Europäer hungern gegen US-Radar

Artikel veröffentlicht am 23. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 23. Juni 2008

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In Prag, Rom oder Paris setzten europäische Bürgerbewegungen wie "No allo scudo spaziale" (Nein zum Raketenschutzschild) am 22. Juni ihren Kampf gegen den US-Radar mit einem weltweiten Hungerstreik fort.

Rom, Flaminio Platz. Wir treffen Federica Fratini, Isabel Torres und Edoardo Calizza, die Initiatoren eines Hungerstreiks gegen die Installation eines amerikanischen Schildes zur Raketenabwehr über europäischem Territorium. Wir sitzen in einer schattigen Ecke, während eine Gruppe von Leuten Transparente beschriftet und Flugblätter verteilt. Andere versuchen ein Stromaggregat in Betrieb zu setzen, um die Computer zu installieren. Sie sind Aktivisten der Plattform Europe for peace (Europa für den Frieden), die sich gegen die Politik der atomaren Aufrüstung und die Errichtung entsprechender amerikanischer Militärstützpunkte richtet. 

Warum gerade ein Hungerstreik?

Es ist ein Akt der moralischen Verpflichtung und der Solidarität mit der Tschechischen Republik

"Wir wollen Aufmerksamkeit für so ein wichtiges Thema erwecken. Es ist ein Akt der moralischen Verpflichtung und der Solidarität mit der Tschechischen Republik", sagt die junge Frau, die vor einigen Tagen ihren Hungerstreik aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen hatte. Bereits am 13. Mai begannen Jan Tamas und Jan Bednar aus Protest gegen die Errichtung des Raketenschutzschildes über tschechischem Territorium zu fasten. 21 Tage später, am 2. Juni, unterbrachen die beiden jungen Männer ihren Protest, der jedoch mit einem weltweiten Hungerstreiktag am 22. Juni symbolisch fortgesetzt werden sollte. 

Für Frederica ist es selbstverständlich, dass es sich hier um ein globales Problem handelt. "Es geht hier nicht nur um die Tschechische Republik: Auch Italien ist involviert, aber hier spricht niemand davon. Trotzdem ziehen viele mit. Vor wenigen Tagen schlossen sich Australien und Südkorea an." Ähnliche Proteste fanden bereits in Paris, Madrid, Athen, Berlin, Brüssel, Amsterdam, Kopenhagen, Budapest, Zürich, London, Toulouse, Malaga, Porto, Köln, Triest und Turin statt. Praktisch in ganz Europa.

©Sandra Wickert Ausgelöst wurde der Protest, so Federica, "durch die Art und Weise, wie die tschechische Regierung mit dem Problem der Radarstation umging. 70 Prozent der Bevölkerung ist gegen diese neue Militärbasis und will ein Referendum. Und die Regierung? Sie versucht, die Angelegenheit mit den Vereinigten Staaten schnell unter Dach und Fach zu bringen". Doch, so Federica, die Bevölkerung Europas zögere, sich bewusst zu machen, was hier vorgehe. Ein Beispiel: "In Italien wissen wenige Leute, dass unser Land am Projekt der Weltraumrüstung teilnimmt. Der ehemalige Verteidigungsminister, Arturo Parisi, unterzeichnete im Februar 2007 ein Abkommen ohne jede parlamentarische Diskussion." 

Atomfreie Zonen?

"In Italien redet man ununterbrochen über die Sicherheit", sagt Isabel. "Es scheint, als ob wenige Tausend Roma, die hier leben, für das ganze Problem verantwortlich seien. In Wirklichkeit gibt es in unserem Land aber 90 Atomeinrichtungen. Die sind die wirkliche Gefahr." Sie meint, die Öffentlichkeit beginne die Atomtechnik im Energiesektor zu akzeptieren. Dies sei das Ergebnis einer Manipulationskampagne. "Was passiert aber, wenn diese Anlagen älter werden und Störungen auftreten? Tschernobyl zum Beispiel ist immer noch aktiv und gefährlich. Mit der Atomenergie zu scherzen, ist extrem unverantwortlich."

Die Aktivisten versammelten sich vor dem Quirinalspalast (Amtssitz des italiensichen Staatspräsidenten), um ein Treffen mit dem Staatspräsidenten zu erwirken. Sie erhielten die Unterstützung von Repräsentanten verschiedener Institutionen, darunter Filiberto Zaratti, der Umweltschutzbeauftragte der Region Latium, Giulietto Chiesa, Journalist und Europa-Abgeordneter, und Luisa Morgantini, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Den Appell unterschrieben unter anderem Persönlichkeiten wie der amerikanische Linguist Noam Chomsky, der italienische Komiker Beppe Grillo und der ehemalige russische Präsident Michail Gorbatschow. 

Die Urheber dieser Kampagne wollen gegen die Gefahr eines neuen Kalten Krieges Alarm schlagen. Russland und China haben gegen das amerikanische Projekt bereits klar Stellung bezogen. Sie unterzeichneten Ende Mai eine gemeinsame Erklärung, in welcher sie ihre "Bedenken gegen ein Projekt ausdrückten, welches nicht zur Erhaltung eines strategischen Gleichgewichts und damit zur Erhaltung des Weltfriedens beiträgt". Wenig später haben Medwedew und Hu Jintao ein Abkommen über eine Milliarde Dollar zur Errichtung einer Zentrale für Urananreicherung unterzeichnet.