Europa sitzt auf dem Trockenen

Artikel veröffentlicht am 2. November 2006
Artikel veröffentlicht am 2. November 2006

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Wüsten im Mittelmeerraum und Ölteppiche auf der Donau: Geht Europa das Wasser aus?

Die Weltbevölkerung wächst stetig. Doch sie hat immer weniger Wasser zur Verfügung. Das Jahr 2006 wurde von der UNESCO zum „Jahr der Wüsten und der Verwüstung“ erklärt. Auch Europa sei von dieser Entwicklung betroffen. Obwohl auf dem alten Kontinent 13 Prozent der Weltbevölkerung leben, stünden dort nur acht Prozent der weltweiten Wasserressourcen zur Verfügung.

Der Wassermangel und die damit verbundene Wüstenbildung erreichen Europa über den Mittelmeerraum. Die südlichen Grenzen des Kontinents liegen „an einer Übergangszone, die besonders unter der Klimaerwärmung zu leiden haben wird“, erklärt José Luís Rubio, der ehemalige Präsident der Europäischen Gesellschaft für Bodenschutz (ESSC).

Die Wüste wächst

Gemäß den Zahlen der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) sind bereits 36 Quadratkilometer der Erdoberfläche von Wüsten bedeckt. Jedes Jahr gehen 24 000 Tonnen kultivierbarer Erde verloren.

Wie aber kann man den Wassermangel bekämpfen, ohne die Wasserqualität zu schädigen oder die Wasserquellen zu erschöpfen? Dieser Frage stellt sich die dritte WATMED (Internationale Konferenz für Wasserressourcen im Mittelmeerraum), die vom 1. bis zum 3. November in Tripolis im Libanon stattfindet. Das Gastgeberland selbst hat gute Karten. „Der Libanon ist ein Land mit verschneiten Bergen, mit Flüssen und Wäldern“, beschreibt Perinne Malaud. Die junge französische Reporterin lebt seit Jahren in Beirut. „Die Landschaft steht in starkem Kontrast mit den Sanddünen der Nachbarländer. Sie beneiden den Libanon um seine reichhaltige Natur.“

Nur wenige Tage nach der Konferenz im Libanon sollte auch in einem anderen der betroffenen Mittelmeerstaaten über das Wasserproblem diskutiert werden: Vom 12. bis zum 16. November war in Jerusalem eine internationale Konferenz zum Kampf gegen die Wüstenbildung geplant (Forest to Combate Desertification). Sie wurde aber kurzfristig auf das nächste Frühjahr verschoben. Erst im April 2007 wird dann über mögliche Aufforstungen im Mittelmeerraum und über eine bessere Süwasserversorgung debattiert werden.

Sanddünen vor Europas Haustür

Ein paradigmatisches Beispiel für den Wassermangel ist Ägypten. Die Bodenfläche des Landes besteht zu 90 Prozent aus Wüste und zu einviertel Prozent aus Wasserflächen, meldet das Euro-Mediterranean Information System on the know-how in the Water sector. Wälder gibt es keine, die übrige Fläche wird durch Städte und andere Gebiete mit wenig Vegetation belegt.

Doch auch die Länder der Europäischen Union bleiben nicht verschont. Spanien ist der trockenste Staat Europas: Insgesamt könnten zwei Drittel seiner Fläche zu Wüsten werden. Offiziell befindet sich die einzige Wüste Europas im östlichen Teil Andalusiens. In den sechziger und siebziger Jahren nutze man die Tabernas-Wüste als Kulisse für amerikanische Westernfilme.

Die von Michail Gorbatschow präsidierte Umweltorganisation Green Cross geht davon aus, dass 30 Prozent des italienischen Bodens von der Wüstenbildung bedroht sind. Betroffen sind nicht nur die südlichen Regionen Apulien (Puglia) und Basilikata (Basilicata), sondern auch die Poebene in der nördlicheren Emilia-Romagna. Griechenland und Portugal sind ähnlich gefährdet. Letzteres muss befürchten, dass in zwanzig Jahren zwei Drittel des Landes von der Wüstenbildung betroffen sind.

Dursten auf Kosten der Golfspieler

Die Gründe des Wassermangels und der Verwüstung sind ein offenes Geheimnis. Die älteste Erklärung ist sicherlich die Übernutzung des Bodens durch die Landwirtschaft. „In Spanien werden seit 8000 Jahren Felder bestellt“, erklärt José Luís Rubio. Dazu kommen seiner Ansicht nach moderne Phänomene wie „Massentourismus, hohe Bevölkerungsdichte und Industriekonzentration.“

Ein ganz neues Problem stellen in Spanien die Golfplätze dar. Zu Beginn des Jahres gab es 308, inzwischen sind es schon 324, Tendenz steigend. Über zwei Drittel der Golfplätze befinden sich in den trockenen Teilen des Landes. Für die Instandhaltung der künstlichen grünen Oasen werden aberwitzige Mengen an Wasser verbraucht. Die Umgebung droht, noch weiter auszutrocknen.

„Wasser muss teurer werden.“

Künstliche Eingriffe in die Natur können den Wassermangel nicht beheben, meint Juan José Ibáñez, Doktor der Biologie und Wissenschaftler des CSIS, dem oberstes Regierungsgremium für wissenschaftliche Forschung in Spanien. Er warnt vor, „dem Verlust der Artenvielfalt. Man darf nicht der Versuchung verfallen, den Mittelmeerraum aufzuforsten. Die dichten Wälder der bergigen Regionen waren im Mittelmeerraum schon immer eine Ausnahme“, versichert er.

Die einzige Möglichkeit, dem Wassermangel zu begegnen, sieht Ibáñez darin, durch höhere Preise einen niedrigeren Konsum zu erzwingen. Während Deutschland den höchsten Wasserpreis der EU hat (1,80 Euro pro Kubikmeter), ist Wasser in Spanien am billigsten (0,77 Euro).

Alarm im Donaudelta

Mit ihrer Länge von 2888 Kilometern ist die Donau der Fluss, der die größte Anzahl europäischer Länder passiert: Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine. Seit die EU erweitert wurde und die Grenzkontrollen verschwunden sind, gewinnt der Flussverkehr auf der Donau für Europas Wirtschaft immer mehr an Bedeutung.

Das Wasser aber ist einer ständigen Gefährdung ausgesetzt: Am 2. Oktober diesen Jahres ließ eine serbische Raffinerie in Prahovo Öl-Abfallprodukte in den Fluss laufen. Der Ölteppich, fünfzig Kilometer lang und dreihundert Meter breit, floss die Donau herunter. Erst bulgarischen und rumänischen Behörden gelang es, das Öl zu neutralisieren. Die serbische Regierung hatte nicht auf den Unfall hingewiesen. Laut einer Berechnung aus Bulgarien belaufen sich die Schäden auf bis zu einer Millionen Euro.

Weiter stromabwärts, in der Ukraine, braut sich ein neues Unheil für das empfindliche Ökosystem des Donaudeltas zusammen, das seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die neue ukrainische Regierung hat angekündigt, 2008 die Arbeiten am Bystroye-Kanal zu beenden. Der Kanal gleicht einem pharaonischem Werk und soll dem Land eine neue Einmündung in die Donau schenken. Gemeinsam mit den zahlreichen Touristen wird dieses neue Bauwerk sein Übriges tun, das Ökosystem der Donau zu zerstören.