Europas Ackerbau: ein Wintermärchen

Artikel veröffentlicht am 19. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 19. November 2007

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Kein Winterschlaf auf europäischen Feldern: ein Überblick über den Anbau alltäglicher Nutzpflanzen, die im Winter - trotz Kälte und schlechten Wetters - europaweit geerntet werden.

Dürrezeiten, Überschwemmungen und weltweite Preisexplosionen für Getreide, Milch und Öl lassen die Zukunft von Europas Landwirtschaft düster aussehen. Darauf versucht Mariann Fischer Boel, Kommissarin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, mit Reformvorschlägen zu reagieren. Trotz Bepflanzungslimits genehmigt Fischer Boel diesen Winter ausnahmsweise den Anbau auf Parzellen, die eigentlich brach liegen müssten. Um von den hohen Preisen profitieren und gute Geschäft machen zu können, werden auf europäischen Feldern Höchsterträge erzielt.

Rapsfelder in Böhmen, Tschechien

Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt und in den Herbst übergeht, wird mit der Rapsernte und dem Aussäen begonnen. Das aus dieser Pflanze hergestellte Rapsöl wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, war allerdings aufgrund angeblicher gesundheitsschädlicher Wirkung in den europäischen Herstellerländern von Sonnenblumen- und Olivenöl umstritten. Heute werden ihm jedoch gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Hauptproduzenten in Europa sind Deutschland, Tschechien, Frankreich und Schweden. Aufgrund der großen Nachfrage nach Biokraftstoffen wird der Rapsanbau heute auch in Spanien gefördert.

Weinberge in der Toskana, Italien

Anfang Oktober findet auf dem gesamten europäischen Kontinent die Weinlese statt. Weinberge machen 2 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Europas aus. Die Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Wein begann 2006 und wird 2013 vollständig in Kraft treten. Die Reform soll dafür sorgen, dass weniger und konkurrenzfähiger produziert wird: Jedes Jahr gibt die EU 500 Millionen Euro für die Vernichtung der Überproduktion an Wein aus. So wird es eine Prämie für die Vernichtung von Weinreben geben, während gleichzeitig die Bepflanzungsbeschränkungen für die konkurrenzfähigsten Weinberge aufgehoben werden. Die Verwendung von Zucker zur Anreicherung von Wein soll verboten und die Beihilfen zur Produktion von Nebenerzeugnissen abgeschafft werden. Die Beihilfen werden über eine einheitliche Flächenzahlung geregelt, und es soll mehr Geld zur Unterstützung junger Weinbauer investiert werden. Zu den wichtigsten Produzenten zählen Frankreich, Spanien, Italien und Portugal.

Himbeeranbau in Schottland

2007 ist der Obst- und Gemüsesektor das Steckenpferd von Mariann Fischer Boel. Hauptziel ist eine größere Konzentration des Angebots auf die sogenannten Erzeugerorganisationen. Dies hat die GAP bis heute nicht erreicht: die Erzeugerorganisationen kontrollieren bislang nur 38 Prozent des Angebots, das gemeinsame Ziel liegt bei 60 Prozent. Damit könnten die Preise stabilisiert und Konsumkrisen besser überwunden werden. Letztere werden mit Sicherheit zunehmen - bedingt durch die Forderung der Welthandelsorganisation an die EU, ihre Exportzuschüsse aufzuheben. Diese Zuschüsse sollen in der Tat abgeschafft werden.

Zitrusgewächse: Orangen in Valencia, Spanien

Der Winter ist auch die Zeit der Orangenernte, die - genau wie andere Zitrusfrüchte - vor allem in Spanien, Italien und Griechenland angebaut werden. Die Reform des Obst- und Gemüsesektors, die am 1. Januar 2008 in Kraft treten wird, sieht eine Erhöhung der Beihilfen für die Erzeugerorganisationen vor, die Einführung einer einheitlichen Flächenzahlung sowie spezielle Übergangszahlungen für den Anbau von Beerenfrüchten (Erdbeeren oder Himbeeren) über fünf Jahre.

Baumwollfelder in Córdoba, Spanien

Die europäische Baumwollproduktion stellt kaum 2 Prozent der weltweiten Produktion dar, ist aber dennoch sehr wichtig für die Regionen, in denen Baumwolle angebaut wird: In Griechenland (75 Prozent) und Andalusien (24 Prozent) häufen sich Erntemaschinen auf den herbstlichen Feldern. Nach einer Klage der andalusischen Behörden wurde die frühere Regelung für diesen Sektor 2007 durch den Europäischen Gerichtshof aufgehoben. Im November machte Fischer Boel einen neuen Vorschlag für den Sektor: Aber auch dieser stellte die Produzenten nicht zufrieden, da er keine Hilfe für die Baumwollverarbeitungsindustrie vorsieht. 35 Prozent der Beihilfen werden nach Fläche vergeben, die übrigen 65 Prozent als einheitliche Zahlung für Betriebsinhaber.

Zuckerrübenanbau in Flandern, Belgien

Die Zuckerrübe eroberte Europa mit Napoleon und wird hauptsächlich in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien angebaut. Wie auch die Kartoffeln werden sie im Winter geerntet. Im Oktober 2007 genehmigte die EU den Anbau, die Vermarktung und den Konsum einer genmanipulierten Zuckerrübensorte und zog damit den Protest von Umweltschützern und Biobauern auf sich.

Olivenhaine in Sevilla, Spanien

Spanien, Italien und Griechenland sind europa- und weltweit Hauptproduzenten und Verbraucher von Olivenöl. Dieses Öl wird aus Oliven gewonnen, die mitten im Winter geerntet werden. Obwohl sehr kalorienreich, wird Olivenöl bei Cholesterinproblemen empfohlen.