europa.com gegen europa.eu

Artikel veröffentlicht am 13. Juli 2004
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Artikel veröffentlicht am 13. Juli 2004

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Wer kontrolliert das Internet? Was ist die Rolle der EU? Und sind wir den Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts gewachsen? Obwohl die Aussichten nicht zu schlecht sind, behindert die Technologielücke weiterhin Europas Entwicklung.

Die EU hat im Moment 197 Millionen Internetbenutzer, was 25% der Gesamtzahl der weltweiten Surfer und 43% der EU-Bevölkerung entspricht. Auf den ersten Blick sehen diese Zahlen recht ordentlich aus, doch verglichen mit den Zahlen aus den USA steht die EU recht schwach da. Bei 150 Millionen weniger Einwohnern haben die USA 10 Millionen mehr Internetbenutzer als die EU. In anderen Worten, mehr als 70% der Bevölkerung benutzt das World Wide Web, was 26% der weltweiten Nutzern entspricht. Es ist offensichtlich, dass die EU dahingehend hinter den USA liegt, doch das Problem erscheint noch gravierender, wenn man hinter die Zahlen blickt und die beachtlichen Unterschiede entdeckt, die uns trennen. Man könnte denken, dass die neuen Mitgliedsstaaten die Zahlen verzerrt hätten. Es gibt jedoch kein klares Muster, das die alten von den neuen Mitgliedstaaten unterscheidet. Schweden, mit 77% Marktdurchdringung, ist das einzige EU-Land, das die USA übertrifft. Am anderen Ende der Skala finden wir Griechenland mit bedenklichen 15%, gefolgt von Ungarn, Portugal und Litauen, wo jeweils weniger als 20% der Bevölkerung das Internet benutzen. Die Zahlen für die sechs größten EU-Staaten sind auch nicht harmonischer: Sie schwanken zwischen akzeptablen 60% Großbritanniens, 55% in Deutschland, 51% in Italien, den mittelmäßigen 38% in Frankreich und 35% in Spanien bis hin zu schwachen 26% in Polen. Die EU kann nicht einfach sitzen bleiben und darauf warten, dass etwas passiert. Sie muss sofort Initiativen ergreifen, um diese enormen Unterschiede auszugleichen. Länder wie Südkorea (mit einem ähnlichen Entwicklungsstand wie Portugal) haben bereits vor einiger Zeit die Wichtigkeit des Internets erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen wie Preissenkungen für Breitbandverbindungen, Zuschüsse für Hardware oder Bereitstellung von Computerkursen. Als Folge haben in nur wenigen Jahren 62% der Südkoreaner Internetzugang erhalten.

Ein Körper und 14 (offene) Herzen?

Der technologische Rückstand der Europäer geht viel tiefer als die bloße Statistik. Wenn das Internet ein Kreislaufsystem wäre, würde es 14 Herzen haben, um es am Laufen zu halten und Informationen bis in die entferntesten Modems zu pumpen. Zehn dieser Herzen – oder root servers stehen in den USA und nur drei in Europa (Großbritannien, Schweden und Spanien). Die gesamte Information, die im World Wide Web kursiert, fließt durch einen dieser Basis-Server – was bedeutet, dass ein Großteil durch die USA fließt. Ist das ein Problem? Ja. Nicht nur, weil diese Server in den USA stehen, sondern aufgrund der Existenz der sogenannten Carnivore und Echelon-Programmen vom FBI und National Security Agency (NSA). Beide Projekte begonnen mit guten Absichten: Das eine sollte den internationalen Terrorismus bekämpfen, das andere wurde aus dem Kalten Krieg geboren. Doch es dauerte nicht lange, bis beide für andere Zwecke verwendet wurden. Beide Programme sind in der Lage, Millionen von Korrespondenzen in der Sekunde abzufangen, sei es mittels Internet, Telefon oder Radiowellen. Obwohl die US-Regierung die Existenz dieser Programme nicht offiziell bestätigt hat, hat das Europa-Parlament festgestellt, dass diese Programme in verschiedenen Fällen zur Industriespionage missbraucht wurden. Europäische Firmen wurden "angegriffen", um ihre Ideen Konkurrenten wie Boing oder Lockhead zugänglich zu machen, oder, allgemeiner, den großen Firmen in den Gründerländern des Systems zu nutzen, die neben den USA auch Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland umfassen. An diesem Punkt wurde sich die EU bewusst, dass sie Maßnahmen ergreifen musste, um die Kluft zu den USA zu schließen. Eine der ersten dieser Maßnahmen war die Schaffung eines "supersicheren" Verschlüsslungssystems als Antwort auf Echelon.

Die Frage ist: Sollten wir uns darauf beschränken, defensive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, oder sollten wir statt dessen aktiver sein und zurückschlagen, statt uns nur zu schützen? Die Diskussion ist offen: Die EU muss sich entscheiden, ob sie ihr eigenes Echelon-Programm gründen will. Verschiedene Projekte sind im Gespräch, doch wir dürfen nicht vergessen, dass diese Systeme leicht missbraucht werden können, um die Bürgerrechte zu verletzen. Vereinigungen von Internetbenutzern haben bereits gegen ein mögliches "EuroEchelon" Stellung bezogen, und sie haben durchaus Recht damit. Ein ist sicher: Es ist Zeit zu handeln. Wir müssen unser eigenes Spionagesystem ausarbeiten, ohne zum Big Brother zu werden. Wir müssen einen Gegenangriff gegen die starten, die uns attackieren, indem wir ihre eigenen Waffen gegen sie selbst richten. Dabei dürfen wir jedoch nicht unsere Prinzipien verraten. Sonst schleppen wir in unsere Gesellschaft die Laster ein, die wir an der amerikanischen Gesellschaft kritisieren.