Europa und Russland: Vereint gegen Amerika?

Artikel veröffentlicht am 8. März 2004
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Artikel veröffentlicht am 8. März 2004

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Europa und Russland schicken sich an, ein Bündnis zu schmieden, das ihrer Präsenz im All neuen Auftrieb geben könnte. Es ist die einzige Chance gegen die Vorherrschaft der NASA.

Die finanziellen Mittel der EU und das technologische Kapital Russlands erweisen sich als die fundamentalen Bausteine eines erfolgreichen Konzepts zur Etablierung einer neuen Macht in der Erforschung des Weltalls. Tatsächlich spielte Russland nach dem Absturz der amerikanischen Raumfähre Columbia im Februar 2003 für die EU eine Schlüsselrolle für den Fortbestand der Internationalen Raumstation ISS. Seit diesem Zeitpunkt übernimmt das Land die Versorgung und Ablösung der Besatzung der Station, die ein Projekt Europas, der Vereinigten Staaten, Russlands, Japans und Kanadas ist.

Die Annäherung der Positionen Russlands und der EU kann als strategischer Zug vor dem Hintergrund der Befürchtung gelten, das neue Raumfahrtprogramm der USA schade den von der internationalen Gemeinschaft unterhaltenen Projekten und vor allem der ISS - dem Vorzeigeprojekt der ESA-Mitgliedsstaaten, an der Washington maßgeblich beteiligt ist.

Eine mögliche Gemeinschaft?

Die ökonomischen, institutionellen und politischen Differenzen Russlands und der EU haben diese Theorie mehr als einmal ins Wanken gebracht. Nichtsdestotrotz sind sie Dank ihrer kulturellen Gemeinsamkeiten, Geschichte und geographischen Lage natürliche Partner, weshalb eine Allianz zwischen diesen Mächten nichts Neues wäre. Obwohl sich das Verhältnis zu Sowjetzeiten abkühlte, wurde es besser als Russland ein souveräner Staat wurde.

Aktuell teilen die Partner nicht nur das Ziel zum Mars zu fliegen, sondern haben auch andere Projekte in petto. Für das Jahr 2005 soll eine russische Sojus-Trägerrakete die europäische Raumstation Venera-Express, mit wissenschaftlicher Ausrüstung sowohl russischer als auch europäischer Herkunft, in den Orbit bringen. Eine andere bereits geplante gemeinsame Initiative ist die Expedition der Bepi Colombo zum Merkur, bei der Russland die tragende Rolle spielen wird.

Die technische Potenz Russlands

Obwohl Russland im Moment nur noch der Schatten dessen ist, was es einst war, hat es einen bemerkenswerten Schatz technischer Erfahrung und bringt Wissenschaftler und Forscher hervor, die sich trotz ihres schmalen Budgets immer noch in der internationalen Raumfahrtgemeinschaft hervortun. Aus diesem Grund hat die EU Abkommen für die Erkundung des Weltraums mit Russland getroffen.

Sicher ist, dass Russland allein einstweilen keiner Macht die Stirn bieten kann. Obgleich es das erste Land war, dass einen Menschen in den Weltraum schickte – Juri Gagarin 1961 - und eine permanente Raumstation betrieb – die verglühte MIR - entbehrt es heute der finanziellen Grundlage, einem solchen Erfolg allein zu wiederholen.

Tatsächlich sind Russlands Aktivitäten im Bereich der Satelliten fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Diejenigen Raumfahrtvorhaben, die durchgeführt werden, sind nahezu vollständig durch den Verkauf seines technischen Kapitals ermöglicht. Mit diesem einzigen Trumpf verstand es Russland, sich unentbehrlich für den Betrieb der ISS zu machen und so für die EU, zur Eroberung des Alls und speziell die des Roten Planeten, zum Schlüsselpartner zu werden.

Das rote Ziel

Obwohl es sicher noch lange dauern wird, bis eine bemannte Raumfähre auf dem Roten Planeten landet, hat Europa mit der Mars Express-Mission sprichwörtlich einen Fuss auf dem Planeten. Ihr Gelingen ist das Ergebnis eines ESA-Projektes, das zwei Jahre dauern und 300 Millionen Euro kosten wird.

Der Rote Planet ist in letzter Zeit zum wichtigsten Ziel der Raumfahrtmächte geworden. In diesem Wettlauf wollte Russland nicht zurückbleiben. Obwohl es sein Mondlandeprogramm Ende der 70er Jahre aufgab, meldete sich das Land in der Arena der Raumfahrt mit der Ankündigung von Seiten der russischen Raumfahrt Behörde (Rosaviakosmos) zurück, die Erkundung des Mondes und des Mars werde wieder aufgenommen. Sie ging sogar soweit, anzukündigen, in nicht all zu ferner Zukunft können bemannte Missionen entsandt werden.

In der selben Weise versichert auch die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA), europäische Astronauten im Jahr 2030 im Rahmen des europäischen Aurora-Programms zum Mars zu schicken, welches mit nicht weniger als 1145 Millionen Dollar für die nächsten fünf Jahre veranschlagt wird. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass es Missionen sein könnten, die zusammen mit dem Giganten im Osten durchgeführt werden. Zu Beginn will die ESA 2007 versuchen einen Raumtransporter zum Mond zu schicken, um später mit einem weiteren Roboter – dem ExoMars - zum Mars zu fliegen, dessen Auftrag die Suche nach vergangenem oder gegenwärtigem Leben sein wird. Des Weiteren will die ESA 2014 ein neues Projekt auf den Weg bringen, um Materie vom Mars auf die Erde zu holen, bevor eine bemannte Mission dorthin geschickt wird. Dies könnte ebenfalls unter Beteiligung Russlands stattfinden.

Wenn Europa und Russland ihre Kräfte auch für die Eroberung des Mars vereinen, könnte die Geschichte einen tiefen Wandel erfahren und auf der Oberfläche des Roten Planeten wehte dann, wenn der Mensch einst seinen Fuß auf sie gesetzt haben wird, anders als auf dem Mond, vielleicht mehr als eine Flagge.