Europas Familienalbum

Artikel veröffentlicht am 21. März 2007
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Artikel veröffentlicht am 21. März 2007

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Von den Römischen Verträgen bis Erasmus – Meilensteine aus 50 Jahren Europa.

„Europa fällt nicht vom Himmel“, mahnte Altiero Spinelli, italienischer Antifaschist und Gründervater der Europäischen Föderalisten. Spinellis Geburtstag jährt sich 2007 zum hundertsten Mal. Die Europäische Union ist die Frucht der täglichen Arbeit vieler bekannter und unbekannter Menschen, die sich Tag für Tag ihrem Aufbau gewidmet haben. Wir zeigen zehn Fotos, die einige der wichtigsten Etappen dieses Weges nachvollziehen.

1950: Europa startet mit Kohle und Stahl

Durch eine gemeinsame Herstellung der wichtigen Rohstoffe Kohle und Stahl eine „faktische Solidarität“ zwischen den Feinden von gestern herzustellen: Das war die Idee, die der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) zu Grunde lag. Der französische Außenminister Robert Schuman (Bildmitte) schlug sie am 9. Mai 1950 vor. Ursprünglich stammte der Einfall von seiner rechten Hand Jean Monnet (links im Bild). Die deutsch-französische Aussöhnung und der europäische Frieden sollten von hier ihren Ausgang nehmen.

Foto: Médiatèque de la Fondation Jean Monnet pour l’Europe, Lausanne

1957: Geburt der EWG in Rom

1954 scheiterte die Europäische Verteidigungsgemeinschaft am Widestand des französischen Parlaments. Die Errichtung einer europäischen Armee und einer gemeinsamen Regierung schien damit in weite Ferne gerückt. Doch bereits drei Jahre später, am 25. März 1957, wurden die Römischen Verträge unterschrieben: der Vertrag über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und derjenige über die Europäische Atomgemeinschaft. Mit der Einrichtung supranationaler Institutionen gemeinsame Ziele anzustreben, war damals revolutionär.

Foto: Europäische Gemeinschaft

...doch die Grenzen fallen (noch) nicht

Anfang der Sechziger fordern Demonstranten die Abschaffung der Zollbarrieren. Die Zollunion sollte 1968 erreicht werden, doch erst 1993 wurder der Binnenmarkt vollendet. Die wirtschaftliche Integration war das Haupthandlungsfeld der Europäischen Union.

Foto: Europäische Gemeinschaft

1965: De Gaulle blockiert Europa

Am 30. Juni 1965 startet der französische Präsident Charles de Gaulle seine „Politik des leeren Stuhls“: Frankreich nimmt aus Protest nicht mehr an den europäischen Ratssitzungen teil. Um die französischen Agrarinteressen zu verteidigen, stellt er sich im Namen des „Europas der Nationen“ gegen Abstimmungen nach dem Mehrheitsprinzip. Am 29. Januar 1966 gelingt es, den Stillstand durch den Luxemburger Kompromiss zu überwinden. Dieser räumte den Nationalstaaten ein Vetorecht ein in Angelegenheiten, die diese als existentiell betrachteten. Doch die Wunden, die die europäische Einigung durch De Gaulles Politik davon trug, blieben noch lange spürbar.

Foto: Rustman/Flickr

1979: Wahl zum Europaparlament

Am 20. Juli 1979 wird die Französin Simone Veil die erste Präsidentin des Europaparlaments. Die Macht ist begrenzt. Dennoch beginnt damit für Europa die Entwicklung von einem rein diplomatischen Konstrukt zu einer Demokratie.

Foto: Europäische Gemeinschaft

1987: Startschuss für Erasmus

Während die von Jacques Delors geführte Kommission das politische Europa wieder vorantreibt, geht auch das universitäre Austauschprogramm Erasmus an den Start. Bis heute konnten so über eine Million Studenten in einem anderen europäischen Land studieren. Im Bild: Erasmus-Studenten in Berlin.

Foto: Lasse Jansen

1989: der Eiserne Vorhang wackelt...

In den Achtziger Jahren wächst der zivile Widerstand innerhalb des kommunistischen Blocks. Das Foto zeigt einen Teil der über 600 Kilometer langen Menschenkette, die sich am 23. August 1989 als Protestzeichen gegen die sowjetische Besatzung durch Litauen, Lettland und Estland zog.

http://www.youtube.com/watch?v=CLSvMas6ibo Video der Menschenkette

Mit freundlicher Genehmigung der Baltic Assembly

...und fällt schließlich

Am 9. November fällt die Berliner Mauer: Die Ostberliner passieren die Grenzposten, ohne auf Widerstand zu stoßen. Das Symbol des Eisernen Vorhangs, der eine künstliche Trennung durch Europa zog, ist Geschichte. Es sollte allerdings noch über 15 Jahre dauern, bis zwischen 2004 und 2007 zehn europäische Länder, die einst zum kommunistischen Block gehörten, EU-Mitglieder werden sollten.

Foto: Gavin Stewart/Flickr

1995: Tschüß, Passkontrollen!

Innerhalb des so gennanten Schengen-Raums können sich die Unionsbürger nun frei bewegen. Freizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit, freier Waren- und Kapitalverkehr sind die Angelpunkte des gemeinsamen Marktes.

Foto: Europäisches Parlament

2002: Europa im Geldbeutel

Am 1. Januar wird der Euro, den der Vertrag von Maastricht 1992 ins Rollen brachte, Realität. Heute ist er die Währung in dreizehn der 27 EU-Länder. Im Bild eine zeitgeschichtliche Kuriosität: der Euro, den das Movimento federalista europeo, die italienische Abteilung der Europäischen Föderalisten 1972 in Bologna prägte.

Mit freundlicher Genehmigung von Jacopo di Cocco, Privatarchiv

2005, Stopp für die Europäische Verfassung

Das französische und niederländische Nein zum Vertrag über eine Verfassung für Europa hat die jüngere Geschichte der Europäischen Union geprägt. Einige Länder haben den Vertrag dennoch ratifiziert, doch die Zukunft für ihn und für den europäischen Einigungsprozess bleibt ungewiss.

Foto: Thonioz/Flickr