„Europa würde mit jüngeren Führungskräften nicht besser funktionieren“

Artikel veröffentlicht am 19. Juni 2006
Artikel veröffentlicht am 19. Juni 2006

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Drei Fragen an Dominique Reynié zur demographischen Entwicklung des Kontinents. Der Pariser Soziologe hat das Buch „Stimmungsbild Europa 2006“ herausgegeben.

Gibt es einen Unterschied zwischen jungen und alten Menschen in Bezug auf die Wahrnehmung der EU?

Die Europäer haben in allen Bereichen hohe Erwartungen an die Union, insbesondere in Bezug auf soziale Sicherung, Umweltschutz und Verteidigung. Die älteren Europäer sind etwas nachsichtiger – sie haben erlebt, wie Europa aus einem Trümmerfeld entstanden ist und sich nach und nach weiterentwickelt hat. Sie sind weniger anspruchsvoll, weil sie wissen, dass das Zusammenwachsen Europas einen langen Atem benötigt.

Die Befriedung des Kontinents ist ein großer Fortschritt für diejenigen, die die zahlreichen Kriege überstanden haben. Für sie legitimiert der Frieden die Existenz Europas. Die Jungen sind mit Europa aufgewachsen. Für sie ist es selbstverständlich, dass der Frieden in Europa sicher ist. Daher sind sie anspruchsvoller und interessierter an einer sich schnell entwickelnden Integration.

Einige der führenden europäischen Politiker sind schon etwas älter – vielleicht zu alt?

Nein, eigentlich nicht. Europa würde mit jüngeren Führungskräften nicht besser funktionieren. Auf der einen Seite gibt es etwas ältere Regierungschefs, wie zum Beispiel Lech Kaczynski (56) in Polen, die keine großen Ambitionen für Europa haben. Und gleichzeitig gibt es Politiker wie Romano Prodi (67) mit einer starken europäischen Kultur und dem Willen und der Erfahrung, die Europäische Union voran zubringen.“

Wie sehen Sie die Zukunft des „alten“ Kontinents?

Der Begriff des „alten Kontinents“ kommt nicht von ungefähr – und wenn die Weisheit mit dem Alter Schritt hält, dann hat die europäische Dynamik Bleigewichte an den Flügeln, wenn die Europäer alt werden. Aber zur EU gehören auch 25 Demokratien und die ständige Erneuerung der führenden Politiker wird auch in Zukunft die Basis für neue Fortschritte sein, um weiterhin nationale und übernationale Interessen in Einklang zu bringen.