzert ein.

Bleiben die Italiener, bekannt für ihr Macho-Fahrverhalten, bei denen die Kombination Frau/ Auto sowohl „Freuden als auch Schmerzen“ hervorrufen kann (Donne e motori gioie e dolori). Diese These kann sogar so schmerzhaft werden, dass Arsenal-Fußballer Andrey Arshavin schrieb, man solle Frauen doch gleich direkt aus dem öffentlichen Straßenverkehr verbannen.

Im März hatte sich die 22-jährige Russin Anna Klevets gegen Putins im Jahr 2000 verabschiedetes Gesetz aufgelehnt, das Frauen für bestimmte Berufsgruppen, darunter beispielsweise Lokführer, verboten hatte. Das Klischee Frau am Steuer lässt sich von den russischen und lettischen Sprecharten женщина за рулем (‘zenchina za ruliom’) und sievietes pie stures (‘Frau am Steuer’) bis auf die britische Insel (woman driver! ) verfolgen.

Das Antidiskriminierungsgesetz der EU hätte 2004 den Fakt geändert, dass Frauen bis zu 30% weniger Versicherung für ihr Auto zahlen müssen - in Großbritannien stemmten deshalb aber sogar die Mädels gegen die Emanzipation per fahrbarem Untersatz. In Ländern wie Schweden, Polen und den Niederlanden werden Versicherer, für die Gleichbehandlung ein Fremdwort ist, bereits zur Verantwortung gezogen.

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